Jedes Wort wirkt!

Frieden
Mechthild von Scherul-Defersdorf und Theodor von Stockert
16 Nov 2018
Die Sprache des Friedens - Jedes Wort wirkt aus maaS No. 11 FRIEDEN von Mechthild von Scheurl-Defersdorf

Pixabay

Die Sprache des Friedens

von Mechthild von Scheurl-Defersdorf und Theofor von Stockert (Institut Lingva Eterna)

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen der Sprache, die ein Mensch spricht, und dem, was er in seinem Leben erlebt.

Seit über siebzig Jahren haben wir in Deutschland Frieden – das ist ein großer Segen. Keine Generation vor uns hatte die Gnade, dies erleben zu dürfen. Frieden kommt und bleibt nicht von allein – es ist wichtig, dass jeder und jede einzelne etwas dafür tut, dass dies so bleibt. Dabei geht es ebenso um den Frieden in der Gesellschaft als auch um den Frieden im privaten und beruflichen Umfeld.

Jeder will Frieden – oder?

Es gibt immer wieder Menschen, die auf Konfrontation aus sind und andere provozieren. Sie entzweien und säen Zwietracht. Spitze Bemerkungen sind wie Waffen, und Wörter können mehr verletzen als manche körperlich grobe Aggression. Hier gilt es, achtsam zu sein und das böse Treiben zu durchschauen und gegenzusteuern. Nach einer abwertenden oder bissigen Äußerung über einen anderen können wir das Gespräch in eine konstruktive, friedvolle Richtung lenken. Dann können wir beispielsweise sagen: „Ich mag den Ulrich. Er ist in Ordnung.“ Eine solche Bemerkung ist entwaffnend – sie lädt ein, die Waffen niederzulegen. Mit einer friedvollen inneren Haltung können wir zum Frieden beitragen, sei es in der Familie, im Verein oder am Arbeitsplatz.

Wach werden für eine raue Sprache

Die allgemeine Sprache ist oft geprägt von kriegerischen und aggressiven Redewendungen. Sie sind uns selbstverständlich geworden, und die meisten Menschen machen sich keine Gedanken über ihre wahre Herkunft und Bedeutung: Da feiern Menschen „bei Bombenwetter“ eine Party und denken nicht daran, dass die Bomber im Krieg bei einem solchen Wetter für ihre todbringenden Bomben besonders gute Sicht hatten. Freundinnen und Kollegen kündigen einander ein Attentat an: „Ich habe ein Attentat auf dich vor!“ und wollen in Wahrheit doch nur einen Wunsch äußern. Der Kampf ist als Wort überall zu hören: Wir hören von „Preiskampf“ und „Wahlkampf“, Firmen „kämpfen“ um Kunden und Marktanteile; Außendienstler sind jeden Tag „an der Front“, statt dass sie schlichtweg direkten Kundenkontakt haben. Und die zahllosen „Deadlines“ sind ein trauriges Erbe aus dem amerikanischen Bürgerkrieg – sie lassen sich leicht durch „Abgabefristen“ und „Termine“ ersetzen. Eine raue Sprache geht rauen Handlungen voraus. Hier ist größte Achtsamkeit geboten. Jedes Wort wirkt!

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Dem Frieden in der Sprache Raum geben

Es ist viel von Kampf, Krieg und Terror die Rede – warum sprechen wir so wenig von Frieden? Es ist einfach, sich „für Frieden und Menschlichkeit“ einzusetzen und dies auch so zu sagen. Warum müssen wir „gegen Hass und Gewalt“ kämpfen? Tragischerweise meinen die jeweiligen Sprecher und Sprecherinnen wahrscheinlich alle den Frieden. Doch sind die inneren Bilder und damit die Wirkung völlig anders.

Diese Denkrichtung prägt Kinder schon von Anfang an. Es macht einen Unterschied, ob sie hören: „Hört auf zu streiten!“ oder „Seid friedvoll!“ Die einen Kinder haben Streit vor Augen und die anderen Frieden. Eltern oder Erzieherinnen folgen oft einem falschen inneren Bild. Schaffen Sie in Ihrem Inneren friedliche Bilder und Ihre Worte werden friedlich sein.

Vielen Menschen kommt zu dem Wort „Frieden“ nur die oberflächliche Formulierung „Friede, Freude, Eierkuchen“ in den Sinn. Sie hören oder gebrauchen das Wort „Frieden“ ansonsten nicht – und dies wird ihnen oft erst bewusst, wenn wir sie fragen, ob und wie sie das Wort „Frieden“ in ihrer Sprache haben – und reagieren fast ein wenig erschrocken.

Es gibt viele Möglichkeiten, das Wort „Frieden“ zu gebrauchen: Wir können uns für den Frieden in der Familie und am Arbeitsplatz einsetzen und dies auch mit diesen beiden Wörtern sagen. Wir können an einem Ort Frieden empfinden und dies so äußern. Wir können immer wieder davon sprechen, wann und wo wir Frieden erleben.

Mit dem bewussten Gebrauch des Wortes „Frieden“ lenken wir unseren inneren Blick in eine friedliche Richtung. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Mit einer gezielten Änderung der gewohnten Ausdrucksweise und mehr „Frieden“ in der aktiven Sprache kann jeder und jede einen wirksamen Beitrag zu mehr Frieden leisten.

Es gibt zu dem Wort „Frieden“ die beiden Ableitungen „friedlich“ und „friedvoll“.  Es ist leicht, sie in die eigene aktiv gebrauchte Sprache einzupflegen und dann regelmäßig zu nutzen: Kinder spielen friedlich zusammen; ein Säugling liegt friedlich in seinem Bettchen; ein klärendes Gespräch kann in einer friedvollen Atmosphäre stattfinden; jemand kommt mit einer friedlichen Absicht usw.  Manchmal ist es eine Herausforderung, den „Frieden“ und seine Ableitungen in den beruflichen Kontext zu integrieren – es geht und zeigt immer eine segensreiche Wirkung. Die Ableitungen werden erst dann richtig wirksam, wenn auch das Grundwort, also der „Frieden“, einen festen Platz im eigenen aktiven Sprachgebrauch hat. Darum ist es wichtig, nicht nur von „friedlich“ und „friedvoll“ zu sprechen, sondern auch das Grundwort „Frieden“ aktiv zu gebrauchen.

Unser Altbundeskanzler Konrad Adenauer sprach oft von Frieden und Freiheit. Diese Wörter haben in unserem Land eine segensreiche Wirkung entfaltet. Das Wort „Frieden“, millionenfach gesprochen, ausgestrahlt und gedruckt, würde auch heute die Aufmerksamkeit auf den Frieden lenken und ihn auf diese Weise stärken. Jeder kann dies im Rahmen seiner Möglichkeiten tun!

Das Nachtragen beenden und Frieden einkehren lassen

Wer sich bewusst mit dem Wort „Frieden“ befasst, entwickelt wie von selbst das Bedürfnis, überall in seinem Leben Frieden zu schaffen und zu erleben. Er hört auf, anderen Menschen ihre Verfehlungen nachzutragen. Das Wort „nachtragen“ zeigt deutlich, um was es dabei geht: Jemand trägt einem anderen etwas nach, vielleicht sein Leben lang. Dabei kommt er von seinem eigenen Weg ab und trägt jemandem etwas hinterher, was derjenige gar nicht haben will. Es ist befreiend, diese Last wieder abzugeben, zu ver-geben.

Wir können diese Last in Gedanken der anderen Person wieder zurückgeben. Nur sie hat die Verantwortung für ihr Tun und so ist es auch angemessen, dass sie diese Last wieder zurückbekommt. Durch das Vergeben haben wir von da an die Hände wieder frei für unsere eigenen Aufgaben.

Der andere braucht von diesem symbolischen Akt nichts zu erfahren. Es geht um uns selbst: Wir ver-geben. Groll und Streit weichen und es kehrt Frieden ein.

Der Frieden ist eine Tugend

Wer seine Streitigkeiten und Zwistigkeiten der Reihe nach bereinigt und befriedet, wird in seinem Herzen immer mehr Frieden empfinden. Den wird er dann auch ausstrahlen. Es wird von Mal zu Mal immer leichter, die Hand zum Frieden auszustrecken und im wahrsten Sinn des Wortes Frieden zu geben – es heißt Frieden geben! Der Friede im eigenen Herzen ist eine große Tugend. Er ist weitgehend unabhängig von äußeren Bedingungen. Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, in dem wir uns entschließen: Wir öffnen unser Herz für den Frieden. Dann werden wir Frieden finden, ihn ausstrahlen und in die Welt tragen.

Schenken Sie dem Frieden Raum und entwickeln Sie Ihre Sprache weiter. Sprachwandel ist Kulturwandel. Jeder und jede hat die Verantwortung und die Macht, zuhause, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft am Frieden mitzuwirken. Wenn auch nur einer seine Sprache wandelt, fordert er die Gesellschaft auf, einen Schritt nach vorn zu tun. Jeder kann und darf mitmachen.

Mechthild von Scheurl-Defersdorf hat in den neunziger Jahren das Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept begründet und dann gemeinsam mit dem Arzt und Neurowissenschaftler Dr. Theodor von Stockert weiterentwickelt. Sie machen die ordnende Kraft der Sprache bewusst und leiten an, sie zu erkennen und achtsam für sich in Anspruch zu nehmen. 

www.lingva-eterna.de

Literatur: Mechthild von Scheurl-Defersdorf „In der Sprache liegt die Kraft: Klar reden, besser leben“; Theodor von Stockert „Meine Sprache und ich – mit Sprachstruktur Persönlichkeit entwickeln“

Dieser Text ist ein Auszug aus maaS No. 11 FRIEDEN.

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