Was es heißt wirklich frei zu sein

Lebenswege
Claudia Wolf
6 Dez 2016

Claudia Wolf

Was es heißt, wirklich frei zu sein und was es bedeutet, den Standort zu verändern und doch zu bleiben:

In diesem Jahr habe ich mich das gefragt und versucht, mich zu finden. Aber wie kann ich mich finden, wenn ich mich gar nicht verloren habe? Wo ist der Sinn meines Lebens oder Wer bin ich? Diese Fragen und noch ein paar mehr haben mich dazu geführt, dass ich jetzt sagen kann: Ich lebe genau das Leben, das ich leben möchte. Ja natürlich, es gibt hier und da ein paar Kleinigkeiten, die anders sein könnten. Aber wenn sie anders wären, wären sie dann besser? Ich weiß es nicht und daher bin ich zufrieden und glücklich, JETZT so wie es ist. Ich bin dankbar. Wie kam ich dazu?

Meine Eltern waren selbständig und haben mir immer all das gegeben, was ich vermeintlich brauchte und haben mich verwöhnt. Ich war auf einer Privatschule und da fiel meinem Mathelehrer auf: die Claudia, die ist anders. Ich hinterfragte ALLES, ich wollte immer alles ganz genau wissen. Und bald langweilte ich mich. Der Unterrichtsstoff war zu einfach, mein Lehrer machte einen Intelligenztest und stellte fest: mein IQ liegt über dem Durchschnitt. Aber da ich keine Lust mehr hatte, das zu lernen, was ich sollte, kam eine andere geeignetere Schule nicht in Frage. Und so ging das viele Jahre, sehr viele Jahre. Ich lernte an sich gerne, mache ich heute noch. Aber die Schulform hat mich nicht interessiert und daher habe ich schnell abgeschaltet. Erst als ich meine Bildung selber in die Hand nahm, auf der FH und an der IHK lernte, merkte ich selber: du kannst das – du bist nicht faul. Und so beschritt ich den Weg der Personalerin. Nur: das Arbeitssystem war wie das Schul-system: entweder du passt dich da an oder du kannst dir eine neue Stelle suchen. Das habe ich oft getan. Und mich nicht verstanden gefühlt. Immer wieder, ich glaube 10, 15 x wechselte ich den Arbeitgeber. Ich hatte so viel zu geben und war fleißig, aber ich war NIE angepasst. Dann kam ich zu einer 100% RTL Tochter und bekam einen Chef, der mich und mein Potential erkannte. Er hat mich gefördert und auch „gequält“. Er hat mich nicht „vom Haken“ gelassen und ist dran geblieben und ich merkte: der meint es gut mit mir. Der erkennt meinen Kern. Ich stieg auf, bekam eine leitende Funktion und dann wechselte der Chef, wir bekamen eine neue Geschäftsführung und alles war wieder wie früher. Ich  nutzte die Gelegenheit und machte mich selbständig.

War das die Lösung für mich? Aber erst noch etwas Privates hierzu.

Denn zwischenzeitlich war ich auch im Privaten angekommen. Auch hier hatte ich das gleiche Anpassungsproblem: ich hochintelligent, aktiv, kreativ und voller Ideen und Hirngespinste, wollte mich keinem Mann unterordnen. Wie käme ich dazu mit all meinen Freiheitsgedanken und der Selbstverwirklichung? Warum sollte ich, NUR weil ich eine Frau bin, nicht das Gleiche leisten und sagen dürfen wie ein Mann? Ich merkte schnell, dass meine Partner nicht mithalten konnten und trennte die Beziehungen schnell. 2003 lernte ich meinen Mann kennen und 2004 lieben. Es gab viele Hoch und Tiefs, die aber nicht in uns begründet lagen, sondern meist von außen gesteuert wurden. Seit 2012 sind wir verheiratet und die meisten Tage sind gut. Ich habe gelernt, mit mir umzugehen und auch zu verstehen, dass ich nicht „leicht zu händeln“ bin und ich nehme meinen Mann so, wie er ist. Das Wichtigste aber ist, ich bin angekommen. Bei ihm bin ich zuhause. Egal wo. Er ist mein Heimat-Standort. Und er ist meine Stütze, wenn es um meinen Beruf geht. Denn tatsächlich ist es so, wenn ich doch mal zweifle, sagt er zu mir: DU bist gut, du bist sogar sehr gut und wenn du mal zurückschaust, dann siehst du so gut wie nur Erfolge. Gib nicht auf – NIE.

Selbständig sein heißt nicht, keinen Chef zu haben, denn im echten Leben ist es so, dass ich mich am Härtesten ran nehme und kontrolliere. Und natürlich sind meine Kunden mein Kontrollgremium. So hadere ich auch nicht bei kleinen Schwierigkeiten und hinterfrage mich und mein Handeln oft, fast täglich. Und ich lasse Fragen von außen zu. Aber ich habe gelernt, dass das, was andere sagen und fragen nicht mehr meine Fragen sind. Wenn ich jetzt Fragen höre wie: Was würdest du anders machen? Wie würdest du gerne arbeiten, wenn du kein Geld bräuchtest? Würdest du überhaupt arbeiten oder was würdest du machen? Ich würde NICHTS anders machen. Ich mache genau das, was ich machen möchte. Welche Ziele hast du für die nächsten 5, 10 Jahre? Dann weiß ich, ich brauche kein RIESIGES Ziel wie ein Beratungszentrum, 12.000 Euro monatlich oder zig Kunden. Nein. Mein Ziel ist es, in Ruhe und Frieden zu leben und das habe ich in der meisten Zeit erreicht. Ich habe meinen Frieden gefunden, in mir. Auch wenn ich immer noch hyperaktiv und neugierig, wissbegierig bin. Auch wenn ich noch immer umgetrieben bin und von mir werde. Ich möchte etwas bewirken, ja. Ich möchte einen Beitrag zur Gesellschaft, zum LEBEN beitrage. Zu meinem Leben, aber auch, zu dem meiner Kunden. Und das mache ich – täglich.

Claudia Wolf

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