Herz auf und leben!

SINN
Gina Schöler
21 Aug 2019
Herz auf und leben von Gina Schöler in maaS No. 14 SINN

iStock

Ich habe die große Freude und Ehre, einen Text über Sinn zu schreiben. Zugleich überfordert mich die Größe und Tiefe des Themas „Sinn“ etwas: Wo soll ich anfangen? Was wird dem gerecht? Was ist gut genug? Sofort befinde ich mich mitten in der Spirale, in der sich so viele Menschen ebenso befinden. Es ist ein sehr gutes Beispiel, wie die Sinnsuche eben gerade nicht funktioniert: strukturiert und linear. Sondern eher im Gegenteil: intuitiv und emotional. Sinnfindung ist genauso individuell wie Glück, deswegen geht es darum, sein Herz zu öffnen und in sich hineinzuhorchen, was Sinn für jeden Einzelnen bedeutet.

Über Sinn zu lange nachzudenken, macht keinen Sinn.

Wie gehen wir heutzutage mit der Sinnsuche um? Wir setzen uns unter Druck, wollen, dass alles, was wir tun und sind, gut ist, besser ist, perfekt ist – gar einem größeren Ganzen dient, uns erfüllt – eben Sinn macht. Wir wollen wachsen, uns optimieren und glücklich sein. Das artet teilweise schon in Stress aus und wir verlieren uns im Suchen ohne jemals anzukommen. Wir rennen von Seminar zu Seminar, buchen eine Weiterbildung nach der nächsten, hören etliche Podcasts, nehmen an Online-Konferenzen teil, schmökern uns durch die Literatur. Das ist schön und tut gut, macht sicher Spaß, aber wirklich verändern tun wir dadurch nichts. 

maaS No. 14 SINN

Klar ist es wichtig, über das Leben, das Glück und den Sinn nachzudenken, darüber zu sprechen, sich inspirieren zu lassen, aber der springende Punkt ist, all das, was von außen kommt, was wir schlichtweg konsumieren, auch mal gut sein zu lassen und selbst loszulegen. Machen ist wie wollen, nur krasser! Vom passiven Konsumieren und Erdulden rein ins aktive Gestalten und Erleben zu kommen, ist der beste Startschuss, um ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen, auf das wir am Ende zurückblicken, und sagen zu können: Ich habe sinnerfüllt gelebt. Und das bedeutet nicht, all seine Zeit darauf zu verwenden, diesen Sinn in der Theorie zu durchdenken, sondern wir müssen ihn fühlen. Die Gefahr besteht, dass in der Zeit, in der wir (zu lange) darüber nachdenken, zauberhafte kleine Momente an uns vorbeifliegen.

Ein Plädoyer für mehr Unsinn.

Braucht also immer alles unbedingt einen „Sinn“? Sollten wir nicht viel öfter aufhören zu suchen und anfangen zu finden? Und das beginnt im Hier und Jetzt. Wie wäre es, der ganz persönlichen Intuition zu folgen, sich nicht zu verkrampfen und schlicht darauf zu achten, was einem gerade guttut? Manchmal kommt der Sinn dann, wenn man sich schon auf den Weg gemacht hat. Vieles erkennt man erst rückblickend und das ist sicher auch gut so. Der größere Zusammenhang und alle damit verbundenen Erkenntnisse sind nicht immer auf Anhieb erkennbar. Und wahrlich auch nicht immer positiv. Aber genau das lässt uns wachsen und erkennen, in welche Richtung es weitergeht.

Was wir vermehrt brauchen, ist mehr Leichtigkeit und Gelassenheit – uns selbst und anderen gegenüber. Weg vom Planen und Zerdenken und rein ins Leben! Wir sollten uns darin üben, Fünfe grade sein zu lassen und dem Fluss des Lebens zu folgen, nicht umsonst heißt es „im Flow sein“. Kinder zum Beispiel verschwenden so herrlich keine Zeit damit, sich Gedanken über den Sinn zu machen, sie verlieren sich im Tun und haben unglaublich wertvolle Flausen im Kopf. Lasst uns daran ein Beispiel nehmen und spielen, die Welt bunt gestalten, unsere Sinne schärfen und Verrücktes ausprobieren! Ein Hoch auf den Unsinn!

You are never too small to make a difference.

Diese Worte von Greta Thunberg hatte ich im Ohr, als ich neulich im Wald spazieren ging. An einer Lichtung blieb ich stehen, weil ich etwas Buntes an einem Baumstamm entdeckte. Neugierig ging ich näher und entdeckte etwas, das mich sehr berührte: Eine Kinderzeichnung. Eine Eule und ein Herz sowie mit sehr viel Mühe und Konzentration geschriebene Worte: „Bitte nicht den Wald abholzen.“

Ich dachte lange über diese Zeichnung nach. Auf eine Art verbildlicht sie für mich auch das Thema Sinn. Sie zeigt, dass sich jemand Gedanken gemacht und sich ein Herz gefasst hat. Und vor allem: Aktiv geworden ist! Auf seine ganz eigene Art und Weise. Im Rahmen der Möglichkeit, die ein kleines Kind eben hat. Das finde ich bemerkenswert, inspirierend und vorbildlich!

Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen, öfter für etwas einstehen, aufstehen, mit positivem Beispiel vorangehen, Werte verteidigen und festigen. Weniger nehmen und sich bedienen, sondern mehr geben und dienen. Indem wir etwas beitragen zum großen Ganzen, erkennen wir, dass unser Tun auch positive Wirkung auf andere hat. Und das ist mehr als erfüllend, das macht Freude, ja – das macht Sinn! Hier gelten keine Ausreden wie „Was soll das schon bringen?“, „Ich alleine kann nichts bezwecken.“ oder „Es ist eh schon zu spät.“, denn ganz nach Kurt Marti lautet es: „Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?“

Also öffnet eure Herzen und fangt an zu leben! Lasst uns überlegen, was jeder und jede Einzelne von uns jeden Tag aufs Neue beitragen kann, wie wir unsere Fähigkeiten, Talente und Handlungsmöglichkeiten dazu nutzen können, die Welt zu einem schöneren Ort zu machen, so dass wir sie eines Tages besser verlassen können, als wir sie vorgefunden haben. Denn dann können wir am Ende leichten Herzens sagen: Es hat Sinn gemacht, gelebt zu haben!

Gina Schöler, www.MinisteriumFuerGlueck.de

Dieser Text ist ein Auszug aus maaS No. 14 SINN.

maaS No. 14 SINN

>> Jetzt bestellen