Mit den Füßen auf der Erde

Natur
Sabrina Fox
29 Mai 2020
Barfußgehen von Sabrina Fox in maaS No. 17 NATUR

istock

Es war ein Januar und ich hielt mich in dem kleinen Hinterhofgarten des Mietshauses, in dem ich damals wohnte, auf. Der Garten war entzückend. Ein kleines verwunschenes Kleinod mitten in der Stadt. Ein paar Büsche, ein paar Bäume, eine kleine Wiese, ein Holzgartentisch und eine Bank. Daneben ein kleines Trinkbecken für die Vögel und das Hinterhof-Idyll umrankt von einer kleinen Mauer mit einer Öffnung auf Hüfthöhe zu dem Nachbargarten.

„Mama! Schau mal. Die Frau geht barfuß!“ hörte ich einen Knirps laut rufen, während er mit seinen Schneestiefeln an der Öffnung vorbeistapfte.
Ich musste schmunzeln. Ich konnte mir gut vorstellen, was sich die Mutter gerade dachte: „Um Himmels Willen, jetzt habe ich ihm gerade die Stiefel und den Anorak angezogen und jetzt will er bestimmt seine Stiefel wieder ausziehen, nur weil so eine verrückte Nachbarin mitten im Winter barfuß gehen muss.“
„Mama, die wird bestimmt krank!“
Ja, das hatte ich auch immer von meiner Mutter gehört. Und wie zur Bestätigung hörte ich auch seine Mutter – zwei Generationen später – das Gleiche sagen: „Ja. Da werden deine Füße kalt und du bekommst einen Schnupfen und dann kannst du nicht mehr mit Max zum Spielplatz gehen.“„Aber Mama, warum macht die Frau denn das?“
Sie zog ihn von der Öffnung weg, damit ich ihre Antwort nicht hörte. Ich brauchte sie nicht zu hören, ich konnte sie mir vorstellen: „Ja, mein Sohn, manche Menschen sind eben unvernünftig und ein bisschen verrückt.“

maas No. 17 NATUR

Ist Barfußgehen verrückt?

Man ist also entweder verrückt, unvernünftig oder wird krank, wenn man barfuß geht. Es ist nicht normal, wenn man barfuß raus geht. Für über 2 Millionen Jahre war Barfußgehen natürlich. Heute haben wir diesen natürlichen Aspekt verloren. Barfuß gehen ist für viele von uns höchstens im Sommer erlaubt und auch nur, wenn die Wiese vorher von allen möglichen Dornen, Zweigen, Steinchen und Glasscherben entfernt wurde. Außer wir gehen die paar Meter von der Decke zum See oder vom Strand zum Meer.

Wie fühlt es sich an, barfuß auf der Erde?

Als ich vor ein paar Jahren auf meiner Facebook Fanpage-Seite als wöchentliche Übung das Barfußgehen vorschlug – es war da bereits schon Herbst – waren die Reaktionen gemischt. „Brrrr. Aber es ist doch so kalt!“ wurde ein paar Mal geschrieben. Die Erziehung unserer Eltern hatte sich so in uns eingegraben, dass viele es nicht einmal ausprobieren wollten. Ich rede hier nicht vom stundenlangen Barfußgehen. Es ging natürlich auch darum, mal zu erspüren, wie es sich anfühlt, auf der Erde zu stehen („Unser Rasen hat sich wie ein nasser Schwamm angefühlt. Ich wusste gar nicht, dass sich das so toll anfühlen kann.“ – „Ich fühlte mich, als ob mich Mutter Erde willkommen heißt.“ - „Meine Kinder konnten es kaum glauben, dass ich ihnen im tiefsten Winter erlaubte, ohne Stiefel in den Garten zu gehen. Sie tobten ein paar Mal ums Haus und kamen glücklich wieder zurück. Das alleine war es schon wert.“

Was denken die anderen?

Wenn es uns barfuß zu unangenehm wird, dann hören wir eben wieder auf. Es geht nicht darum, wer im Winter am längsten im Schnee aushalten kann – auch das hat nichts mit gesunder Körperwahrnehmung zu tun – sondern es geht darum, seinem Körper zu vertrauen und wenn es ihm zu kalt wird, ihn wieder zu schützen. Vielen kostete das Ausprobieren extreme Überwindung, Nicht wenige machten sich Sorgen, was denn die Nachbarn denken. Sie werden uns vielleicht für verrückt halten. Das ist alles. Wir werden nicht als Hexen verbrannt und man wird uns keine schweren Gegenstände nachwerfen.

Barfußgehen ist gesund

Die schnellsten Läufer der Welt sind diejenigen, die als Kinder barfuß laufen durften. Alle Knochen, Muskeln und Sehnen konnten perfekt entwickelt werden. Die Füße blieben beweglich und die Athleten können sogar noch ihren kleinen Zeh hochheben. Probieren Sie das mal. So haben unsere Füße mal funktioniert, bevor wir sie so früh wie möglich in Schuhe gequetscht haben.

Kontakt zur Erde stärkt

Nicht nur unser Körper, sondern auch unser Energiefeld stabilisiert sich mit dem Kontakt zur Mutter Erde. Ich bin immer überrascht, wie viele „Schamanen“ es gibt, die Erdrituale machen, ohne mit der Erde in Berührung zu kommen. Wie soll das gehen? Das ist wie Internet-Sex. Es braucht Berührung, um sich wirklich zu spüren. Meine indianischen Lehrer haben mir Ende der 90er Jahre zuerst die Schuhe ausgezogen.

Oft gibt es Meditationen, in denen wir uns vorstellen sollen, dass die Kraft der Erde durch unsere Füße nach oben geht. Doch das bleibt nur in der Vorstellungskraft, wenn wir unsere Füße nicht auch WIRKLICH auf die Erde stellen. Gerade Menschen, die sich viel mit spirituellen Themen auseinandersetzen, brauchen eine Erdung. Elektronen werden durch die Fußsohlen aufgenommen und über die Wichtigkeit von Erdung (Earthing) gibt es mittlerweile 21 klinische Studien. Erdung gibt es durch Bewegung, durch Sexualität, durch Singen, durch Trommeln, durch Tanzen, auch durch Fleisch essen und besonders durch die Fußsohlen. Genauso wie wir Sonnenlicht am ganzen Körper brauchen – die meisten von uns haben Vitamin D-Mangel – so brauchen wir auch Erdung.

Meine Erfahrungen nach 6 Jahren barfuß

Seit knapp sechs Jahren gehe ich fast ausschließlich barfuß. Auch im Winter – so lange wie es meine Füße mögen. Ich habe über mein erstes Barfußjahr ein Buch geschrieben: „Auf freiem Fuß. Ein Jahr ohne Schuhe?“ Darin erzähle ich von allem, was ich da so erlebt, gemacht und getan habe. Kann man barfuß ins Restaurant gehen? Wie schauen die Leute? Wie fühlt es sich an? Was verbessert sich?

Viele meiner Freunde dachten, dass ich nach dem Jahr wieder Schuhe anziehen würde – aber ich habe sie fast alle verschenkt. Wenn man eine Weile barfuß geht, kann man es sich nicht mehr vorstellen, „immer“ Schuhe zu tragen. Es erinnert mich an die Zeit, in der Frauen Korsetts trugen. Einmal abgelegt wollen wir uns das nicht wieder antun. Das ist mit den Schuhen ähnlich.

Frei zu sein bedeutet, das zu tun, was man gerne tut. Wir als Gesellschaft haben uns Schuhe angewöhnt. Das in Frage zu stellen, fällt uns häufig gar nicht mehr ein. Vor fünf Jahren fragten mich gelegentlich Leute erschrocken: „Wo sind denn Ihre Schuhe?“ Mittlerweile höre ich häufig: „Ach, Sie sind Barfußgängerin. Davon habe ich schon gehört.“ Die Zeiten ändern sich. Vielleicht willst du es auch mal ausprobieren?

Sabrina Fox hat in den letzten zwanzig Jahren über ein Dutzend Bücher zu ganzheitlichen Themen geschrieben. Sie absolvierte Ausbildungen als klinische Hypnosetherapeutin, Mediatorin, Konflikt-Coach und studierte Bildhauerei und Gesang. Die gebürtige Münchnerin lebte von 1988 bis 2005 in Los Angeles und begann dort ein intensives spirituelles Training. 2017 erhielt die Autorin den MIND AWARD "für ihre Haltung im Leben, ihre Werte und ihren undogmatischen Glauben". Online-Kurse zum persönlichen Wachstum bei www.Sinnsucher.de

www.sabrinafox.com

Dieser Text ist ein Auszug aus maaS No. 17 NATUR.

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