Ein Plädoyer für die UnBERUFenen

Berufung
Christiane Karsch
8 Mai 2016
Christiane Karsch

Christiane Karsch

Wer sich beruflich verändern möchte, weil der bisherige Job einen nicht mehr ausfüllt oder eine Krise vorausgegangen ist, wird bei der Suche nach Unterstützung schnell fündig. Buchtitel wie „Aufbruch!“, „Lebe Deinen Traum“, „Big Five for Live“, „Lebe Deine wirkliche Berufung“ und „Visionssuche“ haben Hochkonjunktur. Viele Coaches helfen ihren Klienten bei der Suche nach dem Traumjob auf die Sprünge oder stehen ihnen zur Seite, wenn der Mut fehlt, die Berufung zu erfüllen. Und liest man die erste Ausgabe des Maas Magazins, kann man sich fast schlecht fühlen, wenn man den Ruf seines Herzens (noch) nicht hört.

Unterschied zwischen Berufung und Vision

Zugegeben, auch ich gehöre zu den Coaches, die die These vertreten, dass jede Person ihre Bestimmung in dieser Welt hat. Ich bin begeistert bei der Sache, wenn ich meinem Ruf folge und meine Vision verwirkliche. Nur dann verspüre ich eine innere Ruhe und Zufriedenheit, bin kreativ und habe viel Energie. Allerdings unterteile ich die Begrifflichkeiten in Bestimmung - was viele auch als ‚Berufung’, ‚Zweck des Daseins’ oder ‚Mission’ bezeichnen - und in Vision. Visionen sind hilfreich, um die Berufung mit Leben zu füllen und langfristige Ziele zu verfolgen. Eine Mission ist der Spross im Herzen, den man mit Visionen zu einer außergewöhnlichen Pflanze reifen lassen kann.

Hierzu ein Beispiel: Mal angenommen, es wäre meine Bestimmung, benachteiligten Menschen zu helfen. Dann könnte eine Vision lauten: „Ich errichte und betreibe in einem Entwicklungsland eine Bildungsstätte für Arme“. Diese Bildungsstätte kann ich visualisieren und mir in den buntesten Farben ausmalen. „Benachteiligten Menschen helfen“ hingegen lässt sich als Leitsatz weniger gut in einem Bilder darstellen. Vision ist die Kunst, noch nicht Sichtbares zu sehen.

Beruf oder Arbeit?

Wo ist nun der Unterschied zwischen Beruf und Berufung, sprich Bestimmung? Laut Duden bezeichneten früher beide Begriffe dasselbe: Die innere Bestimmung. Heute wird unter Beruf eine Arbeit oder Tätigkeit verstanden, mit der jemand sein Geld verdient. Hier ein kleiner Selbsttest, ob Sie in Ihrem Beruf Ihre Bestimmung leben: Wiederholen Sie jedes Statement dreimal laut. Betonen Sie die unterschiedlichen Begrifflichkeiten und achten Sie nach jedem Statement auf Ihre jeweilige Reaktion.

Ich übe einen Beruf aus.

Ich übe eine Arbeit aus.

Ich übe eine Tätigkeit aus.

Zu welchem Ergebnis kommen Sie? Klingt „Beruf“ stimmig? Dann entspricht Ihr Beruf wahrscheinlich Ihrer Bestimmung. Wenn es „Arbeit“ oder „Tätigkeit“ besser trifft, entspricht Ihr „Beruf“ wohl eher der heutigen Bedeutung von einer Erwerbstätigkeit. An welchen Stellen können Sie dann Ihre Bestimmung ausleben, ohne gleich den Job an den Nagel zu hängen und eine sichere Einkommensquelle aufzugeben?

Die eigene Bestimmung bewusst machen und leben

Viele Menschen sehen in ihrer Arbeit tatsächlich nur ein Mittel zum Zweck, um Geld zu verdienen. Ihrer Berufung gehen sie häufig unbewusst in ihrer Freizeit nach, z.B. in Form von künstlerischen oder musischen Hobbies. Oder sie richten sich ihr Arbeitsumfeld so ein, dass sie zumindest in einigen Bereichen das machen, was sie bewegt. Nehmen wir beispielsweise Horst K.: Seine Bestimmung ist es, Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Er gibt ihnen das Gefühl, das sie so wie sie sind, genau richtig sind. Das setzt er in allen Bereichen seines Lebens ein. Seine Vision ist, mit 57 Jahren in Rente zu gehen. Dann will er verstärkt den Dingen nachgehen, zu denen er während seiner Arbeitszeit nicht kommt. Dazu gehören Sport, sich mit ganz unterschiedlichen Menschen austauschen und reisen. In diesen Kontexten kann er seine Bestimmung, seine Mission noch besser leben.

Andere finden ihre Bestimmung in ehrenamtlichem Engagement, sei es für Tiere, die Natur oder Menschen. Und wieder andere sehen im Zusammenhalt der Familie ihre Berufung und schaffen damit einen wichtigen Beitrag für die nachkommenden Generationen. Wer sich seine Bestimmung bewusst macht, sprich, sich die Frage nach seinem „Zweck des Daseins“ stellt, geht fokussierter und zufriedener - vielleicht sogar gesünder - durchs Leben. Die eigenen Talente und Fähigkeiten kommen in allen Lebensbereichen besser zur Geltung und das Selbstbewusstsein steigt.

Impulsfragen zur Bestimmung und Vision

  • Was ist Ihre Bestimmung im Leben? Warum sind Sie hier?
  • An welchen Stellen verspüren Sie Ausgeglichenheit und ganz in Ihrem Element zu sein?
  • Welches Bild von Ihrer Zukunft haben Sie?
  • An welchem Ort, mit welchen Menschen und welcher Aufgabe sehen Sie sich?
  • Was werden Sie tun, was Sie glücklich macht und andere begeistert?

Findet sich Ihre Bestimmung in Ihrer Vision wieder, stehen Ihnen sämtliche Ressourcen zur Verfügung und Sie werden sie begeistert verwirklichen. Und wenn Sie auf der Suche nach einer beruflichen Neuorientierung sind, sollten Sie sich zunächst tatsächlich nach Ihrer Bestimmung fragen. Dann können Sie bewusst entscheiden, in welchen Lebensbereichen Sie diese einbinden wollen.

http://ck-visionsentwicklung.de