Stress ist ein Freude-Killer

Freude
Michaele Kundermann
14 Jun 2019
Stress ist ein Freudekiller von Michaele Kundermann aus maas No. 13 FREUDE

Wer gestresst ist, kann nicht glücklich sein. Das eine schließt das andere aus. Aus diesem Grund ist emotionale Stresskompetenz entscheidend für ein erfülltes Leben. Nur wer in heiklen Situationen die Kunst der Selbstberuhigung beherrscht, kann einen gesunden Zustand von Zufriedenheit erreichen – und Freude empfinden.

Der Duden definiert das Wort »Freude« mit »hochgestimmter Gemütszustand« sowie »Froh- und Beglücktsein«. Den Begriff »Stress« hingegen löst das Lexikon mit »Belastung physischer und psychischer Art«, aber auch umgangssprachlich mit »Ärger« auf. Ob sauber definiert oder nicht – es wird deutlich, dass Stress und Freude an unterschiedlichen Enden der Skala stehen. Und dass beides gleichzeitig nicht geht. Stress killt Freude, Freude killt Stress. Auch eine intuitive Betrachtung zeigt: Der Begriff Stress ist negativ besetzt. Alleine das Wort löst manchmal schon Bauchweh, schwitzige Hände und Herzrasen aus. Welchen Schluss ziehen wir daraus? Wer ein gesundes, glückliches und freudiges Leben führen will, muss belastenden Stress aus seinem Leben verbannen.

Was einfach klingt, scheint schwer zu sein. Nicht ohne Grund fühlen Menschen sich heutzutage fast täglich unter Strom. Wer sich selbst fragt, wann er das letzte Mal in Stress geriet, antwortet innerlich vielleicht: »Heute Morgen, auf dem Weg zur Arbeit« oder »Als ich die Bahn verpasste, mein Handy den Geist aufgab oder ich drei Sachen gleichzeitig erledigen musste.« Der Zustand ist in unserem Alltag so normal geworden, dass viele Menschen ihn oft gar nicht mehr wahrnehmen. Dabei ist ein nahezu stressfreies Leben möglich – auch in unserer modernen Welt, in einem fordernden Job, in Zeiten von Patchwork-Familien, Doppelbelastung und digitaler Komplexität.

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1. Erkenntnis: Stress ist nicht gleich Stress

Um Stress zu vermeiden, müssen wir ihn verstehen. Wofür ist er also ursprünglich gedacht? Um unser Überleben zu sichern! Nicht mehr und nicht weniger. Bedroht uns beispielsweise ein heranfahrender Laster, springen wir reflexartig zur Seite. Es fließen die Hormone Adrenalin und Noradrenalin, um eine schnelle Reaktion zu ermöglichen. Dieser urzeitliche Stress-Modus ist höchst clever und lebensrettend. 

Heutzutage ist es jedoch eher emotionaler Stress, der uns das Leben schwer macht. Stehen wir im Stau, zickt der Computer oder lässt der Partner ständig Socken liegen, ist das zwar unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich. Die üblichen Antworten – Kampf, Flucht oder Erstarrung – nützen bei solchen emotionalen Bedrohungen nicht. Sie führen kaum in eine Lösung, sondern versetzen den Körper in Daueralarmzustand, wenn keine passende Lösung erfolgt. Der Stress-Modus feuert immer weiter. Dass der Körper darunter leidet, äußert er in vielen Variationen: Müdigkeit, Black-out, unnötige Fehler, Krankheit, Erschöpfung, Beziehungskonflikte ... Emotionaler Dauerstress hemmt die Leistungsfähigkeit und Kreativität. Menschen sehen eher schwarz und finden weniger Lösungen. Zuversicht und Freude leiden.

2. Erkenntnis: Wir lösen den Daueralarm selbst aus

Die pathetische Wahrheit: Wir selbst aktivieren diesen Daueralarm, indem wir falsche Signale an den Körper schicken. Oft sind es unbewusste Gedanken und Entscheidungen, die die Stressgeister in heiklen Situationen auf den Plan rufen. Müssen wir eine unangenehme Aufgabe meistern, ist die erste Reaktion vielleicht Ablehnung, Ärger oder Wut! Genau dieser Widerstand ist das eigentlich problematische Verhalten. Das Abgelehnte mutiert zur Bedrohung, die die Stressfeuerwehr alarmiert.

Der Kern der Selbstberuhigung ist daher die Erkenntnis, dass Menschen sich in jeder emotional bedrohten Situation zwischen Freude und Stress entscheiden können. Wenn wir in jeder auch noch so unangenehmen Situation zuerst einmal beteuern: »Das ist gut (auch wenn ich noch nicht weiß wozu)«, entsteht keine Bedrohung. Wenn wir unsere Gedanken bewusst in eine zuversichtliche Richtung lenken, folgen die Emotionen nach und die Bedrohung bleibt aus. Das Gehirn bleibt klar und wir können uns konstruktiv und kreativ um die Lösung kümmern. Wer das versteht, macht den Weg zur Umwandlung eines »Misthaufens in Gold« und zur Freude frei.

Weiterlesen in maaS No. 13 FREUDE.

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Michaele Kundermann

ist Expertin für die Psychologie der Emotionen und entwickelte eine Methode, mit der die Kunst der Selbstberuhigung in vielen Lebenslagen gelingt. Sie begleitet Unternehmen, die emotionalen Kompetenzen und die Stresskompetenzen ihrer Teams zu fördern. Außerdem bietet sie offene Seminare und Workshops zur Vertiefung der emotionalen Stresskompetenzen und zur Befreiung von emotionalen Altlasten an.

www.michaele-kundermann.com