Malen als Weg zu mir selbst

Lebenswege
Marlies Schröder
27 Jun 2016
Gottes Füllhorn von Marlis Schröder

Marlis Schröder

An meine Kindheit auf einem kleinen Bauernhof in der Lüneburger Heide habe ich nicht viele Erinnerungen. Wenn meine Geschwister davon erzählen, begreife ich dass ich vieles nicht abgespeichert habe. Ich habe die Ereignisse nicht mehr an mich herangelassen, wollte nicht fühlen, denn dann hätte ich mich noch wertloser gefühlt. Mein Verstand war immer sehr wach, ich hatte ein ausgprägtes Bedürfnis nach Sicherheit.

Als junge Frau war ich auf der Suche nach Liebe, ein Gefühl dass ich zuhause nicht kennengelernt hatte. Ich habe geheiratet und 2 Töchtern das Leben geschenkt. Sie heranwachsen zu sehen hat mir Freude bereitet, aber je älter sie wurden, je unerträglicher wurde die Gewissheit eines Tages ohne sie zurückzubleiben. Mein Mann und ich haben nie gelernt über unsere Gefühle, Wünsche und Erwartungen zu sprechen, wir waren damit beschäftigt die Erwartungen Anderer zu erfüllen.

Bis vor 10 Jahren habe ich ein angepasstes Leben geführt, ich war nie in mir angekommen. Als meine Töchter erwachsen wurden, habe ich mich von meinem Mann getrennt. Ich wusste nur dass ich weg muss, irgendwie neu anfangen. Die folgenden Jahre, war ich auf der Suche nach Zärtlichkeit und Liebe. Ständige Affären bestimmten mein Leben, erfüllten mich aber nicht.

An meine Grenzen kam ich als ein neuer Partner mich ganz für sich vereinnahmen wollte. Dazu die anstrengende, stressige Arbeit und meine schwerbehindert Mutter, das war zuviel. Ich fiel in eine schwere Depression. In einer psychiatrischen Klinik hatte ich endlich Gelegenheit mich intensiv mit mir zu beschäftigen. Ich merkte ,dass ich mir zu wenig Aufmerksamkeit schenke, mich weder kenne noch mag.

Ich hatte Zeit zum Malen und die vielen Gedanken formten sich zu Gedichten. Viele waren erstaunt über mein Talent selbst in einer Landschaft ein Gefühl zum Ausdruck zu bringen. So bin ich also zu Malen gekommen.

Erst heute, nach intensiver Beschäftigung mit mir durch Körpertherapie und auf vliefältige Weise auf seelischer Ebene sind die Erinnerungen an schlimme Ereignisse z.T. zurückgekommen. Ich bin in Kontakt mit meinem inneren Kind gekommen. Jetzt weiß ich dass ich ein ungewolltes Kind war und dass ich als ca. 7-jährige missbraucht wurde.

Das Malen habe ich dabei als wunderbare Methode mich kennenzulernen und die verdrängten Gefühle zu verarbeiten. Ich lasse zu, dass vieles aus meinem Unterbewusstsein sich zeigen kann. Dabei verändert sich ein Bild viele male und damit auch die Gefühle in mir. Ganz viele Farbschichten geben den Bilder eine große Tiefe, machen ihre große Bedeutung sichtbar. Oft entsteht selbst aus einem dunklen Gefühl ein positives Bild, nicht weil ich es verdränge, sondern weil ich es beim Malen in das Bild und in mein Leben integriert habe. Ich integriere die Schattenseiten meines Lebens in meine Gegenwart, und mache mich damit vollkommen, nehme mich ganz neu wahr und kann mein Leben endlch selbst gestalten ohne Zwänge.

Ich kann über viele Bilder Geschichten erzählen und bin dabei sie zu Papier bringen. Bald möchte ich sie zusammen mit den Bildern und Gedichten einem Publikum präsentieren.