Warum bin ich hier?

SINN
John Strelecky
16 Aug 2019
john Strelecky, Warum bin ich hier? Aus maaS No. 14 SINN

Paul Lander

Vier Wörter und ein Fragezeichen. Neunzehn Zeichen in Summe, inklusive der Leerzeichen und nicht einmal besonders anspruchsvoll literarisch betrachtet. Und auch keine besonders lange Frage. Dennoch, diese vier Wörter und die Neugierde, welche das Fragezeichen hervorrufen, haben unglaublich viel Kraft. Wenn sie von einer wissbegierigen Seele geäußert werden, eröffnen sie die Möglichkeit, unser Dasein auf dermaßen tiefgründige Art zu erleben, dass das gewöhnliche Leben im Vergleich dazu komplett verblasst. Wenn wir uns diese Frage aufrichtig stellen, beginnen wir ein Leben des Sinns zu entdecken. Eine neue Welt der Möglichkeiten.

Ich war 28 Jahre alt, als diese Frage das erste Mal in mir aufkam. Viel später als bei den meisten. Früher als bei so manchem, nehme ich an. Aber lieber spät als nie! Ich schrieb letzten Endes in meinem ersten Buch, “Das Cafe am Rande der Welt”, über meine persönlichen Erfahrungen. Eine der tiefgründigsten Erkenntnisse, welche ich in der Interaktion mit den Lesern dieses Buches hatte, ist, wie einsam sie sich fühlten, als es darin um die Frage nach dem Sinn ging.

Obwohl Gespräche über den Sinn des Lebens zunehmen, sind sie nicht der Beginn der meisten Unterhaltungen. Sport, das Wetter, die neuesten Nachrichten, klar, darum geht es oft. Aber Sinn? Danach wird nicht so oft gefragt.

Du bist nicht allein!

Also fragen wir uns häufig, ob wir denn wohl die Einzigen sind, welche hinterfragen, ob es im Leben um mehr als die täglichen, gewöhnlichen Aktivitäten geht. Aufstehen, zu einem Job gehen, der ganz in Ordnung ist. Heimgehen, Abendessen, ein wenig Zeit mit Familie oder Freunden verbringen. Ins Bett gehen und am nächsten Tag startet der gleiche Ablauf von vorne.

  maaS No. 14 SINN mit Sonderteil John Strelecky

Es hat sich herausgestellt, dass wir damit nicht allein sind. Meine Bücher wurden in 41 Sprachen übersetzt, verteilt an Leser unterschiedlichster Kulturen, Lebensstile und Denkweisen. Doch wenn ich in verschiedene Länder reise und mit den Menschen interagiere, stelle ich fest, dass trotz all der Differenzen, sehr viele Menschen das Verlangen, ein außergewöhnliches und bedeutsames Leben zu führen, gemeinsam haben. Das zeigt mir, dass das Verlangen nach einem sinnvollen Leben angeboren ist.

Doch was bedeutet das für uns? Für jene, die am Beginn der Suche nach ihrem Sinn stehen, bedeutet es, dass wir nicht alles alleine ergründen müssen, denn es gibt Gleichgesinnte. Und zwar Abenteurer, welche bereits lernen, entdecken und erforschen, wie für sie ein sinnvolles Leben aussieht und sich anfühlt. Das sind tolle Neuigkeiten, denn der Weg kann sich ziemlich einsam und beängstigend anfühlen, wenn man ihn alleine beschreitet. Die Möglichkeit zu haben, von anderen zu lernen oder einfach nur inspiriert zu werden, kann uns bei unserer eigenen Sinnsuche überaus hilfreich sein.

Die vorherrschende Technologie macht heutzutage vieles ganz einfach möglich: Wir können uns einen Podcast anhören, der von jemandem auf der anderen Seite des Globus produziert wurde. Oder ein Gespräch auf youtube ansehen, einen Artikel online lesen oder sogar mit jemandem persönlich sprechen. Alles kostenfrei und mit nur einem Klick.

Wo beginnt die Suche nach einem sinnvollen Leben?

Der erste Schritt ist Authentizität. Die Frage: “Warum bin ich hier?” kann nur von dir selbst beantwortet werden, denn es betrifft dein Leben. Andere können dir dabei natürlich begleitend zur Seite stehen. Wenn sie gute Begleiter sind, dann stellen sie Fragen, welche dir helfen, deine eigenen Antworten zu finden.

Der zweite Schritt ist Einsatz. Die Menschen verstehen im Allgemeinen, dass ohne Bemühung, Einsatz und Anstrengung nur sehr wenig im Leben geschieht. Du kannst nicht von deinem Bett in die Küche gelangen, wenn du lediglich den Wunsch danach hast. Jedoch wenn es darum geht, den Sinn des eigenen Lebens zu entdecken und diesen auch zu leben, neigen Menschen dazu, im Wunsch-Modus stecken zu bleiben. Sie bringen viel Zeit dafür auf, sich zu wünschen, den Sinn ihres Lebens zu wissen und dass sich ihr Leben bedeutsamer anfühlt. Doch sie ergreifen keine Maßnahmen, ihren Sinn tatsächlich auch zu identifizieren.

Wenn du nun feststellst, dass dies für dich genau zutrifft, habe ich ein paar Vorschläge, welche dir behilflich sein könnten, mit deiner Sinnfindung zu beginnen.

Vorschlag 1: Von Vorbildern lernen

Frage dich: “Wer lebt denn mein Traumleben bereits?” Verfasse eine Liste mit drei bis vier Menschen und schreib auf, was du an ihrem Leben so bewunderst. Ist es die Art und Weise, wie sie ihre Zeit verbringen? Die Einstellung, mit der sie durchs Leben gehen? Den Beitrag, welchen sie für andere leisten? Es können Menschen sein, welche du gut kennst oder welche, die du nie getroffen hast, aber von denen du weißt.
 

Was an ihrem Leben findest du bedeutsam? Die Tatsache, dass sie glücklich mit ihrer Lebensführung sind? Dass ihr Leben einen positiven Unterschied im Leben anderer bereitet? Dass ihre Leben Grenzen sprengen?

Falls dem so ist, dann lerne alles, was du kannst, über diese Menschen. Haben sie immer schon so wie jetzt gelebt? Falls nicht, welche Schritte haben sie unternommen, um dorthin zu gelangen, wo sie nun sind? Welchen Hindernissen sind sie auf ihrem Weg begegnet und wie haben sie diese gemeistert? YouTube, Biographien und Google-Suchen sind fantastische Möglichkeiten, wenn du diese Menschen nicht persönlich kennst.

Falls du sie kennst, dann frag einfach, ob sie bereit für einen Austausch wären. Mir ist bewusst, dass dies eventuell etwas komisch ist, wenn du so etwas noch nie gemacht hast. Mein Vorschlag wäre, ruf sie an oder schreibe eine E-Mail oder verabrede dich zum Essen mit ihnen. Wenn du sie dann triffst, dann sag ihnen, wie schön du es findest, dass ihr euch seht, und frag, was sich in ihrem Leben so tut. Sie werden dir ausführen, was bei ihnen gerade so los ist. Danach werden sie dich fragen, was sich bei dir so tut. Das ist dann der ideale Zeitpunkt, um ihnen zu sagen: “Ich arbeite gerade an einem sehr interessanten Projekt und zwar, wie wir ein bedeutsames Leben führen können.”

Möglicherweise werden sie dir dann gratulieren oder dich fragen, wie es läuft – das ist der perfekte Zeitpunkt, sie um einen Rat zu bitten. Sag sowas wie: “Ich kämpfe damit, rauszufinden, was mich wirklich begeistert.” Oder: „Es ist schwer, meinen Terminkalender mit meinen Interessen zu vereinen.“ Oder womit auch immer du zu kämpfen hast. Dann sag etwas wie: “Ich habe immer bewundert, wie du das machst. Du scheinst so verbunden mit deinem Traumleben zu sein und lebst es auch.”. Oder: “Du scheinst total gut den Fokus auf das halten zu können, was dir wirklich etwas bedeutet.”

Ergreife die Chance und lerne von dem Menschen, welchen du bewunderst. Höre möglichst viel zu und sprich nur wenig während diesem Teil des Gesprächs. Fragen zu stellen ist toll. Hierbei viel über sich selbst zu sprechen nicht. Diese aktiven Schritte zu unternehmen und die Erfahrungen der anderen, werden dir helfen zu identifizieren, wie dein sinnerfülltes Leben aussehen könnte.

Vorschlag 2: Bedeutsame Momente vermehren

Hier ist noch eine andere gute Übung, welche du parallel dazu machen kannst. Hierbei geht es darum, dir dein eigenes Leben anzusehen und vergangene Erfahrungen als Wegweiser dafür zu sehen, welches Leben du künftig leben möchtest.

Für diese Übung, schreib dir die fünf bedeutsamsten Momente auf, welche du im letzten Jahr hattest. Schreib dir wirklich die ersten Ereignisse auf, welche dir in den Sinn kommen, wenn du dir diese Frage stellst. Dann frag dich, was genau macht diese Momente so bedeutsam? Die Menschen, mit denen du beisammen warst; die Aktivitäten, mit welchen du deine Zeit verbracht hast? Die Umgebung, in welcher du warst? Oder den Einfluss, den du hattest? Wie lange haben diese Momente gedauert? Hättest du gerne, dass diese vielleicht sogar länger angedauert hätten? Wenn ja, warum waren diese nicht länger? Was müsste sich in deinem Leben ändern, damit diese beim nächsten Mal länger sein könnten?

Mit welcher Häufigkeit kam es zu diesen bedeutsamen Momenten in deinem Leben? Einmal in der Woche, einmal im Monat oder einmal in fünf Jahren? Wer entschied über die Häufigkeit? Würde sich dein Leben sinnerfüllter anfühlen, wenn es öfters zu diesen Momenten käme? Falls ja, was müsste dann anders in deinem Leben sein?

Das Fantastische an diesen Gedankenspielen ist, dass wir durch sie tatsächlich beginnen, große Fortschritte darin zu machen zu verstehen, was für uns ein sinnerfülltes Leben ausmacht. Wir beginnen auch, unseren Verstand herauszufordern, Wege zu finden, wie wir unsere Zeit mit mehr von dem füllen können, was sich für uns bedeutsam anfühlt. 

Diese Gedankenspielchen sind auch hilfreich um das “Dröhnende-Stimme-Syndrom” zu überwinden, wie ich es nenne. Ich habe bereits zahlreiche Menschen getroffen, welche davon überzeugt sind, dass ihr Leben einen Sinn hat. Und sie würden diesen gerne leben. Allerdings sind sie davon überzeugt, dass sich ihnen dieser nur durch eine Art dramatischen Lichtblitz mit einer dröhnenden Stimme vom Himmel herab offenbaren würde. Also sitzen sie rum und warten darauf, dass dieser dramatische Moment passiert, anstatt eigene Schritte dahingehend zu unternehmen, ihren Sinn zu entdecken und ihn zu leben.

Meiner Erfahrung nach sind definitiv Kräfte zugange, welche uns helfen, unseren Lebenssinn zu entdecken und zu leben. Oft resultieren diese in Momenten, welche erschaffen werden, um uns zu dienen, weit über das Zufällige hinaus. Und ich habe auch schon von Menschen gelesen, denen tatsächlich durch einen “Dröhnende-Stimme-Moment” der Lebensweg klar wurde – durch einen Blitz der Einsicht oder der Offenbarung. Ich habe jedoch weitaus mehr Menschen getroffen, welche diesen durch Intention, Aktion und Entscheidungen gefunden haben. Also, sollte der “Dröhnende-Stimme-Moment” zu dir kommen, dann genieße es. Aber bis dahin, geh voran und mache deine eigenen Fortschritte.

Als abschließenden Gedanken, lasst mich mit euch teilen, warum es so wertvoll ist, sich selbst zu erlauben, seine eigene Version eines sinnvollen Lebens zu entdecken:

Ich werde dies auf zwei Arten mit euch teilen. Die erste ist Basis-Mathematik: Bedeutsame Minuten fühlen sich besser an als vergeudete. Sie haben eine höhere Energie. Eine tiefere Wärme. Sie bringen dir ein breiteres Lächeln, wenn du dich an sie erinnerst. Das Ziel des Lebens ist deshalb, zum Ende des Lebens möglichst viele dieser bedeutsamen Minuten gesammelt zu haben.
 

Die zweite Art ist die Wahrscheinlichkeit von Wirkung. Wenn es Teil deines Lebenssinns ist, andere zu inspirieren, dann ist die beste Möglichkeit, dies zu tun, diesen auch zu leben. Jede inspirierende Biographie ist inspirierend, weil derjenige etwas Außergewöhnliches mit seinem Leben gemacht hat. Die Bereiche für das Außergewöhnliche sind weitgehend vielfältig. Kunst, Wissenschaft, Sport, Unternehmertum, Wirtschaft, Philanthropie (Menschenfreundlichkeit) … Was sie allerdings gemeinsam haben, ist, dass diese Menschen ihren Lebenssinn gefunden hatten und ihn, ihren Fähigkeiten entsprechend, bestmöglich gelebt haben. Und dabei haben sie eine bleibende Quelle an Inspiration für all jene, welche von ihnen lernen, hinterlassen.

Genieße das Abenteuer!

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Aus maaS No. 14 SINN

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