Männer für morgen

Frauen und Männer
Jeannette Hagen
30 Mai 2016
Männer für morgen Initiative von Gerald Hüther und André Stern

Es ist Frühling. Das ist keine Floskel, keine Wetternachricht, sondern etwas, das ich von den letzten drei Tagen, die ich in der Evangelischen Akademie Hofgeismar zusammen mit Prof. Gerald Hüther, André Stern, Maximilian von Düring und rund 60 anderen Teilnehmern verbracht habe, mitbringe. Der Frühling steht synonym für den Aufbruch. Was sich im Außen zeigt, passiert auch in uns. Du fragst, was das mit „Männern für morgen“ zu tun hat? Lass es dir erzählen.

Männer sind das schwache Geschlecht. Hat die Natur bei den Frauen dafür gesorgt, dass sie über zwei X-Chromosome verfügen, sprich im Notfall doppelt gerüstet sind, muss der Mann mit einem X und einem Y-Chromosom klarkommen. Das macht ihn schon als Säugling anfällig und sorgt obendrein für eine ordentliche Portion Testosteron, die aus dem Knaben von Beginn an ein eher extrovertiertes Ich macht, das Abenteuer sucht und immer zeigen muss, was es für ein ganzer Kerl ist. So das Bild. Jedenfalls das eine, denn es gibt noch das andere, nämlich die Geschichte vom gestrauchelten Mann. Von Kerlen, die nicht mehr wissen, was einen Kerl ausmacht. Von Co-Muttis und Weicheiern. Von Jungs, die in der Schule versagen. Die auffällig sind, gewalttätig, destruktiv. Von Männern, die unsere Gefängnisse füllen, die Frauen schlagen, Kriege anzetteln, unsere Erde ruinieren.

"Wir haben kein gesellschaftliches Problem, wir haben ein Männerproblem."

Mit diesem Satz starteten wir in die drei Tage. Machten uns auf die Suche nach dem, was männlich ist. Frauen und Männer gemeinsam in einem Raum. Frauen und Männer, die sich einlassen wollten, die sich für ihre Söhne, für ihre Schulkinder, für ihre schwererziehbaren Jungs, für ihre Väter-Gruppen, für die Gesellschaft, für ihre Ideale in den Ring stellten und das beitrugen, was sie im Gepäck hatten. Wirkliches Interesse, Engagement und Herz.

Eine Tagung sollte es sein und es wurde so viel mehr als das.

Es ist Frühling. Und Frühling steht für Wachstum. Wohin sollen Männer noch wachsen? Haben sie nicht schon alles erreicht? Ist das der Grund, warum die Männer einbrechen? Weil sie an einer Grenze stehen? Weil es plötzlich kaum noch höher oder schneller geht? Weil Maschinen ihre Arbeit übernehmen? Weil das Konzept, das sie fahren, unsere Welt in den Ruin treibt? Wer den Frühling wahrnehmen will, muss anhalten. Stehenbleiben. Seine Sinne benutzen. Fühlen.

Schafft man das, dann wird aus der Frage, wie dem Mann zu helfen ist, plötzlich die Frage, was wir tun können, damit es unserer Gesellschaft besser geht. Denn bis jetzt waren es die Männer, die sie geprägt haben. Durch ihren Drang vorwärts zu gehen. Durch ihren Drang, Halt zu finden. Halt in Status und Anerkennung. Warum? Weil das Beuteschema der Frau nach wie vor danach verlangt. Und da können wir Damen jetzt mit dem Kopf schütteln, wie wir wollen, Tatsache ist, dass Frauen gern einen erfolgreichen Mann an ihrer Seite haben. Einen Macher. Das Dilemma ist nur, dass wir in einer Zeit leben, in der die Frauen selbst immer erfolgreicher werden, die Auswahl an noch erfolgreicheren Männern daher immer dünner wird. Und nun?

Dazu der Wahn, alles gleichmachen zu wollen. Die Kastration der Gegensätze. Die Enthauptung dessen, was uns erst so einzigartig macht. Männer dürfen nicht mehr so sein, wie sie sind, dafür wollen Frauen alles das, was Männer haben. Was für eine heilige Scheiße, in die wir uns da verrannt haben. Ehrlich. Glücklich ist niemand damit. Weder die Männer und noch weniger die Frauen.

Weiterlesen in maas No. 2 Frauen und Männer

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