Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche

Naturcoaching
Anita Maas
21 Sep 2018
Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, Erntedank, Herbstanfang, natur

Anita Maas

Es ist noch dunkel als ich aufstehe. Ich bin gerade zur rechten Zeit auf dem Berg als sich die Sonne golden erhebt und den ganzen Himmel rosa färbt. Es duftet nach trockenem Gras und reifen Äpfeln. Auf den kurz geschorenen Wiesen sitzen versprenkelt Krähen und frühstücken. Vereinzelt finde ich noch schwarz glänzende Brombeeren in den Hecken. Sie schmecken süß.
Lange beobachte ich die beiden Kühen und den Bullen, die friedlich auf einer nur mit einem dünnen Draht eingezäunten Wiese stehen. Sie haben so schöne Augen und auffallend schön geformte Euter. Ihre Hörner zeigen zum Himmel. Sie rupfen ein bisschen Gras und vertreiben mit ihrem Schwanz die Fliegen. Zwei Jahre stehen sie meistens auf der Wiese mit ihren Kälbern. Die sind jetzt weg. Sie sehen so friedlich aus und verkörpern für mich ganz stark das mütterliche Prinzip. Wieder einmal gelobe ich, ihre Milch nicht mehr zu trinken.
Ich gehe weiter und höre von Ferne den alten Ribbek vom Havelland rufen: Die Birnen fallen ins weiche Gras - reif und ungespritzt und lecker.
Heute ist Herbstanfang. Tag und Nacht sind gleich lang. Das Pendel schient an diesem Equilibrium für einen kurzen Moment still zu stehen, bevor es sich weiter in die dunkle Jahreshälfte bewegt. Ich halte inne und verbinde ich mit der Zeitqualität. Es gibt mir viel Kraft mich mit dem Rhythmus der Natur zu synchronisieren. Die tage werden kürzer, die Nächte kälter, die Erde verschenkt ihre Früchte in Hülle und Fülle: Äpfel, Birnen, Kartoffeln, Kürbisse und Nüsse sind erntereif. Und wir tun gut daran sie aufzuheben und zu verarbeiten, denn für lange Zeit wird nichts Neues mehr wachsen.
Ich halte inne: Was habe ich mir im Frühjahr vorgenommen? Was waren meine Ideen und Projekte, die ich in dieser fruchtbaren Zeit gegossen, gehegt und gepflegt habe? Was ist daraus geworden? Welche Früchte kann ich ernten und mich damit zufrieden in die dunkle Jahreshälfte zurückziehen. Was ist gut gelaufen, was möchte ich ändern? In den nächsten Wochen ist Zeit darüber nachzudenken, bevor die Aktivitäten vollkommen zur Ruhe kommen und aus der Dunkelheit im nächsten Frühjahr etwas Neues geboren werden kann.