Loslassen befreit

Freiheit
Werner Tiki Küstenmacher
18 Mai 2018
Loslassen befreit aus maaS No. 9 FREIHEIT von Werner Tiki Küstenmacher

Werner T. Küstenmacher

Die Welt ist komplex und wir verstricken uns oft in den vielen kleinen und großen Dingen des Lebens. Dabei könnte es doch auch einfacher gehen! Wenn alles auf uns einstürzt, ist es Zeit für „simplify your life“.

Entrümpeln

Wo sind Sie gerade, während Sie diesen Artikel lesen? Bei sich zu Hause? An Ihrem Arbeitsplatz? Ich möchte Sie zu einem Experiment verführen. Sehen Sie sich um: Gibt es in Ihrer aktuellen Umgebung einen Ort, den Sie gern einmal aufräumen würden? Einen Schreibtisch mit leeren Kaffeetassen, den Überbleibseln vom letzten Imbiss, unzähligen Papieren, unbezahlten Rechnungen, Zetteln und ein paar kuriosen Gegenständen? Einen überfüllten Couchtisch? Eine vollgestellte Zimmerecke zwischen Schrank und Tür? Irgendeine überfüllte Kiste oder Schublade?

Prima. Das ist Ihr Trainingsbereich für die nächste Viertel- oder halbe Stunde. Hier können Sie das simplify-Prinzip praktisch anwenden. Es heißt nicht nur „einfach“, es ist auch so. Ich nehme als Beispiel mal den Klassiker, also den Schreibtisch. Aber das Prinzip gilt für alle vollgerümpelten Ensembles.

Räumen Sie diesen Schreibtisch total leer.

Alles runter, auch den Computer. Dann das Möbel sauber machen, eventuell muss auch ein Staubsauger her. Und ein feuchter Lappen für die versiffte Platte. Machen Sie’s wirklich, nicht nur in der Fantasie! Genießen Sie die leere Fläche. Danach räumen Sie nur das, was Sie tatsächlich täglich (!) brauchen, wieder auf den Tisch. Also die ganze Technik, Bildschirm samt Tastatur und Maus, vielleicht eine Uhr, Lampe, Locher & Co. Für alles andere finden Sie andere Aufbewahrungsorte. Ideal wäre eine Hängeregistratur mit sinnvoll beschrifteten Mappen. Erledigen Sie jetzt nichts, sondern parken Sie erst einmal alle Aufgaben in solche Mappen, am besten für jedes Projekt eine.

Was erledigt ist, wandert in Ordner, Kisten, Regale. Vieles werden Sie wegwerfen können. Nehmen Sie eine sehr große Altpapierkiste, die Sie erst in einem Monat ausleeren. Das ist Ihre Sicherheitsreserve: Falls Sie in der Zwischenzeit merken, dass Sie etwas Wichtiges entsorgt haben, bleibt Ihnen dadurch eine Chance zum Wiederfinden.

Ich verspreche Ihnen: Es geht Ihnen danach besser. Denn beim Aufräumen schaffen Sie nicht nur Platz und gestalten vor sich eine angenehme Optik, sondern es passiert auch etwas in Ihnen selbst. Sie fühlen sich freier, strukturierter.

Die Aufgaben, die in Form von Papieren, unfertigen Gegenständen oder sonst einer Materialisierung vor Ihnen gelegen haben, sind noch nicht erfüllt. Aber sobald Sie nicht ständig draufgucken, fühlen Sie sich freier. Jetzt können Sie selbst entscheiden, welchen der einzelnen Jobs Sie angehen. Solange die To-dos verstreut oder gestapelt vor Ihnen herumlungerten, hat jeder einzelne Tagesordnungspunkt gleichsam gerufen: „Nimm mich!“ Sind aber die Arbeitsaufträge schön in Mappen, Taschen oder Klarsichthüllen verstaut, haben Sie wieder das Sagen. Wer dieses Prinzip einmal verstanden hat, möchte es nie wieder anders machen.

Von den erfolgreichen Menschen, die ich kenne, ist keiner ein Messie oder lebt in größerem Chaos. Einige faken sogar etwas Durcheinander in ihrem Arbeitszimmer, weil sie als kreativ gelten wollen. Sie können gern trotz chaotischem Arbeitsplatz erfolgreich werden und mir so das Gegenteil beweisen. Aber ich kann Ihnen nach 45 Jahren Arbeit als Autor und Zeichner versichern: Mit einem guten Maß Organisation der vielen uns umgebenden Dinge ist es viel einfacher.

Fliehen!

Diese Grundidee der Autonomie gegenüber den verschiedenen Tasks lässt sich auch anwenden, wenn Sie Ihren Tag zeitlich strukturieren möchten. Mein wichtigster Tipp, wenn Ihnen alles zu viel wird: Fliehen! 

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