Brennglas oder Gießkanne?

Klarheit
Boris Grundl
10 Mär 2020
Brennglas oder Gießkanne von Boris Grundl in maaS No. 16 KLARHEIT

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Was dich dazu antreibt, deine Energie zu bündeln oder breit zu streuen.

von Boris Grundl

Jeder Mensch verfügt täglich über die gleichen 24 Stunden. Jedoch mit sehr unterschiedlicher Wirkung. Woran liegt das? Viele kommen in Leben und Beruf nur langsam voran. Sie verzetteln sich in den schreienden Anforderungen des Alltags. Ihre To-do-Liste ist abends länger als morgens, der Stresspegel wächst immer mehr. Und was machen die Ergebnisse? Mittelmäßig bis schwach. Dabei kann jeder lernen, seine Wirksamkeit zu steigern! Wenn er seine Antreiber hinterfragt und Energien klüger bündelt.

„Ich werde Indien gewaltlos befreien.“ Mit diesem Satz verdichtete Mahatma Gandhi einst seine Mission und seine ganze Identität auf einen Satz. All sein Denken und Handeln hatte der Pazifist nach dieser Idee ausgerichtet. Das nenne ich Klarheit. Um sie zu erreichen, müssen Menschen keine Heldentaten vollbringen, sondern das Prinzip dahinter verstehen – das Prinzip des Brennglases. Wer diesem folgt, kann seine Wirkung im Leben in allen Bereichen um ein Vielfaches erhöhen. Jeder kann zum Brennglas werden. Und jeder, der es wird, spürt die Veränderung. Brenngläser machen einen Unterschied. Sie haben klare Prioritäten und verzetteln sich nicht. Idealerweise sind sie Experten auf ihrem Gebiet. Sie wissen, was sie wollen und was nicht. Der Wunsch nach Klarheit ist einer ihrer höchsten Werte. Brenngläser lassen sich nicht von gesellschaftlichen Vorgaben und Modewellen beeinflussen. Sie sind auf der Suche nach der Substanz hinter Plattitüden. Sie sagen Nein zu Nebelbomben und Ja zur Wahrheit. Auch wenn es weh tut. Das macht sie anders. Sie polarisieren durch ihr Denken und Sprechen und sind alles andere als bequem. Brenngläser sind Persönlichkeiten mit Charakter.

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„Höher-schneller-weiter“ versus „Flexibler-klarer-tiefer“

Die Bauchladen-Haltung des „Alles-haben-Wollens“ nenne ich das Prinzip der Gießkanne. Menschen, die wie Gießkannen leben, kommen durch ihr ständiges Handeln innerlich zu wenig zur Ruhe. Reflexion kommt nur in Krisen vor. Sie brennen langsam, aber sicher aus. Sie überlegen morgens voller Energie: „Was gibt es zu tun?“ und wundern sich, dass sie am Ende des Tages, der Woche, des Monats oder nach fünf Jahren wenig vorangekommen sind. Sie fühlen sich wie in einem Hamsterrad. Man erkennt sie an ihrem Lieblingssatz: „Ich habe zu wenig Zeit.“ Gießkannen verzetteln sich, wissen nicht, wie sie kluge Prioritäten setzen, sagen zu oft Ja. Menschen, die nach diesem Prinzip leben, wollen äußere Harmonie, weil die innere Harmonie fehlt. Sie suchen vor allem Bestätigung durch andere. Sie wollen psychologische Schmerzen vermeiden, hängen sich rein, fühlen sich gebraucht und leben die Prämisse „höher, schneller, weiter“. Das Prinzip der Gießkanne fühlt sich oft gut an, aber es liefert schwache Wirkung, schwache Ergebnisse.

Brenngläser fragen sich am Morgen: „Was wünsche ich mir heute Abend, getan zu haben?“ Sie fragen sich: „Was wünsche ich mir am Ende der Woche, am Ende des Jahres, getan zu haben?“ Und ja, sie fragen sich: „Was wünsche ich mir am Ende des Lebens, getan zu haben?“ So entsteht ein unglaublicher Fokus und sie wissen genau, was sie warum tun oder nicht tun. Ihre Haltung entsteht aus Konsequenz, nicht aus Disziplin. Denn Disziplin braucht es nur so lange, bis Überzeugung da ist. Zu viele setzen auf Disziplin und zu wenig auf Konsequenz. Sie verfolgen den Anspruch „flexibler, klarer, tiefer“. Sie setzen auf Erfüllung, Erfolg und mentale Gesundheit. Deswegen reduzieren sie sich. Die Treiber hinter dem Brennglas sind Ergebnisse, Verantwortung, Klarheit, Auseinandersetzung und Vertrauen. Ihre Wirkung und Ergebnisse sind hochwertig.

Erkennen, anerkennen, transformieren

Wer zum Brennglas werden will, muss seine Antreiber hinterfragen: Will ich gebraucht werden und wünsche ich mir Anerkennung von außen? Geht es mir um Verantwortung oder ist mir wichtiger, dass die Kollegen mich mögen? Setze ich auf Klarheit oder will ich mich sicher fühlen? Riskiere ich Konflikte oder unterdrücke ich meine Bedürfnisse für ein harmonisches Miteinander? Nur wer ehrlich seine tiefsten Treiber erkennt und anerkennt, kann sie schließlich transformieren und wird immer mehr zum Brennglas. Hier ein paar Beispiele.

Weg vom Statusstreben hin zu Ergebnissen

Kern der Transformation ist das Denken in Ergebnissen. Es geht um die Sache, nicht um Eitelkeiten. Brenngläser lassen sich nicht vom Statusstreben verlocken – weder durch materielle Belohnungen wie Gehaltserhöhungen oder ein großes Büro, noch von immateriellen Gütern wie sozialen Kontakten, hoher Bildung oder übertriebener Bescheidenheit. Um auf Ergebnisse zu setzen, muss zuerst klar sein, was damit überhaupt gemeint ist. Ergebnisse sind all das, was in unserem Leben da ist. Mein Gesundheitslevel ist ein Ergebnis. Meine Fähigkeit zu denken oder Probleme zu lösen, ist ein Ergebnis. Die Qualität meiner Beziehung zu mir und zu anderen ist ein Ergebnis. Diese Liste könnte ich beliebig weiterführen. Auf einen Teil dieser Ergebnisse haben wir Einfluss, auf einen anderen nicht. Es geht darum, sich auf das zu konzentrieren, was man beeinflussen und verbessern kann. Und dann zu versuchen, darin der Beste zu werden, der man sein kann.

Weg von Beliebtheit hin zu Verantwortung

Menschen lieben das Gefühl, gebraucht zu werden, beliebt zu sein. Sie spüren darin ihre Daseinsberechtigung. Wir genießen es, für andere da zu sein und um Rat gefragt zu werden. Brenngläser lernen Verantwortung jedoch mehr lieben als Beliebtheit. Weil es sich lohnt: Verantwortung ist der Kern menschlicher Entwicklung. Wer Verantwortung lebt und liebt, gibt Energie dorthin, was ein Mensch sein kann, und nicht, was er ist. Das ist ein großer Unterschied. Das macht Menschen unbequemer und fordernder. Aus diesem Grund fällt es vielen so schwer, Verantwortung zu leben. Wer keine Gießkanne mehr ist, die gute Gefühle verbreitet, sondern ein Brennglas, das sich aufs Wesentliche konzentriert und in die Tiefe geht, der erkennt, wofür er Verantwortung trägt und wofür nicht.

Weg von Sicherheit hin zu Klarheit

Psychologische Sicherheit ist eine der größten menschlichen Antreiber. Niemand fühlt sich bei einer Feier wohl, auf der er niemanden kennt. Der erste Arbeitstag im neuen Job? Das erste Date? Alles Situationen der psychologischen Unsicherheit. Das ist menschlich. Wer jedoch Brennglas werden will, muss lernen, irrationale Ängste auszuhalten und seine Komfortzone zu verlassen. Unbequem sein, Wachstum wagen und Dinge liegenlassen. Auch Gandhi hat auf seinem Weg zum Brennglas viele Dinge nicht getan. Denn ein Ja zum Kernthema bedeutet ein Nein zu jeder Art von Ablenkungen. Das erfordert Mut. Hinter der Haltung „Ich mach alles“ steckt primär Angst. Wer so denkt, hat ein Gefühl der Enge im Kopf. Wer möglichst viele Möglichkeiten abdecken will, um beispielsweise ein Geschäft zu machen, den plagt die Angst, nicht genügend Aufträge zu bekommen. Im Kern glaubt er nicht an sich und seine Idee. Wer sich spezialisiert, gibt im ersten Schritt jene Sicherheit auf, die er im Erfolgsfall dazugewinnt. Bestimmte Felder im Leben oder Beruf wegzulassen, erfordert die Bereitschaft, dieser Angst ins Gesicht zu sehen, sie auszuhalten und durch die Angst hindurchzudenken.

Wer Brennglas sein will, setzt das Streben nach Klarheit an erste Stelle. Dazu bedarf es Mut, Ehrlichkeit zu sich selbst und Konsequenz. Wichtig ist nicht, was die Masse denkt (Durchschnittsbewusstsein), sondern dass Brenngläser sich an Spitzenergebnissen orientieren (Wirkungsbewusstsein). Nur wer Spitzenklasse denkt, wird Spitzenergebnisse erzielen. Das ist der entscheidende Punkt. Die Masse denkt: Man muss viel zu tun haben, aktiv und immer beschäftigt sein, um erfolgreich zu sein. Doch das ist durchschnittliches Gießkannen-Denken, das durchschnittliche Ergebnisse bringt! Brenngläser denken das Gegenteil – in Wirkung und Klarheit.

Brennglas lohnt sich

Brenngläser sind manchmal unbequem, doch ihre Wirkung überzeugt. Sie machen einen Unterschied, zeigen Einzigartigkeit, spüren eine Energie, die von innen kommt.

Durch ihre Klarheit ernten Brenngläser Erfolg, Erfüllung und mentale Gesundheit. Schon Mark Twain hat dazu folgende Worte gefunden: „Die beiden wichtigsten Tage deines Lebens sind der Tag, an dem du geboren wurdest, und der Tag, an dem du herausfindest, warum.“

Boris Grundl durchlief eine Blitzkarriere als angestellte Führungskraft und machte sich 1999 als Führungsexperte selbstständig. Heute gehört er zu Europas Rednerelite. Boris Grundl perfektionierte die Kunst, sich selbst und andere auf höchstem Niveau zu führen. Er erforscht das Thema Verantwortung (www.verantwortungsindex.de) und gibt Schülern in Großvorträgen Impulse für ein eigenverantwortliches Leben. Er redet Klartext, bleibt dabei stets humorvoll und bringt die Dinge präzise auf den Punkt. www.grundl-institut.de

Dieser Text ist ein Auszug aus maaS No. 16 KLARHEIT

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