Dem Gefühl vertrauen

Gefühl und Verstand
Anne Heintze, openmind Akademie
9 Jan 2018
Hochsensibilität, Gefühl, Verstand, Stimme des Herzens, Intuition, Anne Heintze

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Wie treffe ich die besten Entscheidungen?

Wir müssen täglich entscheiden, wir müssen täglich neue Richtungen einschlagen. Worauf kann ich mich verlassen? Was gibt den Ausschlag: Gefühl oder Verstand?

War früher die Intuition oder auch das Bauchgefühl einer der zuverlässigsten Ratgeber, ist es in der Gegenwart fast verpönt, dem Weg, den das Gefühl vorgibt, zu folgen.

Die meist unbemerkt stattfindende Prägung zum Kopfmenschen führt oft dazu, dass die Suche nach der eigenen Identität und dem Glück mühsam ist, denn der Verstand ist nur ein kleiner Teil dessen, was unsere Persönlichkeit ausmacht. Dabei kann es so einfach sein, bei dir selbst anzukommen, wenn nur das Gefühl endlich wieder seinen Stammplatz in deinem Leben einnimmt.

Die Sprache des Herzens als Ausdruck des Gefühls

Kinder tragen ihr Herz auf der Zunge. Diese alte Weisheit führt im Umkehrschluss aber nicht dazu, dass Kinder und junge Erwachsene für ihre intuitiv getroffenen Entscheidungen Lob oder Anerkennung erfahren würden. Bereits seit frühester Jugend wachsen viele Kinder mit Ermahnungen auf, mehr mit dem Verstand als dem Gefühl zu agieren. Vom Elternhaus bis zur Schule sind junge Menschen somit einer Umwelt ausgeliefert, die Fähigkeiten wie Intuition und Bauchgefühl eher verkümmern lässt, als sie zu pflegen und als wahre Stärken des Alltags anzuerkennen.

Im gleichen Zeitraum, in dem dein eigenes Gefühl langsam verstummt, wird das Stimmenchaos in deinem Verstand immer größer. Für jede Entscheidung gibt es plötzlich eine ganze Fülle aus Pro und Kontras, die abgewogen und manchmal in Sekundenschnelle in eine möglichst fundierte Entscheidung umgewandelt werden müssen. Dies überfordert oft nicht nur den Körper, sondern auch die Seele, die seit jeher dem Gefühl nähersteht als dem Verstand. Die Folge ist, dass bereits Schüler unter Schlafproblemen leiden und ihre eigenen Entscheidungen auch bis ins Erwachsenenalter immer wieder in Frage stellen.

Aber dein Gefühl verstummt niemals ganz. Du hast nur die Fähigkeit verloren, die Sprache deines Herzens wirklich verstehen zu können. Ähnlich wie eine Fremdsprache zu erlernen, kannst du diese Fähigkeit jedoch reaktivieren. Wann immer du eine Entscheidung mit dem Verstand triffst und dennoch nicht das Gefühl hast, die beste Lösung gefunden zu haben, solltest du für einen Moment innehalten und einfach anfangen, wieder auf dein Gefühl zu vertrauen. Mit diesem Vertrauensvorschuss an dein eigenes intuitives Urteilsvermögen hat auch deine Persönlichkeit die Chance, alle ihre Facetten zum Vorschein zu bringen.

Ein neues Lebensgefühl

Veränderungen des Verhaltens stellen nicht nur deine eigenen Verhaltensmuster, sondern auch deine Umwelt vor eine große Herausforderung. Schließlich ist der innere Konflikt zwischen Gefühl und Verstand seit Jahren wie selbstverständlich vom Verstand für sich entschieden worden. Daher erfordert es viel Mut, sich gegen die eigene Prägung und Erziehung zu stellen. Dabei wirst du sehr schnell erkennen, dass du deiner Welt nicht ihr Fundament entziehst, sondern du lediglich bei deinen Entscheidungen ein besseres Gefühl erhältst. Denn auf sein Gefühl zu hören, bedeutet nicht immer, genau das Gegenteil von dem zu tun, was der Verstand als richtige Entscheidung betrachtet. Im Idealfall unterstützt dein Bauchgefühl so die Entscheidungen, die dein Verstand auch aufgrund seiner Erfahrungswerte gleich oder ähnlich getroffen hätte.

Das beste Argument für eine neue Lebensweise mit mehr Respekt für dein Gefühl ist deine eigene Zufriedenheit. Wenn du einfach dein Leben lebst und nicht jede Entscheidung zu einer eigenen Wissenschaft erklärst, fällt auch der Druck, der vielen Entscheidungsprozessen innewohnt, ab.

Den eigenen Idealen treu bleiben

Wenn du glaubst, dass du in deinem eigenen Leben mehr ein Statist als ein Hauptdarsteller bist oder sogar eine Leere spürst, die du nicht einmal benennen kannst, ist es Zeit, dein Gefühl für eine neue Lebensrichtung zu aktivieren.

Anstatt sich zu fragen, welche Faktoren diese Gefühle auslösen und diese in eine neue Richtung zu lenken, verharren viele Menschen schlicht in ihrem Alltag und scheuen sich vor jeglicher Form der Veränderung. Mit mehr Achtsamkeit für das Gefühlsleben gelingt es leichter, den eigenen Idealen treu zu bleiben und weniger Kompromisse einzugehen.

Kompromisse scheinen zwar auf den ersten Blick und im Sinne des Verstandes die beste Lösung zu sein, entfernen dich aber zusehends vom Weg, auf den dein Gefühl dich schicken würde. Schließlich ist das Gefühl so wahrhaftig, dass es gar nicht anders kann, als im Sinne deines wahren Ichs zu handeln.

In jedem Fall ist es eine Reise, die auch deinen Alltag aufpeppt und dich vor neue Herausforderungen stellt. Da von der Partnerwahl, über Karriereentscheidungen bis zur Familienplanung viele Menschen immer auf der Jagd nach dem passenden Zeitpunkt sind, rät deine Gefühlsweisheit viel eher dazu, Gelegenheiten beim Schopf zu packen und einfach ins kalte Wasser zu springen. Denn der Verstand ist für seine Entscheidungen immer wieder auf bereits gesammelte Erfahrungen angewiesen. Fehlen diese Erfahrungswerte entstehen plötzlich viele Fragezeichen, während das Gefühl schon lange die richtige Antwort parat hält.

Den Verstand sinnvoll einsetzen

Dem eigenen Gefühl zu folgen hat auch einen weiteren positiven Nebeneffekt. Denn neben einer allgemeinen Zufriedenheit hat auch der Verstand endlich einmal Zeit, zur Ruhe zu kommen. Mit dem nun freien Kopf, fällt es leichter, auch größere Veränderungen zu organisieren und zu planen. Dabei kannst du durchaus von deinem auf logische Entscheidungen trainierten Verstand profitieren. Ist die Richtung mit dem Gefühl vorgegeben, kann der Verstand wie ein Backup funktionieren, welcher die Realisierbarkeit mit den nötigen Gedankenspielen unterstützt.

Diese Vorgehensweise stärkt auch das eigene Vertrauen in die so getroffenen Entscheidungen. Da besonders zu Anfang der Modifikation zu mehr Bauchgefühl und Herzensentscheidungen die eigene Urteilsfähigkeit nicht immer uneingeschränkt positiv betrachtet wird, kann sich der Prozess auch langsam vollziehen. Je mehr Selbstvertrauen schließlich für den Weg deines Gefühls vorhanden ist, umso seltener muss auch der Verstand einspringen und die Entscheidungen einer internen Überprüfung unterziehen. Was danach folgt, ist ein Weg, der mit jeder einzelnen Etappe dem eigentlichen wahren Ich näher rückt.

Lausche im Berufs- und Privatleben deinen Gefühlen

Beruflich und privat werden immer wieder Entscheidungen verlangt, bei denen Verstand und Bauchgefühl oftmals konträr und weniger ausgewogen aufeinandertreffen. Jeder Mensch besitzt die Fähigkeit zu gefühlsmäßigem, intuitivem Handeln mit dem Unterschied, dass sich der eine seiner Gefühle bewusst ist und sie auslebt, während der andere sie ignoriert. Das Potenzial, das gefühlvolles Handeln beinhaltet, kannst du aufleben lassen oder verfeinern und zwar durch gezieltes Training. Deine Gefühlswelt wird kraftvoller, wenn du beginnst, regelmäßig die Entscheidungen und Empfindungen eines Tages zu reflektieren.

Frage dich …,

  •  welche deiner Handlungen sind heute überwiegend auf Grundlage deiner Gefühlswahrnehmungen entstanden?
  •  welche dieser Handlungen hatten eher positive oder negative Auswirkungen?
  •  welches Gefühl hattest du bei deinen Entscheidungen?
  •  welche Rolle hat dein Verstand dabei gespielt?
  •  wie verändert sich mit der Zeit das Kräfteverhältnis dieser beiden inneren Faktoren?

 

Anne Heintze, openmind Akademie

Anne Heintze ist Autorin und Therapeutin mit dem Schwerpunkt Hochsensitivität, Hochsensibilität, Hochbegabung und vielbegabte Scanner-Persönlichkeiten. 

www.open-mind-akademie.de

Dieser Artikel ist ein Auszug aus maaS No. 7 'Gefühl und Verstand'.

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