Hauptsache auf Augenhöhe

Frauen und Männer
Sabine Beck
11 Mai 2016
Begegnung auf Augenhöhe

pixabay mnogolika

Meine Tochter hat ein Lieblingslied: „Männer und Frauen“ von den Ärzten. Jedes Mal, wenn sie das Lied hört, zerkugelt sie sich vor Lachen. Allein die Textzeile: „Männer und Frauen, die sich tief in die Augen schauen....“ Pruuuuuuuuuust. „Mama, die verlieben sich dann und machen Babys. Mit oder ohne Heiraten? Was findest Du besser?“

Wow, bitte, feministische Grundschulung für Achtjährige:

„Man kann sich verlieben, ohne Babys zu machen. Man kann aber auch Babys machen, ohne zu heiraten. Gut ist es aber auf jeden Fall, sich in die Augen zu schauen. Und zwar auf Augenhöhe.“

„Und wenn der Mann größer ist als die Frau?“

„Dann stellt sie sich halt auf die Zehenspitzen.“

Meine kleine Tochter schaut mich an und lacht. Ich bin 162 cm groß.

Das mit der Augenhöhe klappt leider nicht immer. Männer schaffen es auch im Jahr 2016 nur partiell, keine Angst vor starken Frauen zu haben. Manches Mal möchte man sie an der Hand nehmen und tröstende Worte sprechen.

Alleinlebende Frauen sind immer noch ein leicht irritierendes Phänomen. Nicht, wenn sie ihre Freizeit auf Parship verbringen und im Kaffeehaus leicht verzweifelt über das letzte verpatzte Date jammern, sondern wenn sie gerne alleine leben. Noch dazu mit Kind.

Frauen, die kein Interesse daran haben, die bürgerliche Form von Familie zu leben, verwirren diejenigen, deren Ziel es ist, möglichst bald den Topf zum Deckel zu finden. Aber auch diejenigen, die meinen, ihn gefunden zu haben. Dabei ist Familie doch so viel mehr als Vater, Mutter, Kind(er).

Familie ist ein Verbund von Menschen, die sich zugeneigt genug sind, sich zu unterstützen und füreinander da zu sein. Dazu braucht es weder eine Liebesbeziehung noch einen Trauschein – nein, nicht einmal irgendein Verwandtschaftsverhältnis. Dazu braucht es lediglich Augenhöhe. Und die ist meist ohne den rosaroten Schleier der Romantik viel leichter zu haben. Lasst uns also einfach in die Augen schauen.