Erfolgreiche Wege für berufliche Herzensprojekte

Mut
Vera Bartholomay
23 Mai 2019
Erfolgreiche Wege für berufliche Herzensprojekte von Vera Bartholomay in maaS No. 12 MUT

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Mut allein reicht nicht aus

Von Vera Bartholomay

Immer mehr Menschen entwickeln eine große Sehnsucht nach einer anderen Art zu arbeiten und zu leben. Sie wollen ihr eigenes Ding machen, haben oft tolle und ansprechende Ideen. Die Spannweite ist groß – ein Yogastudio, ein Laden, ein Café, ein Atelier, therapeutische, kreative oder Entspannungsangebote ...

Vielleicht gehörst du auch zu den Menschen, die einen solchen Traum im Herzen tragen?

Manche machen sich gleich auf den Weg, andere stehen noch etwas zaghaft am Start. Ganz viele geben ihren Traum aber viel zu früh wieder auf, weil sie unsicher werden, auf unerwarteten Widerstand stoßen, sich dabei allein und überfordert fühlen und irgendwann ihren anfänglichen Mut verlieren. So bleiben viele wunderbare Ideen in der Schublade liegen und Menschen hadern mit der Tatsache, dass ein großer Traum in ihrem Leben nicht umgesetzt wurde.

Seit langem beobachte ich Menschen mit solchen Träumen. Und zähle mich selbst auch dazu, denn ich habe mich schon mehrfach in meinem Leben mit Projekten selbstständig gemacht, denen man keine wirkliche Erfolgschance gegeben hat. Jedes Mal habe ich Berufe entwickelt, die später auf stabilen Füssen standen. Mir wurde irgendwann dabei klar, dass es viele Gemeinsamkeiten bei der Entwicklung solcher Projekte gibt. Die Hürden tauchen an ähnlichen Stellen auf. Die Fragen wiederholen sich. Zweifel und Bedenken haben ähnliche Gesichter. Aber jeder von uns geht den Weg mehr oder weniger allein und kämpft sich einsam durch alle Unwägbarkeiten durch. Man liest vielleicht Business-Ratgeber oder besucht Gründer-Seminare, die mit Sicherheit ihre Berechtigung haben, die aber eins nicht im Angebot haben: eine Begleitung für die inneren Entwicklungs- und Klärungsprozesse, die jeder für sich durchläuft, bevor ein Traumprojekt eine äußere Form annehmen kann. Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die solche Wege schon gegangen sind und damit Erfolg hatten. Einige der Erkenntnisse möchte ich mit euch teilen und dabei eines dieser Projekte vorstellen.

maaS magazin No. 12 MUT

Ein Café mit Herz - trotz schwerer Startbedingungen

Wirklich tragfähige Ideen entstehen oft über ganz lange Zeit. Von Menschen, die einen Traum – oft viele Jahre lang –  in ihrem Herzen getragen haben. Ihn immer wieder gedreht und gewendet haben, um irgendwann den ersten Schritt in die Umsetzung zu machen. So war es auch bei Dorothe Schindler aus Saarbrücken. Sie hatte eine feste Stelle und es gab nicht wirklich einen Grund, daran etwas zu ändern. Außerdem war sie nicht mehr ganz jung und startet man da noch einmal mit etwas Neuem durch? Aber die Idee, ein eigenes Café zu haben, tauchte über ganz viele Jahre immer wieder auf und ließ ihr keine Ruhe. Dann gab es plötzlich einen freien Laden, der in Frage kam. Schon bei der ersten Besichtigung wusste sie, dass dies der richtige Ort sei. Obwohl ganz viel dagegen sprach. Die Lage war nicht optimal. Die aktuelle Stadtentwicklung hatte eher schlechte Prognosen für diesen Teil der Stadt. Das Lokal lag versteckt ohne Laufkundschaft und war ganz leicht zu übersehen. Davor war zwar ein kleiner freier und ruhiger Platz – sogar mit einem Brunnen – aber dort hatte sich eine Gruppe Obdachloser mit vielen Hunden niedergelassen, was dazu führte, dass Passanten diese Ecke eher mieden. Und dennoch, irgendetwas sagte Dorothe Schindler, dass dies das richtige Lokal war und dass sie jetzt ins kalte Wasser springen sollte.

Viel Startkapital hatte sie nicht.

Und Existenzgründungsdarlehen werden normalerweise nicht für die Gastronomie vergeben. Aber wie ein Wunder traf sie auf eine Sachbearbeiterin, die sich von ihrem Konzept überzeugen ließ und ein kleines Darlehen ermöglichte. Mit ganz viel Hilfe von Familie und Freunden richtete sie dann das „Café Moccachili“ ein. Für herkömmliche Werbung war kein Geld da. Also setzte sie auf ganz viel Mund-zu-Mund-Propaganda und erzählte in ihrem privaten und beruflichen Umfeld von dem neuen Projekt. Heute ist das „Café Moccachili“ ein so beliebter Treffpunkt in der Stadt, dass man von Glück reden kann, wenn man einen freien Tisch ergattert. Die Obdachlosen sind weitergezogen. Der Brunnen plätschert im Sommer und verwandelt den Platz in eine kleine Urlaubsoase mitten in der Stadt. Hatte Dorothe Schindler einfach Glück oder was ist ihr Geheimnis? Abgesehen von der hohen Qualität der Produkte, dem selbstgebackenen Kuchen und der liebevollen Einrichtung fällt den Gästen eines gleich auf: Hier arbeiten Menschen gern zusammen und haben Freude an ihren Gästen. Das Café kann brechendvoll sein und die Gäste werden immer noch persönlich und freundlich behandelt.

Ist Mut der entscheidende Faktor?

Klar gehört Mut dazu, solche Projekte anzupacken. In einschlägigen Kreisen bekommt man allerdings schon fast den Eindruck, wenn man nur genügend Mut aufbringt, gelingen alle Pläne und können alle Träume realisiert werden. Aber nein – das stimmt nicht. Mut ist ein Bestandteil von ganz vielen, wenn auch ein entscheidender. Mut nützt gar nichts, wenn nicht viele andere Faktoren mit einbezogen werden. Wenn nicht auch die nüchternen Fakten gesehen werden UND man gleichzeitig tief auf das eigene Bauchgefühl hört.

Gute Bedingungen für dein erfolgreiches Herzensprojekt

Aus den vielen Gesprächen mit Inhaber*innen unterschiedlichster Projekte haben sich für mich einige essentielle Faktoren für einen möglichen Erfolg herauskristallisiert:

  • Das Projekt ist von großer Liebe geprägt. Es ist nicht einfach irgendeine Idee, sondern ein tiefer, manchmal langjähriger Herzenswunsch.
  • Du bist bereit, mit viel Mut auch wirklich loszulegen, wenn sich eine gute Gelegenheit bietet.
  • Du brennst wirklich für dieses Thema und lässt die Flamme nicht ausgehen.
  • Das Projekt ist nicht in erster Linie eine Flucht vor etwas anderem, vor einem ungeliebten Beruf oder vor einer unglücklichen Lebenssituation.
  • Das Projekt hat ein klares „Herz“, etwas spürbar Lebendiges, das sich mitteilen möchte. Und du vergisst dabei nie, was dieses „Herz“ ausmacht. Denn die Menschen suchen das Besondere und haben feine Antennen dafür, ob etwas wirklich authentisch und echt ist.
  • Du entwickelst deine Idee zwar im Stillen, bist dann aber bereit, damit nach außen zu gehen und darauf aufmerksam zu machen. Und dich selbst dabei auch sichtbar zu machen.
  • Du freust dich über die intensive Kommunikation mit deinen Kunden und willst wirklich wissen, was sie brauchen und was du für sie tun kannst.
  • Du bist bereit, Dinge zu lernen und umzusetzen, von denen du dachtest, sie wären nicht möglich oder du könntest sie niemals bewältigen.
  • Du zeigst große Ausdauer. Wir reden hier nicht von Monaten, sondern von Jahren.
  • Es ist dir klar, dass du daraus einen Beruf und nicht eher ein ausgiebiges Hobby machen willst.
  • Die Meinung anderer interessiert dich zwar, aber Zweifler und Kritiker bekommen nicht zu viel Macht.
  • Du hast den Boden und die harten Fakten für dein Projekt geprüft und berücksichtigt. Dazu gehören klare finanzielle Kalkulationen und Reserven, Klärung gesetzlicher Anforderungen und Auflagen, eine realistische Einschätzung deiner zeitlichen Möglichkeiten und deiner Kräfte; auch über die Lage und deine Zielgruppe bist du dir im Klaren.
  • Das Projekt lässt sich gut mit deinem privaten Leben und deinen Bedürfnissen vereinbaren.
  • Du bist immer wieder bereit, deine Komfortzone zu verlassen und dich deinen Ängsten zu stellen. Ja, du weißt sogar, dass wirklich Neues für dich nicht ohne Angst entstehen kann.
  • Du zeigst große Flexibilität für alles, was auf dich zukommt. Der Weg wird nie nur geradeaus gehen und du wirst ständig neue Lösungen andenken müssen. Vielleicht wird das Projekt sogar in der angedachten Form irgendwann völlig in Frage gestellt und das Ergebnis sieht komplett anders aus. Denn ein Projekt hat ein Eigenleben. Es entwickelt sich immer weiter. Deine Aufgabe ist es dabei, immer wieder hineinzuspüren, was sich verwandeln möchte und welche Elemente irgendwann nicht mehr passen.
  • Ohne dieses Projekt würde dir etwas in deinem Leben fehlen.

Stimmen viele dieser Faktoren für dich? Worauf wartest du dann noch?

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Vera Bartholomay ist Seminarleiterin, Therapeutin und Autorin von „Heilsame Berührung – Therapeutic Touch“ und „Projekt Sehnsucht – Ein Mutmachbuch für alle, die von der Selbstständigkeit träumen“. Das Buch ist ein Wegbegleiter für die sensible Aufbauzeit, mit vielen Reflexionsfragen und Anregungen, das Mut machen und stärken will, aber auch aufzeigen, was auf dem Weg dringend geklärt werden muss, damit ein Traum Wirklichkeit werden kann.

www.vera-bartholomay.com

Dies ist ein Auszug aus maaS No. 12 MUT.

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