Barack Obama: Mut zum Führen

Mut
Anita Maas
8 Apr 2019
Barack Obama beim World Leadership Summit in Köln am 4.4.2019

Saskia Mertens

Es gab Standing Ovations als der ehm. Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama die mit 14.000 BesucherInnen gefüllte Lanxess Arena betritt – ein Gänsehautmoment! Barack Obama hat uns in diesem Interview an seinen Erfahrungen als Leader teilhaben lassen und wie ich finde sehr gute Tipps gegebene für Menschen, die anderen ein Vorbild sind. Ganz begeistert war ich auch von seiner Einschätzung zu Frauen – aber wen wundert es bei dieser starken, furchtlosen Frau an seiner Seite.

Bei längst überfälligen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels setzt er auf die Jugend, und hofft, dass sie sich nicht ihre Zukunft von den alten, grauen Herren zerstören lassen, sondern sich für dieses lebenswichtige Thema engagieren.

Als Präsident der Vereinigten Staaten habe er als erstes lernen müssen, Geduld zu haben. Die Richtung eines so großen, schweren Ozeandampfers ließe sich (leider) nur gradweise verändern. Natürlich hat er am Ende seiner Amtszeit nicht alle Ziele erreicht, aber wenn es auch noch nicht gut ist, dann ist es doch etwas besser gewesen als vorher – und das sei gut.

 

Dieses sehr persönliche Gespräch hat Barack Obama mit Hoffnung und Zuversicht abgeschlossen, aber gleichzeitig auch deutlich den Eindruck hinterlassen, dass es jetzt gilt, dich für deine Sache einzusetzen und eine Führungsrolle zu übernehmen, denn sonst überlassen wir das Feld anderen.

Zu den einzelnen Themen: 

Tipps für Leader: Tun oder sein?

Es gibt eine grundsätzliche Frage, die du dir als Leader stellen solltest: Möchte ich etwas sein oder möchte ich etwas tun? Geht es um die Befriedigung meines Egos oder um die Sache? Natürlich braucht man ein gesundes Ego, um sich an die Spitze zu stellen, aber die Eitelkeiten sind bald gestillt, und dann trägt dich die Begeisterung für die Sache weiter.

Leader sollten zuhören können. Das sei viel wichtiger als große Reden zu halten. Es geht darum, die Geschichten der Menschen zu hören und sie wirklich zu verstehen. Dann stellen sie sich automatisch hinter dich.

Das richtige Team

Es ist wichtig, dass du ein Team zusammenstellst mit Menschen, die dieselben Werte und deine Vision teilen, und mit ihnen eine Unternehmenskultur aufbaust. Dazu kann z. B. die gegenseitige Wertschätzung gehören und dass man persönliches hinter der Sache zurückstellt.

Um schwierige Entscheidungen treffen zu können, sei es wichtig ein Team mit möglichst vielen verschiedenen Erfahrungen zu haben und so alle Fakten und Optionen zusammenzutragen. Er habe oft am Ende einer Sitzung direkt diejenigen angesprochen, die sich bisher nicht zu Wort gemeldet hatten, sehr gerne auch junge Leute, die dabeisaßen und z. B. das Protokoll geschrieben haben. Oft hatten sie erstaunliche Einblicke und Lösungsansätze.

Besonders hervorgehoben hat Obama die Frauen. Es sei ganz wichtig die weiblichen Qualitäten zur Verfügung zu haben. Es sei inzwischen erwiesen, dass Unternehmen, in denen Frauen mitbestimmen, wesentlich erfolgreicher sind als reine Herrenrunden. Allerdings sei es oft so, dass die Frauen zu wenig Gehör finden und Männer oft dasselbe wiederholen und als ihres darstellen. Er hat deutlich den Frauen geraten etwas lauter zu sprechen und den Männern empfohlen, auch mal still zu sein und sich nicht immer vorzudrängeln.

Frauen stärken

Es beginnt schon im Elternhaus, dass Mädchen zu starken Frauen erzogen werden und ihnen die gleichen Möglichkeiten zugetraut werden wir Jungen. Seine beiden inzwischen erwachsenen Töchter empfinden keinerlei Benachteiligung, weil sie selbstverständlich von einer Gleichberechtigung ausgehen. Aber damit Frauen sich überhaupt einbringen können, müssen adäquate Kinderbetreuungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Klimawandel

Es sei unübersehbar, dass der Klimawandel bereits jetzt stattfindet: Jedes Jahr wird wärmer, die Stürme werden stärker, die Waldbrände häufiger, die Hitzewellen größer. Die Ziele im Pariser Abkommens eine auf jeden Fall nicht ausreichend, das sei klar, aber es ist ein Anfang. Und mit der technologischen Entwicklung und dem wachsenden Bewusstsein könnten sie ja weiter verschärft werden. Natürlich ist es sehr bedauernswert, dass die USA aus dem Pariser Abkommen ausgetreten seien, aber Hoffnung macht, dass große Länder wie Californien und einzelne Städte sich freiwillig dazu bekennen. Er setzt vor allem auf die Jugend, denn es ist ja absurd, dass Menschen mit grauen Haaren darüber bestimmen, wie ihre Umwelt aussehen wird, wenn sie älter sind. Je früher die Jugend sich ihrer politischen Macht bewusst wird, desto schneller werden die Politiker darauf reagieren. Weil sie wissen, dass sie aus dem Büro gekickt werden, wenn sie es nicht tun.

Barack Obamas Hoffnung

Es gäbe sehr viel Positives seit dem letzten Weltkrieg zu berichten: die innerdeutsche Mauer ist gefallen, Europa wurde geeinigt, Mandela wurde freigelassen und Demokratie entstand, Armut wurde reduziert, Frauen bekommen überall auf der Welt Chancen. Auf der anderen Seite sind auch viele Menschen verunsichert durch die schnelle Veränderung, Migrationen, Zerstörung, Bedrohung. Sie haben Angst, dass uns und die Menschen, die nicht so sind wie wir, uns etwas wegnehmen wollen oder uns verletzen. Sie sind misstrauisch und verhalten sich wie Kinder, die gegeneinander kämpfen.  

Es gibt ein Ringen um diese beiden Richtungen. Ich hoffe, dass die jungen Leute sich dafür entscheiden, die Unterschiede anzuerkennen und darüber hinauszuwachsen, indem sie rational handeln können auch wenn angstmachende Gefühle entstehen.  

Wenn es besser geworden ist, ist es gut

Was er am meisten lernen musste war Geduld. Wenn man das Glück hat, in einer Demokratie zu leben, machen die Menschen nicht einfach, was du möchtest. Es gibt immer auch Gegenstimmen. Präsident der Vereinigten Staaten zu sein, ist wie einen riesigen Ozeandampfer zu steuern. Die Richtung kann man nur gradweise ändern und kann froh sein, wenn am Ende der Amtszeit das Schiff eine etwas andere Richtung eingenommen hat. Auch wenn er nicht alle Ziele erreicht hat, stellt sich die Frage, ob es besser geworden ist. Und wenn es besser geworden ist, dann ist es gut. 

(Das Interview fand beim World Leadership Summit am 4.4.2019 in Köln statt, organisiert von Gedankentnken.)