Mut tut gut

Ich und Gemeinschaft
Ilona Koglin und Marek Rohde
15 Dez 2016
Mut tut gut Ermutigung, empowerment, ilona koglin Marek Rohde jetzt retten wir die Welt

maaS Magazin

Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der sich alle Menschen gegenseitig ermutigen. Wie anders wäre wohl dein Leben? Ob du wagst, etwas Neues zu lernen oder etwas Ungewöhnliches zu tun – immer würden die Menschen um dich herum dir Mut zusprechen. Wie leicht wäre es da, Träume und Veränderungen zu verwirklichen, zu denen dir heute vielleicht genau dieser Mut fehlt? Überlege mal: Was würdest du noch heute anpacken, wenn du davon ausgehen könntest, dass dich jeder dabei mit voller Kraft unterstützt? Und wie anders würde sich Gemeinschaft anfühlen, wenn du wüsstest: Egal, wie gut oder schlecht dir etwas gelingt, die Gesellschaft schätzt und achtet dich - als Menschen.

Doch in unserer von Konkurrenz geprägten Welt sieht unser Leben oft ganz anders aus: Nur wenige haben die Größe, andere Menschen zu ermutigen. Weil wir in Machthierarchien leben, denken und arbeiten, glauben wir, dass wir andere dominieren müssen. Und dabei ist die Entmutigung ein wirksames und häufig genutztes Mittel.

Die Macht des Mutes

Wer sich in diesem Klima traut, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen und Träumen zu gestalten, braucht Mut. Denn in so einer Atmosphäre ist es für die meisten ein zu großes Wagnis, sich so zu zeigen, wie sie sind – mit all ihren Fehlern und Schwächen. Wir präsentieren da lieber eine vermeintlich akzeptable Fassade, zeigen Gewissheit, Unverwundbarkeit, Erfolg und ewig gute Laune. Doch durch dieses Rollenspiel verpassen wir nicht nur die Chance, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen. Wir verhindern auch, dass ein echtes Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen kann – mit Vertrauen, Verständnis, kollektiver Kreativität und mit mutiger Tatkraft.

Die Fähigkeit zur Ermutigung ist ein ganz besonderer Katalysator für die individuelle Entwicklung, für die Gemeinschaftsbildung und für die Welt insgesamt. Denn Ermutigung kann dafür sorgen, dass sich Menschen zu der Persönlichkeit entwickeln, die ihr höchstes Potenzial freisetzt. Sie lässt eine Gemeinschaft entstehen, die von Vertrauen und Großzügigkeit geprägt ist, in der Kooperation und gegenseitige Unterstützung kein Risiko sind, sondern eine Bereicherung für alle. Und, ja, Ermutigung führt auch zu einem gesamtgesellschaftlichen Klima, in der echter sozialer und ökologischer Wandel möglich wird – hin zu einer Welt, in der ein gutes Leben für alle Wirklichkeit werden kann. Das heißt: Wir brauchen mehr Menschen, die sich trauen zu ermutigen – nicht nur sich selbst, sondern auch andere – und damit einen positiven Kreislauf in Bewegung setzen.

Werde ein Mutmacher!

Es gibt Menschen, die eine besonders ermutigende Ausstrahlung haben – und andere, die die gegenteilige Wirkung entfalten. Das liegt daran, dass sie unterschiedliche Eigenschaften kultivieren, oftmals ganz unbewusst. Doch diese Eigenschaften sind nicht genetisch festgeschrieben, sondern lassen sich einüben und ausbauen. Mit anderen Worten: Wir haben es selbst in der Hand, ob wir uns zum Er- oder zum Entmutiger entwickeln möchten – auch wenn das nicht von heute auf morgen geht. Der Psychologe Theo Schoenaker, der sich seit Jahren mit dem Thema „Mut“ beschäftigt, hat zwei wesentliche Punkte identifiziert, bei denen wir umdenken sollten, wollen wir uns und andere ermutigen:

  1. Wir müssen die Vorstellung entwickeln, dass wir so gut sind, wie wir sind. Das schreibt sich so einfach und doch ist unser gesamtes Leben von der gegenteiligen Einstellung geprägt: Ständig versuchen wir besser zu werden, oft aus dem unguten Gefühl heraus, so wie wir sind, nicht gut genug zu sein. Doch wer selbst unsicher ist, der muss oft andere abwerten, um sich besser zu fühlen. Wer sich selbst liebt und annimmt, der hat kein Problem damit, auch in anderen das Positive und Starke zu sehen – und auch zu benennen.
  2. Wir müssen die Idee aufgeben, dass Kritik oder Belehrungen etwas Positives bewirken könnten. Schoenaker zeigt anhand von Studien, dass sich störende Verhaltensweisen bei Kritik sogar verstärkten – während sie verschwanden, sobald dieselben Menschen einfach nur in ihren positiven Verhaltensweisen ermutigt wurden. Dieses Umdenken gilt übrigens nicht nur in Bezug auf andere, sondern auch auf uns selbst. Hier schließt sich der Kreis zum ersten Punkt.

Dabei hat Ermutigung nichts mit permanentem Lob und Belohnungen zu tun. Im Gegenteil: Diese führen oft zum Gegenteil, weil sie an den Erfolg geknüpft sind. Bei Fehlern oder Versagen gibt es weder Lob noch Belohnung – es kann aber dennoch Ermutigung geben, die deshalb viel grundlegender und bedingungsloser ist. Ein ermutigender Mensch erkennt an, dass jemand den Mut und die Motivation aufgebracht hat und aktiv geworden ist, unabhängig vom Ausgang der Handlungen.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, schrieb einst der Schriftsteller Erich Kästner. Da ist was dran: Du hast es in der Hand, noch heute die Welt um dich herum so zu verändern, wie du es dir wünschst. Die Welt braucht mehr Ermutiger! Und alles, was du dazu brauchst, ist ein kleines bisschen Mut, um den ersten beherzten Schritt zu tun. Probiere doch einfach mal eine der folgenden Ermutigungsübungen aus – und beobachte, welche Wirkung sie auf dich und deine Mitmenschen hat. 

Ilona Koglin und Marek Rohde beraten und unterstützen seit vielen Jahren Redaktionen, Organisationen und Unternehmen aus dem öko-sozialen Bereich. Mit dem Medienprojekt www.fuereinebesserewelt.info zeigen sie Vorbilder und Vordenker, die uns ermutigen und inspirieren können. Am 1. Dezember 2016 startet die Expedition in eine bessere Welt unter dem Motto:

 

Weiterlesen in maas No. 4 "Ich und Gemeinschaft".

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