Jeder kann glücklich sein

Lebenswege
Eva Joanna Waellnitz
5 Jul 2016

Eva Joanna Waellnitz

Sicher kennen Sie die Geschichte vom hässlichen Entlein, das als Schwan in eine Entenfamilie geboren wird, dort von allen verstoßen wird und darum seinen Wert, seine Schönheit lange Zeit überhaupt nicht erkennen konnte. So wie dem Entlein ergeht es vielen Menschen. Nicht, dass sie in „falsche“ Familien geboren werden, aber eben oft in solche, in denen das Kind mit seinen emotionalen Anlagen, seiner Schönheit, seinem ganzen Reichtum, den es mitbringt, überhaupt nicht gesehen wird.

Auch ich hatte nicht das Glück, in eine intakte und harmonische Familie hineingeboren zu werden. Unsere Familiensituation lässt sich eher mit kompliziert bis dramatisch beschreiben. Meine Eltern waren alles andere als füreinander geschaffen. Ihr Zusammenleben war eher ein Gegeneinander als ein Miteinander. Gegenseitige Verletzungen und Verachtung bestimmten den Alltag. Liebevolle Umarmungen oder eine behütende Nestwärme habe ich als Kind selten bekommen, womit schon eine erste Prägung negativer Art unausweichlich war.

Das Martyrium begann bei mir im Alter von fünf Jahren. Meine Mutter wurde durch einen intriganten Schicksalsschlag für zwei Jahre inhaftiert. Für mich begann damit eine äußerst schreckliche Zeit. Eine Zeit voller Einsamkeit, Traurigkeit und Gewalt. Da mein Vater beruflich sehr stark engagiert und selten zuhause war, hat sich während dieser Zeit zumeist mein fünf Jahre älterer Bruder oft gewaltsam um mich „gekümmert“. Natürlich war er mit dieser Situation völlig überfordert.

Mein Vater arbeitete als leitender Beamter bei der Kripo im polnischen Geheimdienst. Er bewegte sich zu Zeiten des Kalten Krieges in hochrangigen politischen Kreisen und war dadurch einer ständigen, enormen Anspannung und Verantwortung ausgesetzt, die nicht selten in durchaus auch gefährlichen Situationen mündeten. Er kompensierte das durch erhöhten Alkoholkonsum, was der Familie alles andere als gut getan hat und immer wieder zu viel Leid hervorrief.

Zwei Jahre nach ihrer Inhaftierung wurde meine Mutter freigesprochen und kehrte als gebrochene Frau zurück. Emotional angeschlagen und psychisch instabil. Sie war nicht mehr die Mama, die ich kannte. Sie war völlig verändert und so veränderte sich auch die Situation bei uns zuhause. Leider völlig anders, als ich es erhofft hatte. Der Druck wurde größer. Angst, Schmerz, Traurigkeit, Gewalt, ununterbrochene, schmerzhafte Maßregelungen waren an der Tagesordnung. Mütterliche Wärme suchte ich vergeblich und so breitete sich nach ihrer Rückkehr eine noch größere Einsamkeit in mir aus.

Für meinen Vater war ich die kleine Prinzessin und dementsprechend habe ich ihn zu einem Gott idealisiert. Wenn er da war, was nicht oft vorgekommen ist, hatte ich das Gefühl, von ihm beschützt zu werden. Er ließ mir fast alles durchgehen, war mir für nichts böse und ich fühlte mich von ihm sehr geliebt. Das Gegenteil hat er meinem Bruder gegeben. Er wurde von ihm nicht angenommen, wurde oft gehänselt, geschlagen, erniedrigt, was natürlich zu Neid und Missgunst mir gegenüber geführt hat.

Trotz der Liebe, die ich von meinem Vater bekam, hatte ich auch immer wieder Angst vor ihm. Besonders dann, wenn ich gesehen habe, wie er sich gegenüber meiner Mutter und meinem Bruder brutal verhielt. Ich war mir nie sicher, ob ich vielleicht eines Tages von ihm genauso behandelt werden würde. Um nicht ganz alleine zu sein, klammerte ich seine Brutalität aus meiner Realität aus und erlebte einige Situationen, die meine Seele zutiefst verletzten.

Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 13 Jahre alt war. Mein Vater ist ausgezogen und ich musste mit zwei Menschen zusammen leben und auskommen, die mir nicht nur fremd waren, sondern die auch kein Bewusstsein dafür hatten, wie sehr ihr Handeln mein Leben prägte. Meinen Vater durfte ich noch seltener sehen und somit verschwand der letzte Schutz. So wuchs ich bis zu meinem 17. Lebensjahr auf, dann verließ meine Mutter unser Heimatland für immer und zog nach Deutschland. Da unser Verhältnis sehr schlecht war, spürte ich damals sogar eine große Freude in mir, weil ich hoffte, nun ein normaleres Leben führen zu können.

Aber der nächste Schicksalsschlag ließ nicht lange auf sich warten. Ein halbes Jahr später ist mein Vater verstorben. Es ist bis heute ungeklärt, ob mein Vater ermordet wurde oder eines natürlichen Todes starb, ob es eine göttliche oder eine menschliche Entscheidung war. Mein Vater war viel mehr als ein Vater sein kann, sondern auch mein Freund, mein Beschützer, mein Berater, ein Vertrauter und letztendlich alles, was ich hatte – die Gegenwart, die Zukunft, die Luft, das Licht, die Kraft. Der einzige, der mich getröstet und gelobt hat. Jemand, von dem ich Liebe, Zuwendung und Anerkennung bekommen habe, auch wenn es nur sehr selten war. Der Schutz und die Geborgenheit, die ich bis dahin in meinem Leben nur so selten genießen konnte, verschwanden mit seinem Tod für viele Jahre aus meinem Leben. Mit ihm starb auch etwas in mir. Obwohl ich erst 17 Jahre alt war, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass auch mein Leben zu Ende ist. Ich fühlte mich wie ein NIEMAND, ein NICHTS, das von nun an ziel- und haltlos hin und her geworfen wurde.

Kurz nach dem Tod meines Vaters änderte sich mein Ernährungsverhalten plötzlich radikal. Ich litt an Bulimia nervosa, ohne anfangs zu wissen, was das ist. Sehr bald erfuhr ich, dass es sich um eine schwere psychische Erkrankung handelte. Ich fühlte mich damals so alleingelassen und meinen Ängsten ausgeliefert. Ich war mit meinem Leben und seiner Leere völlig überfordert und fand den einzigen Halt im Essen, in Tabletten und im Alkohol. Ich war dem Leben und seinen Aufgaben nicht gewachsen. Den Hunger nach Liebe und Anerkennung stillte ich mit Nahrung und merkte nicht, wie ich immer tiefer in die Abhängigkeit abrutschte. Es fühlte sich an, als wäre ich in meinem Herzen lebendig begraben. Gut 15 Jahre litt ich an dieser grausamen Erkrankung. Damals wollte ich verstehen, warum ich dieses Leben leben muss, warum mir ausgerechnet diejenigen Menschen weh getan haben, die mich eigentlich lieben sollten.

Mein beruflicher Weg ging über mehrere Kreuzungen, bei denen ich immer wieder die Orientierung verloren habe. Ich habe das Lebensglück und meine Schönheit unbewusst im Außen gesucht und mich für das Modeln entschieden. Dieser Job hat mich am Anfang genährt. Ich bekam die Bewunderung, Aufmerksamkeit, im Mittelpunkt stehen zu dürfen. Ich habe jedoch bald gemerkt, dass ich nur eine Maske trage hinter der ich das verletze Kind in mir verstecken kann und verschiedene Rollen spiele. Ich habe mir sehr viel Lob und Ruhm von außen geholt. Aber nichts davon konnte meine seelischen Verletzungen heilen.

Mein ganzes Leben hat mir deutlich gemacht, dass es so nicht weiter gehen kann, bis ich vor ein paar Jahren durch einen kompletten materiellen Existenz-Verlust und eine schwere immunologische Krankheit endlich aufgewacht bin. Ich schlug einen bewussten Weg ein, befreite mich von all den Kindheitsdramen und lernte viel über mich und das Leben. Ich schrieb meine Lebensgeschichte um und gab ihr einen neuen Sinn. Dieses Glück durfte ich nicht nur fühlen, sondern auch mein Leben hat es mir zurück gespiegelt. In diesem Spiegel konnte ich den wundervollen Schwan erkennen und ich bin unendlich dankbar, dass das kleine, unscheinbare, verletzte Entlein zu einem glücklichen und wundervollen Wesen geworden ist. Nämlich zu einem „Gottes-Wesen“, das jeder von uns ist!

Und weil man das Glück ja teilen soll, begleite ich heute als Expertin für Lebensglück und Seelenheilkunde mit meiner therapeutischen Arbeit Menschen auf ihrem Weg zu mehr Bewusstheit und zu ihrem eigenen Glück“.

In ihrem Buch „Vom Model zur wahren Schönheit. Wie Selbstliebe alles verändern kann“ geht Eva Joanna Waellnitz mit eigenem Beispiel voran und zeigt, dass es möglich ist, dauerhaft frei und glücklich zu werden. 

www.jeder-kann-gluecklich-sein.de

praxis@jeder-kann-glücklich-sein.de