Die Kraft der Ahnen

Ich und Gemeinschaft
Bärbel Gehrling
12 Jan 2017
Die Kraft der Ahnen von Bärbel Gehrling, Familiensysteme, Aufstellung, systemisch

maas Magazin

Familien sind die kleinste Gemeinschaft in unserer Gesellschaft und oft belastet. Das äußert sich nicht nur in angespannten Familienfeiern. Ungelöste Konflikte und Traumata im Familiensystem wirken sich - meist unbewusst - auf das ganze Leben aus. Die Geschichte wiederholt sich ein ums andere Mal, bis das Problem erkannt und gelöst wird. Familienaufstellungen sind ein probates Mittel, um Frieden und Heilung in Familiensysteme zu bringen.

Die Familie sind unsere Wurzeln.

Eine Familie ist, über viele Generationen, die wichtigste Gemeinschaft eines Menschen. Hier finden die frühesten und tiefsten Bindungen und Prägungen statt. Eltern und Großeltern, Sprache und Kultur sind seine Wurzeln und haben entscheidenden Einfluss auf seinen Lebensweg, auf seine Bindungsfähigkeit, Selbstwert und Liebesfähigkeit.

Ist ein Vater in der Kindheit nicht verfügbar oder sind männliche Vorfahren in den Kriegen gefallen, so kann es sein, dass ein männlicher Nachkomme mit seinem Leben nur schwer zurechtkommt. Er kann das Leben nicht so recht nehmen. Ihm fehlt die Kraft der männlichen Wurzeln und diese sind wichtig für Erfolg im Leben. Manchmal reinkarniert sich auch ein früh gestorbener, gefallener oder als vermisst gemeldeter Vorfahre wieder in die gleiche Familie, ein oder zwei Generationen später. Dann bringt er die emotionalen Folgen, die zu seinem frühen Tod geführt haben, in dieses Leben mit, was Gesundheit und Lebensglück erschweren.  

Ebenso vererbt sich auf der seelischen Ebene die Trauer der Groß- und Urgroßmütter um deren Kinder, Geschwister oder den Verlust der Heimat. Diese Schwere der Trauer wirkt sich auf die Nachkommen oft mehrere Generationen aus. Körperliche Symptome, seelische Verstimmungen oder kritische Verhaltensweisen, wie Drogensucht, Workaholic, fehlende Beziehungsfähigkeit, können auf solche frühen traumatischen Schicksale hinweisen. Das kann vom Kleinkind bis zum Erwachsenen zutreffen. Hier fehlt ein tiefes Vertrauen in das Leben und die innere Erlaubnis, glücklich zu sein.

Jede traumatische Erfahrung gräbt sich tief in das zelluläre Gedächtnis eines Menschen ein und wandert ungeheilt von Generation zu Generation. Es sind die Emotionen, die sich auf Körper, Geist und Seele auswirken und mannigfaltig in das Leben eingreifen. Welche zutiefst unbewussten Erinnerungen bringen „Schrei-Kinder“ in dieses Leben mit? Welche seelische Not wirkt in unruhigen, zappeligen Kindern oder depressiven Jugendlichen und Erwachsenen?

Der Körper als Instrument der Seele spricht seine eigene Sprache und drückt sich durch physische oder psychische Schmerzen, Krankheiten und andere Symptome aus. Oft fühlen sich Menschen innerlich leer, wie fremd, und haben das Gefühl, nicht über ihr eigenes Leben bestimmen zu können. Es fehlt ihnen die innere Kraft der Selbstermächtigung und Freiheit für ihr eigenes, individuelles, erfülltes und selbstbestimmtes Leben.

Ein gutes Sinnbild in der Natur ist ein kraftvoller Baum, der in seinen vorgegebenen Plan hineingewachsen ist und seine Nahrung durch vielfältiges, tief in die Erde hinein entwickeltes Wurzelwerk aufnimmt und auf seinem guten Platz allen Stürmen trotzt. Steht er auf felsigem, harten Boden, kann er kein kraftvolles Wurzelwerk entfalten und sein Wachstum bleibt begrenzt. Auch der Mensch kann seine Potenziale und seinen inneren Reichtum nur entfalten, wenn er durch die Kraft der Ahnen, seine Wurzeln, genährt ist.

Ein guter Platz in der Herkunftsfamilie erfüllt die Bedürfnisse nach körperlicher, seelischer und geistiger Nahrung. Wird er von den Eltern und Vorfahren zur Verfügung gestellt, ist die Voraussetzung für ein stabiles und kraftvolles, gelingendes Leben gegeben. Ist die Verbindung unterbrochen oder durch Schicksal erschwert, gelingt die Rückanbindung durch eine gut geleitete Familienaufstellung.

Eine Familienaufstellung kann Wunder bewirken.

Sie erlöst Ungeheiltes über Generationen dort, wo die Ursache der Belastung durch Schicksal entstanden ist. Eine Aufstellung, sowohl in Einzel-Situation als auch in einer Gruppe, ist eine zutiefst achtsame und heilende Methode, um das Informationsfeld eines Familiensystems zu verändern. Zu einer Familie zählen alle, die über Kinder mit ihr verbunden sind, auch die Verstorbenen jeden Alters, Schwangerschaftsabbrüche, Abgänge und sogar große Lieben, die durch Tod nicht gelingen konnten, wie es im zweiten Weltkrieg oft geschehen ist.

In einer Aufstellung wird direkt erlebt, wie viel Liebe im Schmerz gebunden ist. Sobald dieser Schmerz sich auflösen darf, befreit sich all die unterdrückte Liebe. Die tiefe Verbundenheit zu den leiblichen Eltern darf gefühlt werden und Heilung kann geschehen. Das ist die beste Voraussetzung für das Gelingen des weiteren Lebensweges. Kinder und Jugendliche müssen nicht einmal anwesend sein und dennoch passieren ungeahnte Veränderungen. Das Leben kann auf einmal gelingen und leicht werden.

Auch eine traurige, traumatische oder erschwerte Kindheit kann Heilung erfahren. Wenn ein Mensch erkennt, dass schweres Schicksal durch die Eltern gewirkt und ihr Denken und Tun verursacht hat, erkennt er, dass nicht er gemeint war, sondern zur Verfügung stand. Ein Glück, wenn es ihm gelingt zu vergeben und dann in Freiheit zu leben. Es lohnt sich, bei sich selbst anzufangen, die eigenen Unzulänglichkeiten zu heilen, sich in Liebe mit den Ahnen zu verbinden und um ihre Kraft zu bitten.

www.baerbel-gehrling-quantensprung.de

Auszug aus maaS No. 4 "Ich und Gemeinschaft" 

Magazin maaS no. 4 Ich und Gemeinschaft

Jetzt bestellen