Sehnsucht ist dein Navi

Mut
Sabine Asgodom
5 Mär 2019
Sehnsucht ist dein Navi zum Traum von Sabine Asgodom in maaS No. 12 MUT

pixabay

Mut ist die innere Kraft, die uns an die Hand nimmt, wenn wir einen neuen Schritt wagen.

von Sabine Asgodom

Menschen, die ihren Mut gefunden haben, kommen mir immer vor wie einzigartige Muscheln, die sich weit öffnen und ihren Schatz, eine wunderschön schimmernde Perle, der Welt zeigen. Lass mich dir dazu eine Geschichte erzählen:

Johanna, pensionierte Lehrerin aus Norddeutschland, zog, nachdem sie zum zweiten Mal Witwe geworden war, nach München, in die Nähe ihrer Tochter. Aber sie wurde mit Bayern nicht warm. Jeden Januar zog es die 62jährige in den Süden, nach Tunesien oder Südspanien – Seniorenurlaub zum Überwintern. Sie brauchte die Sonne und die Wärme. Sie war eine fantastische Schwimmerin und liebte das Meer. Strahlend und braungebrannt kehrte sie jedes Mal zurück. Als sie wieder einmal nach zehn Wochen Aufenthalt an der Costa del Sol in den Münchner Aprilhimmel starrte, brummte sie: „Ich mag keinen Winter. Warum muss ich immer hierher zurückkommen?!“

Ihre Tochter antwortete: „Warum kommst du überhaupt zurück? Zieh doch ganz nach Spanien.“
"Aber das geht doch nicht.“
„Warum nicht?“
„Das kann ich doch Mutti nicht antun.“ Ihre Mutter war damals 84 Jahre alt.
„Du bist doch in drei Flugstunden in Hannover.“
„Und du und die Kinder?“
„Wir kommen dich regelmäßig besuchen.“
Johanna bekam einen sehnsuchtsvollen Blick, sie atmete tief durch: „Ja, warum eigentlich nicht?“ Sie fand über ein Zeitungsinserat für ein Jahr eine Wohnung in einer kleinen Stadt in Andalusien, zwischen Malaga und Marbella. Sie suchte Untermieter für ihre Münchner Wohnung und machte sich mit zwei Koffern per Zug auf den Weg nach Spanien. Beim Umsteigen in Zürich wurde ihr die Brieftasche mit Pass und allen anderen Papieren gestohlen. Sie fuhr unbeirrt weiter. Die Wohnung stellte sich als Dreckloch heraus. Sie putzte sie eine Woche lang gründlich. Vom Elektriker vor Ort, der die Fernsehantenne reparieren sollte, bekam sie den Tipp für eine andere Wohnung. Wie sich herausstellte, ihre Traumwohnung, die sie sich mit ihrer Lehrerinnen-Pension leisten konnte. Von ihrer Dachterrasse aus sah Johanna hinaus aufs Meer und hörte die Brandung rauschen. Sie ging bei jedem Wetter an den Strand. Stolz erzählte sie, dass sie sogar an Heiligabend schwimmen gewesen war. Sie hatte bald einen großen deutschsprachigen Freundeskreis. 

Johanna war meine Mutter. Sie hat ihren Traum verwirklicht. In einem Alter, in dem viele Menschen ihre Träume begraben, ist sie ihrer Sehnsucht gefolgt. 20 wunderbare Jahre hat sie dadurch gewonnen. 

 „Die Sehnsucht hat allemal Recht, aber der Mensch verkennt sie oft.“ (Bettina von Arnim)

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Der Sehnsucht lange folgen

Die Botschaft dieser Geschichte: Du kannst in jedem Alter anfangen deinen Traum zu verwirklichen. Es ist selten zu früh und nie zu spät. Vielleicht schaffst du nicht mehr die Vollversion deines Traumfilms, sondern nur noch einen spannenden Kurzfilm. Aber es lohnt sich. Denn es gibt gar keine „Endstation Sehnsucht“, sondern Sehnsucht immer als Startpunkt, an dem die Reise erst losgeht.

Ich nenne den Weg zu den selbstgesteckten Zielen „Sehn-Suche“. Ich betone nämlich das Wort Sehnsucht so, als wäre es in zwei Worten geschrieben, also „Sehn sucht“, denn es hat für mich weniger mit Sucht zu tun, sondern mit dem Sehnen, das einen Weg sucht, erfüllt zu werden. Die Sehn-Sucht dient uns als Signalgeber und Mutmacher. Die Sehn-Suche ist Wegbegleiter und Vollender, sie kann uns ins Innehalten und in die Aktivität führen. Ich bin heute, im Alter meiner Mutter, als sie nach Südspanien gezogen ist, überzeugter denn je davon, dass die Sehn-Suche der einzige verlässliche Reiseführer auf dem Weg zu einem Traum ist.

Nichts kann uns so gut durch Verführung, Größenwahn und Frustration, Verwirrung und Resignation geleiten und uns zu unseren authentischen Zielen führen. Die Sehn-Suche ist der berühmte Ariadne-Faden, also der rote Faden, der dich durch die Höhle der Verzagtheit und die Möglichkeit der tausend Wege ans Ziel deiner Sehnsucht führt. Die moderne Version: Die Sehn-Suche ist unser Navi, das uns zielsicher an allen Abzweigungen vorbei zu unserem Traum führt: „Der Sehnsucht lange folgen.“ Dabei sind Umwege durchaus häufig und auch gar nicht schlimm.

Die Sehn-Sucht hat viele hilfreiche Schwestern und Brüder, die sie alle mit ins Team holt, wenn der Weg zum Ziel ernsthaft angepeilt wird:

  • Die Zuversicht lässt dich optimistisch Schritt für Schritt machen, in der Gewissheit, dass sich dein Ziel lohnt.
  • Die Hoffnung lässt dich durchhalten, wenn es Rückschläge gibt, wenn äußere Barrieren den Weg erschweren oder innere Barrieren den Blick versperren. Hoffnung macht aktiv.
  • Die Begeisterung gibt dir die Kraft, den neuen Weg zu gehen, Altes loszulassen, Mühen auf dich zu nehmen und Unterstützer zu finden.
  • Der Mut befähigt dich, die Komfortzone zu verlassen und dich aufzumachen in die Risikozone, in der die Chancen wohnen und in der allein persönliche Entwicklung stattfindet. Mut ist die innere Kraft, die dich an die Hand nimmt, wenn du einen neuen Schritt wagst.

Wenn der Mut fehlt

Was aber nun, wenn vieles schon da ist, allein der Mut ist es, der fehlt? Dann lade ich dich dazu ein, deinen Mut-Faktor zu erforschen. 

Welches Risiko bist du generell bereit einzugehen? Welche positiven Erfahrungen hast du bereits gemacht, als du einmal eine mutige Entscheidung getroffen hast? Und welche negativen?

Manchmal spüren wir so ein leichtes Unbehagen, das sich parallel zum Nachdenken über Visionen, Träume und Pläne einstellt. Wir hören diese leise, zischelnde Stimme, die uns warnt: „Halt dich raus, du hast genug zu tun. Misch dich nicht ein. Wer weiß, welche Nachteile daraus erwachsen können. Du kriegst nur Ärger. Was macht das mit deinem Leben? Halt den Ball flach.“ Begegne dieser Traumpessimistin in dir mit deiner persönlichen inneren Mutbeauftragten. Denn: Meist ist die Angst im Kopf größer als die Gefahr, die nach einer dir mutig erscheinenden Entscheidung oder Handlung droht. Manche Störgedanken türmen sich auf wie Gewitterwolken, machen uns Angst, lassen uns hektisch Vorkehrungen treffen. Später entpuppen sie sich aber meistens als Wetterleuchten und Grummeln in der Ferne. Ich bin sicher, alle Störungen, alle Hinweise haben einen Sinn, sind Wegweiser zu irgendetwas, was wir nur noch nicht verstehen.

Schreib für einen dich beschäftigenden riskanten Schritt doch einmal ein “Worst Case Scenario“: Was könnte schlimmstenfalls passieren? Notiere dir jeden Gedanken dazu und überlege dann, wie wahrscheinlich sie sind. Gerne auf einer Skala von 1 bis 10, von sehr wahrscheinlich bis unwahrscheinlich. Und dann entscheide, ob du dieses Risiko eingehen möchtest.

Alles (also jede Entscheidung, die wir fällen oder auch nicht) hat seinen Preis. Ist also der Gewinn, der aus deiner riskanten Entscheidung resultiert, höher als der Preis? Du bist der Meinung, dass ja? Dann los! Probiere aus, was passiert, wenn du ein Schrittchen über die „rote Linie“, aus deiner Komfortzone heraus, wagst. Wenn du zum Beispiel endlich etwas aussprichst, was dir schon lange auf der Seele lag. Oder wenn du eine Entscheidung triffst, an der so lange schon dein Herz hängt.

Wenn du einen gewissen Perfektionismus in deiner Lebensplanung anstrebst, kann ich dir nur raten: Hab keine Angst, Fehler zu machen, dich „falsch“ entschieden zu haben. Es gibt keine Blaupause des Lebens, die du exakt auf dein Leben übertragen kannst.

Gib deinem Mut die Hand. Und folge dann deiner Sehnsucht!

Auszug aus maaS No. 12 MUT

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