Berufung finden und Träume leben

Klarheit
Angelika Gulder
10 Mär 2020
Berufung finden und Träume leben von ANgelika Gulder in maaS No. 16 KLARHEIT

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Klarheit über deinen Weg

von Angelika Gulder

Vor unserer Geburt hat unsere Seele einen Plan für unser Leben erstellt. Eine Art Seelen-Landkarte, der wir folgen können. Darin haben wir festgelegt, wer unsere Eltern sind, welche Persönlichkeit wir zum Ausdruck bringen werden, wen wir treffen und auch wann, welche Herausforderungen uns begegnen, welche Berufung wir leben wollen und welche alten Ängste es zu überwinden gilt.

Dummerweise gibt es niemanden, der uns zu Beginn unseres Lebens lehrt, wie wir unsere Seelenkarte lesen können. Darum irren die meisten Menschen viele Jahre herum auf der Suche nach ihrem Weg.

Die Berufung

Eine unserer Seelen- bzw. Lebensaufgaben besteht darin, unsere Berufung zu finden und mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften zu leben. In jedem ist dafür von Geburt an eine unverwechselbare Kombination aus Eigenschaften und Begabungen angelegt. Doch was ist das genau, die eigene Berufung?

Ein Beruf ist jede auf Dauer angelegte Tätigkeit zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhaltes, ganz gleichgültig, ob man das, was man tut, auch gelernt hat, ob man es wirklich kann und ob man es gerne tut. Die Berufung ist hingegen definiert als „der Ruf Gottes an einen Menschen zur Erfüllung ihm bestimmter Aufgaben“. Die Berufung zu leben, bedeutet also, das zu tun, wofür man von der eigenen Seele mit den besten Anlagen ausgestattet worden ist.

Die eigene Berufung finden

Kaum ein Mensch kann spontan sagen, was seine Berufung ist, dabei ist es erstaunlich leicht, das herauszufinden, wenn man die richtigen Fragen stellt.

  • Was von den Dingen, die du gut kannst, macht dir am allermeisten Spaß?
  • Was hat dir schon in deiner Kindheit besonders viel Spaß gemacht (z. B. kreativ sein, Abenteuer erleben, Dingen auf den Grund gehen)?
  • Was sind deine Lebensmotive? Was lässt dich jeden Morgen aufstehen und macht dich glücklich, wenn es erfüllt ist (z. B. Freiheit, Freude, Neugier)?
  • Was sind deine wahren Interessen? Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit (z. B. Gesellschaft, Politik, Persönlichkeitsentwicklung, schöne Dinge)?
  • Was sind deine Sehnsüchte und Träume (z. B. um die Welt reisen, eine Finca im Süden haben, berühmt sein)?
  • Und schließlich: In welchem Berufsbild fließen all diese wichtigen Aspekte deiner Persönlichkeit bestmöglich zusammen?
  • maaS No. 16 KLARHEIT - Wie du kraftvoll Entscheidungen triffst

Hier ein praktisches Beispiel und wenn du magst, schreib dir deine Erinnerungen und Gedanken dazu gleich auf:

Was für ein Kind warst du? Lieber drinnen oder draußen? Eher ruhig oder abenteuerlustig? Kreativ oder eher praktisch? Wild oder besonnen? Lieber mit anderen zusammen oder lieber alleine? An der Natur orientiert und an Tieren? Sportlich und in Bewegung? Mochtest du malen, zeichnen, basteln, lesen, schreiben, Fernsehen, Radio hören, im Garten arbeiten, mit Lego bauen, Gesellschaftsspiele, im Verein sein, Musik machen, Technik, Puppen, Barbies, Autos, Theater spielen, etwas vorführen oder verkleiden? Was wolltest du werden und haben, wenn du groß bist? Wolltest du reich werden und berühmt, auf dem Land oder in der Stadt leben, durch die Welt reisen und Abenteuer erleben oder ein ruhiges, beschauliches Leben führen? Mit Familie oder ohne leben, etwas für andere tun oder einfach nur frei sein?

Im nächsten Schritt formulierst du die Schwerpunkte aus deiner Kindheit. Wie sehr lebst du diese Schwerpunkte heute? Wenn du als Kind besonders gerne gemalt oder gezeichnet hast, wäre eine mögliche Überschrift Kreativität. Wie drückst du heute deine Kreativität aus? Malst oder zeichnest du noch? Kannst du in deinem Job ausreichend kreativ sein? Oder wenn du ein abenteuerlustiges Kind warst, hast du heute genug Abenteuer in deinem Leben? Je mehr du von den Dingen, die dir in die Wiege gelegt wurden, auch als Erwachsener noch lebst, desto näher bist du deiner Berufung.

Die Lebensträume

Eine weitere unserer Lebensaufgaben ist, unser gesamtes Potenzial zum Ausdruck zu bringen. Nicht nur im Beruf, sondern auch in allen anderen Bereichen unseres Lebens.

Der Psychologe und Traumforscher C.G. Jung ging davon aus, dass in unserem Inneren, unserem Wesenskern, schon bei der Geburt alles angelegt ist, was wir verwirklichen können und auch sollen, um ein erfülltes und authentisches Leben zu führen und glücklich zu sein. Damit wir das auch tun und uns nicht gemütlich in unserer Komfortzone einkuscheln, sendet unsere Seele immer wieder Botschaften in Form von Sehnsüchten und Träumen. Und praktischerweise können wir das, wonach wir uns aus tiefstem Herzen sehnen, auch realisieren, denn es ist Teil unseres Lebensplans.

Fliegen lernen, auswandern, den Traumjob oder -partner finden, ein Baby bekommen, ein eigenes Haus haben, sich endlich selbstständig machen. Jeder Mensch hat Träume. Als Kind träumen wir vielleicht von einem aufregenden Job, dem Auswandern oder davon, ein berühmter Künstler zu sein, doch je älter wir werden, desto mehr übernimmt der Verstand die Kontrolle. Wir ergreifen einen „vernünftigen“ Beruf, passen uns an und tun, was alle tun. Wieso schränken wir uns so sehr ein?

Tag des Erwachens

Was wir wirklich sind, ist unter vielen Schichten von Konventionen, Gewohnheiten und hinderlichen Glaubenssätzen verborgen. Doch jeder Mensch kommt etwa in der Lebensmitte an einen Punkt, an dem er sein Leben (noch einmal) in Frage stellt. C.G. Jung nannte diesen Moment den „Zeitpunkt des Erwachens“. Ab da geht es um „Individuation“, die Befreiung unseres wahren Wesenskerns. Jetzt sollen wir lernen, uns nicht mehr danach zu richten, was „man sollte“ oder was „im Allgemeinen“ richtig wäre, sondern unsere eigene innere Wahrheit finden und sie an die erste Stelle setzen. Jetzt geht es darum, den Mut zu haben, die ganzen erlernten Schichten wieder abzutragen und unser wahres Selbst zu befreien.

Keine Kompromisse

Wenn du heute sterben würdest, könntest du zufrieden auf dein Leben zurückblicken? Hast du den Mut gehabt, wirklich zu leben? Niemand ist dazu geboren, sein Leben nach einem äußeren Maßstab, der Gesellschaft oder anderen Menschen auszurichten. Das Leben ist nicht dafür gedacht, ständig Kompromisse zu schließen und immer nur mit halbem Tempo zu fahren. „Aber man muss doch Kompromisse schließen, es kann doch nicht jeder nur an sich denken, das ist doch egoistisch“, höre ich dich jetzt förmlich denken. Ist das so? Ist das nicht nur ein weiteres Konstrukt, das wir als Kind bereits gelernt haben? Könnte es nicht viel mehr so sein, dass, wenn jeder seine Berufung und seine Träume leben würde und mit sich und der Welt zufrieden wäre, wir alle viel besser miteinander auskommen und uns gegenseitig unterstützen würden?

Träume leben

Erinnere dich an die Träume deiner Kindheit, die über deine berufliche Zukunft hinausgegangen sind. Das sind wertvolle, unverfälschte Impulse aus deinem Wesenskern. In welchem Land wolltest du leben? In der Natur oder in einer großen Stadt? Wonach hast du dich gesehnt? Wolltest du Kinder? In achtzig Tagen um die Welt? Oder eines Tages ein Buch schreiben? 

Und wovon träumst du heute? Wünschst du dir einen anderen Job? Eine längere Auszeit? Würdest du dich gerne selbstständig machen? Endlich ein eigenes Zimmer haben? Als digitaler Nomade um die Welt reisen? Auf dem Land leben oder in New York? Welche Sehnsüchte zeigen sich in dir auch jetzt als Erwachsener immer wieder?

Finde die Gemeinsamkeiten in den Träumen, Wünschen und Sehnsüchten von damals und heute. Das sind die Dinge, die noch in dir schlummern, die noch verwirklicht werden wollen. Die dich und dein Leben noch vollständiger machen. Wobei du deine Träume nicht von heute auf morgen und auch nicht in Gänze erfüllen musst. Und auch Scheitern ist nicht schlimm. Forscher sagen, dass uns nicht am meisten glücklich macht, ein Ziel tatsächlich zu erreichen, sondern es überhaupt anzustreben. Darum denke lieber zu groß als zu klein.

Wieso nur ein Zuhause haben? Wo steht, dass man nicht zwei oder drei Menschen lieben kann? Wieso nicht mit fünfzig noch mal zur Uni gehen? Wieso nicht die Weltreise machen, auch wenn man dafür das Haus verkaufen muss? Und wenn du früher Arzt werden wolltest, um Menschen zu helfen, kannst du das heute vielleicht auch als Heilpraktiker oder Coach tun, ohne viele Jahre dafür zu studieren. Dennoch braucht es dein Engagement, Zeit und manchmal auch Geld, um Träume wahr zu machen. Doch warum eigentlich nicht? Hast du etwas Besseres vor?

Den Weg der Seele gehen

Die dritte – oder wenn man so will übergeordnete – Lebensaufgabe, die wir alle haben, ist, den Weg unserer Seele zu gehen. Dazu gehört, die Berufung zu leben und unsere Träume wahr zu machen, und dazu gehört auch, das zu erfüllen, was unsere Seele sich darüber hinaus für dieses Leben vorgenommen hat. Wir sind hier, um unseren Platz einzunehmen und das Potenzial unserer Seele mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu nutzen und zu leben. Für unsere eigene Entwicklung und damit zum Wohle des Ganzen und der Entwicklung des Universums.

Wir alle sind hier, um zu lernen und zu wachsen. Um unsere Seele weiterzuentwickeln. Um unser Licht leuchten zu lassen. Um alles von uns zu geben, damit die Welt (wieder) ein (noch) schönerer Ort wird. Doch wie kommen wir dort hin? Unter anderem, indem wir wieder lernen, auf unsere innere Stimme, auf unser Herz zu hören.

Wer im Kontakt mit seinem Herzen, dem Sitz der Seele ist, entwickelt innere Gelassenheit. Vorausgesetzt, die Botschaften, die man von der Seele erhält, werden auch befolgt. Denn wer zwar seine innere Stimme wahrnimmt, aber immer nur mit dem Verstand entscheidet, dem wird es trotz aller Nähe nicht besonders gut gehen. Doch wer dem folgt, was seine Seele sich wünscht, der spürt früher oder später in sich unbeirrbare Klarheit und damit verbunden ein tiefes Gefühl von Gelassenheit und Dankbarkeit.

Der Herztest

Ein sicherer Hinweis, ob das, was du dir vornimmst, dem Plan deiner Seele wirklich entspricht, ist der Herztest. Den kannst du ganz einfach installieren. Denk zuerst an einen Menschen oder ein Tier, das dir viel bedeutet, und beobachte dabei, wie sich vermutlich ganz von selbst ein warmes Gefühl in deiner Herzgegend einstellt. Und vielleicht merkst du, dass der Bereich um dein Herz sich irgendwie weitet. So fühlt es sich an, wenn du auf dem richtigen Weg bist. Wird dein Herz hingegen eng, wenn du an deinen nächsten Schritt denkst, dann lass es lieber sein und sieh dir deine Pläne noch einmal in Ruhe an. Wenn du diese Methode regelmäßig nutzt und deinem Herzen folgst, findest du nach und nach immer mehr Klarheit über deinen Weg. Auch und gerade in herausfordernden Zeiten.   

Angelika Gulder, 52, ist Diplom-Psychologin, Bestseller-Autorin und Leiterin der Ganzheitlichen Coaching Akademie. Nach 46 Jahren hat sie ihre alte Heimat hinter sich gelassen und bildet heute auf ihrem Seminarhof Engelsfarm bei Hamburg – einem alten Backsteinbauernhof, von dem sie schon als Kind geträumt hat – Menschen aus, die einen sinnstiftenden Neuanfang als Ganzheitlicher Coach wagen und sich selbst und anderen zu mehr Klarheit verhelfen wollen. www.die-coachmacher.de

Dieser text ist ein Auszug aus maaS No. 16 KLARHEIT.

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