Dezember - Schlehen

Anita's Kräuterwelt
Anita Maas
7 Dez 2015
Schlehen, Prunus spinosa, Schlehdorn, Schwarzdorn, Widerstandskraft, Erkältung, Rekonvaleszenz

Anita Maas

Dieses Jahr gibt es Schlehen! Nur alle paar Jahre kann man die kugeligen blau-schwarzen Früchte in den Hecken finden. Sie machen sich rar und zu etwas Besonderem. Es kommt ja auch mal vor, dass es in einem Jahr kaum Kirschen gibt, wenn genau an den Tagen, wenn der Baum alle seine Blüten voll entfaltet hat, Regenwetter einsetzt. Dann fliegen keine Bienen und alles war umsonst. Den Schlehen spielt das arge Wetter noch häufiger einen Streich. Sie gehören zu den ersten Sträuchern, die sich im zeitigen Frühjahr wagen zu blühen. Noch bevor ein Blatt an ihren dunklen Zweigen erscheint, sind sie mit zarten flauschigen weißen Blüten besetzt. In den sonst noch ganz grauen Hecken stechen sie leuchtend weiß hervor. Ja, sie sind mutig, die Schlehen, und spielen ihr Spielchen mit dem Frost. Sie locken den Winter förmlich ein bisschen hervor, der schon in den letzten Zügen liegt. Wild und frech kommen sie daher mit ihrem zerzausten, widerspenstigen Gestrüpp.

Früher hat der Schlehdorn zusammen mit seinen Schwestern Weißdorn und Rose den Haag gebildet, der die Menschen und ihre Haustiere mit einem Dornenwall von der Wildnis trennte und sie gegen wilde Tiere schützte. Und heilsame, stärkende Früchte spendeten die Sträucher auch, und das im Winter! Der Strauch, der als erster im Frühjahr blüht, schenkt seine Früchte erst nach dem ersten Frost her. Dann hängen sie noch oft bis in den Januar hinein an den kahlen Zweigen und fallen erst kurz bevor die Schlehe wieder anfängt zu blühen ab. Die Schlehe trotzt der Kälte. Diese Widerstandskraft verleiht sie uns auch in kalten Wintertagen, wenn wir kränkeln, zu wenig Sonne und frische Luft bekommen und es draußen kalt und nass ist.

Schlehen sind die Urform der Pflaumen (lat. Prunus), an die ihre schwarz-blaue Farbe erinnert. Anders als die süßen und sehr schmackhaften Zwetschgen sind die Schlehen für unsere verwöhnten Gaumen kaum genießbar. Nimm mal eine  in den Mund – dann weißt du, was Gerbstoffe sind. Sie ziehen alles zusammen. Tierhäute werden mit Gerbstoffen zu Leder gegerbt. So stark kann ihre Wirkung sein. Die Schlehe macht uns widerstandsfähig gegenüber Eindringlingen von außen. (Im Gegensatz zu den Bitterstoffen, die auch stärken, aber von innen heraus.) Du kannst dir also vorstellen, wenn du dich mit der Schlehe verbindest, dass sie dich durch ihren Dornenwall und ihre Gerbstoffe sicher vor Angriffen von außen schützt und sie dir im übertragenen Sinne eine dicke Haut beschert. 

Schlehensaft ist allerdings kaum genießbar, da die Gerbstoffe besonders gut wasserlöslich sind. Deswegen schätzen die Erwachsenen eher das Schlehenfeuer, einen Ansatz von Schlehen mit Korn und Kandis. Die Schlehen färben den Alkohol rot-golden. Schlehenlikör schützt und wärmt dich im Winter, vielleicht nicht nur durch den Alkohol, sondern auch durch die Hitze, die die Schlehe in sich hat, um es mit dem Frost aufzunehmen.

Von Weleda gibt es ein Schlehenelixier ohne Alkohol, das sehr gut schmeckt und auch für Kinder geeignet ist. 

 

Schlehenlikör:

Fülle eine weithalsige Schraubglasflasche zu einem Drittel mit Schlehen (nach dem ersten Frost gesammelt).
Gib braune Kandis dazu (je nach Geschmack, ungefähr die Hälfte der Schlehenmenge).
Fülle mit Doppelkorn,  Wodka oder Rum auf.

3-6 Wochen stehen lassen, gelegentlich umschütteln.
Dann abseihen und in eine schöne Flasche füllen.

Das Schlehenfeuer wärmt von innen und schützt von außen.  Ein kleines Gläschen davon in Zeiten, in denen du dich von der kalten Jahreszeit sehr gefordert fühlst, tut er wahre Wunder und behütet dich vor Krankheiten. Wenn es dich doch erwischt hat, hilft dir die Schlehe wieder auf die Beine.
Der Likör hält sich über Jahre, hoffentlich so lange, bis es wieder ein Schlehenjahr gibt. Während man bei Kräutern und Salben nur einen Jahresbedarf anlegen sollte, sollte man bei den Schlehen für mehrere Jahre vorsorgen.

Wohl bekomm’s!