Der Wolf ist zurück!

Natur und Umwelt
Anita
12 Sep 2015
Wolf,

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit wurden Schafe gerissen. Die Spuren deuten unmissverständlich auf Wölfe hin. Das Land ist vorbereitet – es gibt einen „Wolfsmanagementplan“. Der beinhaltet außer Aufklärungskampagnen mit „Wolfsbotschaftern“ für die Bevölkerung, dass jetzt Zäune mit Übersprungschutz um die Schafherden auf Kosten des Landes natürlich gebaut werden. Außerdem erhält der Schäfer bis zu 1000€ pro getötetem Schaf. Da überlegt sich manch‘ einer vielleicht, ob er den Zaun an einer Stelle wenigstens offen lässt. Also, alle sollen sich freuen, dass dieses einheimische Wildtier endlich wieder auch außerhalb der Tierparks gesichtet wurde, aber fressen soll er bitte nichts. Wenigstens keine Schafe. Rehe vielleicht, aber es könnte sein, dass die Jäger was dagegen haben und kurzer Hand auch die Wölfe schießen so wie andernorts die Angler die Fischreiher und Kormorane vertreiben. Die Forstwirte sind vermutlich auch zufriedener mit den vorgegebenen Abschussraten für Wild, damit die jungen Bäume nicht angeknabbert werden. Wer weiß, ob man sich auf den Wolf so verlassen kann. Auch die Rehe sollten sich nicht einfach in den Wäldern bedienen, als wären es ihre. Dem Wolf blieben noch die Kaninchen. Die vermehren sich sowieso zu zahlreich, vor allem in den Stadtparks. Aber ob die Wölfe da gerne gesehen sind?

Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, ob ich mit gutem Gefühl durch den Wald gehen würde, wenn ich wüsste, dass dort (hungrige?) Wölfe sind. Aber diese Gedanken muss ich mir gar nicht machen, denn in unserem Bundesland gibt es keine ausreichend großen Waldgebiete, die ein Wolfsrudel als Nahrungsgrundlage braucht. Ist das eine gute Nachricht? Sie ziehen also nur durch auf der Suche nach einem Stück Natur, von dem der Mensch die Finger lässt. Vorbei an den reich gedeckten Wiesen mit riesigen Schafherden. Wir leben im Überfluss und nennen alles uneingeschränkt unser eigen. Wir lassen den Meisen keine Läuse, den Bienen keine Blumen, den Schnecken keinen Salat, den Rehen keinen Wald, dem Wolf keine Schafe. Obwohl es uns nicht spürbar ärmer machen würde, vermute ich. Immerhin geben wir Menschen aus anderen Ländern, die bei uns Unterschlupf suchen, auch wenn sie (noch) nicht heimisch sind, etwas zu essen. Andere Länder bauen Zäune. Natürlich ist das etwas anderes, es handelt sich um Menschen, unseresgleichen also und auch die heißen nicht alle mit offenen Armen willkommen. Ich wünsche mir, dass sich immer mehr Menschen darüber bewusst werden, dass wir unsere eigene Welt und die große Welt bereichern können, indem wir teilen, indem wir uns an der Vielfalt freuen, den Reichtum der Natur und des Miteinanders genießen können.