Mehr Freude in dein Leben bringen

Leseprobe von John Strelecky
John Strelecky
17 Mai 2019
Mehr Freude in dein Leben bringen von John Strelecky in maaS No. 13 Freude

Fotocredit: ©Paul Landerl

Freude ist eine der wunderbarsten Emotionen im Spektrum dessen, was wir als Menschen überhaupt empfinden können. Und dieses Gefühl kann sich sofort einstellen. Der Geruch von frisch gebackenen Keksen kann sofort Erinnerungen an glückliche Wochenenden wecken, die wir als Kind im Hause der Großmutter verbracht haben. Wenn wir an einem Strand stehen, die Rufe der Möwen hören und die Wellen an die Küste schlagen, dann werden schnell Erinnerungen an unseren Sommerurlaub als Teenager wach: An nicht enden wollende sorglose Stunden mit Freunden, an Lagerfeuer in der Nacht und an die erste Liebe …

Doch trotz der Leichtigkeit und Intensität, mit der sich die Freude plötzlich zeigen kann, so kann sie auch unglaublich schwer zu fassen sein. Es kann Zeiten geben, in denen die Freude aus unserem Leben völlig verschwunden zu sein scheint und wir es für unwahrscheinlich halten, dass sie jemals wieder zurückkehrt. Dann hüllen uns Dunkelheit und Schwere wie eine dicke Decke ein, die wir trotz größter Anstrengung nicht zur Seite schieben können.

Was ist „Freude“ eigentlich?

Woher kommt sie? Ist sie angeboren oder eine erlernte Emotion? Können wir sie wieder finden, wenn wir den Kontakt zu ihr verloren haben?

Ich glaube, dass wir mit der Fähigkeit zur Freude auf die Welt gekommen sind. Wir sind von Natur aus mit der Fähigkeit ausgestattet, Freude zu empfinden. Genauso, wie wir Liebe, Mut, Hoffnung und viele andere Emotionen erfahren können. Ähnlich wie eine Software, die auf einem Computer vorinstalliert ist, ist die Freude bereits im „menschlichen Betriebssystem“ vorhanden. Und unter den richtigen Bedingungen und in der richtigen Umgebung kann sie ihre Kapazität voll entfalten.

Für die meisten von uns geschieht das wahrscheinlich schon bald nach der Geburt. Als Baby werden wir sanft gehalten und getröstet. In eine weiche Decke gehüllt werden wir liebevoll umsorgt. Diese Erlebnisse öffnen das Freude-Programm in unserem System und wir erleben alle damit verbundenen Emotionen. Dies ist ein wundervolles Ereignis, denn Freude ist ein positives Gefühl. Und ein Teil unserer „Gehirnverkabelung“ strebt stets danach, positive Gefühle ausfindig zu machen. Nachdem wir einmal Freude erfahren haben, suchen wir immer wieder danach. Wir greifen nach der weichen Decke, die sich auf unserer Haut so angenehm anfühlt. Wir suchen mit unseren Augen oder unserem Baby-Schreien nach dem Menschen, der uns so liebevoll behandelt.

Aber es ist auch durchaus möglich, dass das „Freude-Programm“ nicht geöffnet worden ist, als wir ein Baby waren. In einer feindlichen Umgebung, in der Liebe, Mitgefühl und Fürsorge nicht vorhanden sind, kann das „Freude-Programm“ im Verborgenen liegen. Oder es wird selten benutzt, weil stattdessen immer wieder andere Programme geladen werden, wie Angst, Unsicherheit oder der schiere Drang zu überleben.

Diese beiden Möglichkeiten können erhebliche Auswirkungen auf unsere späteren Lebens-Phasen haben. Denn schließlich neigen wir dazu, vor allem diejenigen „Betriebssysteme“ zu verwenden, die wir am meisten nutzen. Wird das „Freude-Programm“ oft geladen, dann wird es immer einfacher, es auch beim nächsten Mal wieder zu laden. Gleiches gilt aber auch für Angst, Unsicherheit und das Überleben.

Das Freude-Programm ist immer in uns

Was die Fähigkeit zur Freude noch faszinierender macht, ist folgendes: Trotz unserer Neigung verstärkt jenes Betriebssystem zu laden, das wir am meisten nutzen, gibt es keine Garantie dafür, dass ein einmal mit Freude erfülltes Leben auch immer mit Freude erfüllt sein wird. Oder dass ein negatives Gefühl zum Dauerzustand wird. Das menschliche Dasein ist selten konstant. Jedes Leben hat seine Höhen und Tiefen.

In vielerlei Hinsicht ist Freude wie die Fähigkeit, eine Fremdsprache fließend zu sprechen. Ein Kind, das in eine bilinguale Familie hineingeboren wird, in der beide Sprachen täglich gesprochen werden, wird sich zwangsläufig zu einem zweisprachigen Menschen entwickeln. Das ist keine bewusste Entscheidung des Gehirns. Es passiert einfach. Wenn das Kind jedoch im Laufe der Zeit immer weniger mit einer der beiden Sprachen in seiner Umgebung zu tun hat, dann wird es langsam immer schwieriger, die vernachlässigte Sprache zu sprechen oder zu verstehen. Denn das Gehirn ist dann mit anderen Programmen beschäftigt, die schneller und effizienter ablaufen.

Schließlich wird sich das Kind bei mangelnder Praxis bald kaum noch an die zweite Sprache erinnern. Und doch zeigen zahlreiche Studien, dass eine einmal erworbene Sprachbeherrschung immer noch da ist. In der richtigen Umgebung und unter den richtigen Bedingungen können die Verbindungen im Gehirn, die bereits zuvor die flüssige Sprachkompetenz ermöglicht haben, wieder reaktiviert werden. Diese Menschen können ihre Sprachkenntnisse also wiedererlangen. Und zwar mit einem Tempo, das weitaus höher ist, als wenn sie die Fremdsprache völlig ohne Vorkenntnisse lernen würden.

Diese Tatsache ist äußerst inspirierend, wenn man sie auf die Freude überträgt. Denn in Ausfallzeiten, in denen es uns unmöglich scheint, zur Freude zurückzukehren, ist das in Wirklichkeit nicht der Fall. Das „Freude-Programm“ ist in uns. Immer. Und stets bereit zur Reaktivierung.

Dieses hier auf die Freude bezogene Konzept der Sprachbeherrschung ist auch für Menschen wichtig, die keine glückliche Kindheit hatten. In deren Leben sich vielleicht keine tiefen „Freuden-Muster“ etabliert haben. Was können sie tun? Aus dem Sprachenlernen wissen wir: Der schnellste Weg, um eine Fremdsprache fließend zu beherrschen, ist, wirklich in die neue Sprache einzutauchen. Etwa in einem anderen Land, in dem diese Sprache gesprochen wird. In der entsprechenden Umgebung können Menschen es in nur sechs Monaten schaffen, eine Fremdsprache fließend zu sprechen.

Das sind fantastische Neuigkeiten, wenn man sie auf die Freude überträgt. Denn auch wenn dein Leben bisher nicht mit Freude erfüllt war, bedeutet es nicht, dass es auch in Zukunft so sein muss. Du kannst in die „Sprache der Freude“ eintauchen und in allem fließend werden, was damit verbunden ist.

Was bereitet dir Freude?

Egal ob man den „Fluss der Freude“ zum ersten Mal erfährt oder erneut zurückgewinnt, er ist jedes Mal mit Herausforderungen verbunden. Unser Gehirn ist in vielerlei Hinsicht sehr einfach. Während es definitiv dazu „verdrahtet“ ist, das zu verfolgen, was uns Freude bereitet, verfolgt es auch das über allem stehende Verlangen am Leben zu bleiben. Das kann eine große generelle Zurückhaltung gegenüber Veränderungen mit sich bringen. „Unsere Realität ist vielleicht nicht so, wie wir sie uns wünschen, aber zumindest hält sie uns am Leben“, denkt das Gehirn. „Also lasst uns heute einfach wieder das machen, was wir gestern getan haben.“

Dies kann jedoch durch Ausprobieren und Dranbleiben überwunden werden. Das heißt, Dinge in einem kleinen Rahmen auszuprobieren. Und dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, diese Dinge mit einem geringen Risiko zu erleben. Dadurch eröffnen wir uns große Veränderungsmöglichkeiten, die in diesem Kontext große Chancen zu mehr Lebensfreude bergen. Freude auszuprobieren, kann so einfach sein, wie ein interessantes Youtube-Video anzuschauen. Das bedeutet nicht, dass man gleich seine ganzen Ersparnisse abheben und einen Blumenladen eröffnen soll, wenn man die Idee dazu hat. Geh‘ ins Internet und schau‘ dir ein Video über Blumendekoration an. Langweilst du dich bereits in der ersten Minute? Oder empfindest du Freude dabei zu sehen, wie eine schöne Blumendekoration entsteht? Beide Sichtweisen sind in Ordnung. Sie sind beide wichtige Hinweise darauf, was dir wirklich Freude bereitet.

Wenn du mit Freude darauf reagierst, dann schau‘ dir jeden Tag ein paar Videos zu diesem Thema an. Schon bald wirst du so inspiriert sein, dass du beim nächsten Mal, wenn du auf dem Markt bist, wahrscheinlich einige Blumen kaufen und diese schön arrangieren wirst. Ein paar Wochen später wirst du wahrscheinlich noch mehr unterschiedliche Blumen-Arten kaufen und sie auf einzigartige Weise zusammenstellen. Die Freude daran wird wachsen. Ebenso wie die Bereitschaft deines Gehirns, offener für das zu sein, was dir Freude bereitet.

Erstelle dein persönliches Freude-Programm

Wenn du verzweifelt versuchst, herauszufinden, was dir Freude bereitet, dann frage dich einfach: Wie würdest du den Tag heute verbringen, wenn es der letzte Tag deines Lebens wäre? Du hast nur noch diesen einzigen Tag und dann war‘s das. Schreibe dir die Antworten auf. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der, wenn er mit diesem Szenario konfrontiert wird, seinen letzten Tag mit Dingen ausfüllen möchte, die ihm keine Freude bereiten. Das ist großartig. Indem du ein Szenario erstellst, das das Gehirn ein wenig täuscht, kannst du eine Liste von Ansatzpunkten für dein eigenes Programm zum Eintauchen in die Freude identifizieren. Dann geht es zurück zum Ausprobieren und Auswählen. Trage dir jeden Tag fünf Minuten im Termin-Kalender ein, in denen du dich zu einem freudevollen Erlebnis verpflichtest. Was auch immer das für dich sein mag. Schreibe dir dann am Ende deiner ersten „Freuden-Woche“ auf, was dir am besten gefallen hat. Über was hast du dich am meisten gefreut? Dann ersetzt du künftig einfach die langweiligen Aktivitäten, durch diejenigen, die dir Freude bereitet haben. 

In der zweiten Woche erhöhst du dein „Freude-Programm“ dann auf sechs Minuten pro Tag. Nicht mehr. Nur sechs Minuten pro Tag. Am Ende der Woche durchläufst du den gleichen Prozess und identifizierst, was dir am besten gefallen hat und was nicht. Bewege dich weiter in diese Richtung. Mache das erst nach der fünften Woche zu einem täglichen Prozess. Tausche jeden Tag eine Minute unangenehmer Momente aus gegen eine Minute, die erfüllt ist von dem, was dir Freude bereitet.

Dieser Prozess ist unglaublich ermutigend, angenehm und gibt Kraft. Eine gute Gelegenheit dafür ist kurz vor dem Schlafengehen. Führe am besten ein kleines Tagebuch, in dem du aufschreibst, welche Dinge oder Erlebnisse du hinzufügen und welche du lieber ersetzen möchtest. Das macht es noch einfacher, das individuelle Muster dessen zu erkennen, was dir Freude bereitet.

Egal ob du mit frei fließender Freude geboren wurdest und diese wiedererlangen möchtest, ob du diese zum ersten Mal lernen willst oder einfach nur daran interessiert bist, jeden Tag mehr freudige Minuten zu erleben: Dieser einfache Prozess macht es möglich, den Fluss der Freude zu verwirklichen. Und wegen der Art und Weise, wie sich diese Fähigkeit entfaltet, wird das Gehirn schließlich vom Widerstand zum Suchen übergehen. Dein Gehirn wird nicht mehr wollen, dass die Dinge so bleiben, wie sie heute sind. Es wird aktiv mit vielen weiteren Möglichkeiten aufwarten, um in den kommenden Tagen nach Freude zu suchen.

Kleine Momente – große Freude

An diesem Punkt beginnt das Spiel richtig Spaß zu machen. Denn all die freudigen Momente, die du im Leben erfährst, werden auch in dir gespeichert. Und wenn man sie einmal erlebt hat, haben sie einen exponentiellen Wert, weil sie einen ganz gewöhnlichen Moment in einen äußerst freudigen verwandeln können. Das ist mir erst neulich passiert. Ich setzte meine Tochter in der Schule ab und während ich darauf wartete, dass sie ihr Fahrrad abstellte, sah ich eine Mutter und ihre kleine Tochter neben einem Baum stehen. Ihre Tochter war wahrscheinlich zwei Jahre alt und beobachtete ein Eichhörnchen, das in der Nähe war. Als die Tochter einen Schritt in Richtung des Eichhörnchens machte, lief es den Baum hinauf, blieb auf halber Höhe des Stammes stehen und sah sie an. Das kleine Mädchen fand das so lustig, dass sie sich vor Lachen kaum noch halten konnte.

Bevor ich Vater wurde, habe ich nicht wirklich auf Kinder geachtet. Ich habe sie zwar nicht ignoriert, aber ich habe sie auch nicht wirklich wahrgenommen. Sie waren da, ich war mir der Kinder und deren Eltern bewusst, aber das war's auch schon. Dass die Tochter eines anderen über ein Eichhörnchen lacht, hätte mich früher nicht beeindruckt. Aber das war, bevor ich ein Elternteil wurde. Jetzt, da ich schon viele Jahre lang Vater bin, habe ich unzählige freudevolle Momente in meinem Kopf, in denen mein eigenes kleines Mädchen über etwas lachte. Und deshalb verband sich das Lachen des kleinen Mädchens mit den in meinem Gehirn gespeicherten Glücksmomenten vom Lachen meiner eigenen Tochter. Mein Geist wurde überflutet von wunderbaren Erinnerungen, besonderen Momenten und wiederum ... von Freude. So wurde ein gewöhnlicher Moment dank der exponentiellen Kraft der Freude zu einem ganz besonderen Augenblick.

 

Ich wünsche dir viele wunderbare Momente, wenn sich deine eigene „Freudenreise“ entfaltet.

John Strelecky 

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