Ayurveda bringt Klarheit für Körper und Geist

Klarheit
Kerstin Rosenberg
25 Jun 2020
Ayurveda bringt Klarheit für Körper und Geist von Kerstin Rosenberg in maaS no. 16 KLARHEIT

Rosenberg Kliniken

Ayurveda, die traditionelle Medizin Indiens, ist vielen Menschen als ganzheitliche Heilkunde bekannt, welche eingesetzt wird, um körperliche Beschwerden zu lindern oder zu heilen. Speziell bei Erkrankungen des Bewegungsapparats, des Verdauungstrakts, des Auto-Immun- oder Nervensystems hat Ayurveda sich als komplementäre oder alternative Therapie längst einen festen Platz im modernen Gesundheitswesen erobert. Und auch im Bereich Wellness und Prävention zählt Ayurveda auf der Beliebtheitsskala zu den Spitzenreitern.

Doch was hat dies nun mit dem Thema Klarheit zu tun?

Um einen klaren Blick für die wesentlichen Dinge des Lebens zu bekommen, braucht es eine gute Wahrnehmung und die richtige Perspektive. Beides schenkt uns Ayurveda: Ölmassagen und Kräuter entspannen das Nervensystem und schärfen die Sinne. Kurative Behandlungen und Ausleitungsverfahren wirken nicht nur reinigend und regenerativ auf den Körper, sondern klären auch den Geist. Zudem schenkt uns das Wissen um die eigene Konstitution mit ihren veränderbaren und unveränderbaren Persönlichkeitsaspekten den idealen Navigator durch den Dschungel der Belastungsfaktoren in Beruf, Familie und persönlichen Krisensituationen.

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Innere Klarheit durch Panchakarma

Wer schon selbst einmal eine Ayurveda-Kur gemacht hat und täglich spüren durfte, wie gut es sich anfühlt, unter den kraftvollen Händen einfühlsamer Ayurveda-Therapeuten zu entspannen und die liebevollen Berührungen mit warmem Öl bis ins Innerste der Psyche vordringen zu lassen, der weiß um den ganzheitlichen und psychosomatischen Heilansatz des Ayurveda. Die Königsdisziplin aller Ayurveda-Kuren heißt Pancakarma. Dies bedeutet übersetzt soviel wie „fünf Handlungen“ der Reinigung. Mit Hilfe von Ölbehandlungen, medizinischem Erbrechen, Abführen, Einläufen und Schwitztherapie werden krankheitsverursachende Faktoren über den Magen-Darm-Trakt aus dem Organismus eliminiert. Nach dem Motto „Gesund durch Reinigung“ erfolgt Pancakarma in drei Therapieschritten, welche rationale, psychologische und spirituelle Behandlungsmethoden integrieren:

Zum Einstieg: Ölen und Klären

Der erste Schritt einer jeden Ayurveda-Therapie ist Snehana. Dies bedeutet übersetzt ölen oder nähren. Zu den Snehana-Behandlungen zählen alle ayurvedischen Ölmassagen, die in der ersten Phase einer ayurvedischen Pancakarmakur eingesetzt werden. Sie dienen als Vorbereitung für die reinigenden Ausleitungsverfahren – wie Abführen oder Einläufe – der 2. Therapiephase. Mit inneren und äußeren Ölungen wird der Körper „aufgeweicht“, um krankheitsverursachende Schlackstoffe aus den Geweben zu lösen, zum Verdauungstrakt zu transportieren und diese von dort aus auszuscheiden.

Es ist eine wunderbare Erfahrung, wenn das warme, mit heilsamen Kräutern versetze Öl über die Haut fließt und fachkundige Hände über den Körper streichen, um Verspannungen zu lösen und die Energie zirkulieren zu lassen. Der Atem fließt im Rhythmus der dynamischen Ausstreichungen und der Geist klärt sich. Alle Gedanken, die normalerweise unkontrolliert durch den Kopf schwirren, lösen sich auf und eine tiefe Ruhe und achtsame Selbstwahrnehmung setzt ein. Negative Gefühle wie Ängste, Sorgen, Wut oder Traurigkeit werden gelöst und befreit. Die Reaktionen während der Ölmassagen sind sehr unterschiedlich: Einige schlafen ein, andere beginnen zu weinen, öffnen sich emotional und suchen nach der Behandlung ein klärendes Gespräch.

In diesem Sinne sind Ölmassagen auch Teil der ayurvedischen Psychotherapie Sattvavajaya. Diese verfolgt auch das Prinzip von Snehana in seinem ayurvedischen Ansatz: zuerst stärken, dann reinigen und später aufbauen. Zu Beginn eines jeden innerlich transformierenden Therapieprozesses setzt Ayurveda auf Resilienz stärkende Behandlungsmethoden, die das Nervensystem stabilisieren und unerfüllte Wünsche stillen. Dazu zählen neben ressourcenstärkender Gesprächstherapie auch Ölmassagen und Einläufe, Gewürze, Yoga und Meditation, die speziell auf mentale Stärkung ausgerichtet sind.

Nun geht´s ans Eingemachte: Ausleiten und Loslassen

Der zweite Schritt einer ayurvedischen Reinigungskur ist Shodhana, die Ausleitung. Für die körperliche Behandlung setzt Ayurveda nun auf Reinigung in Form von Pancakarma und Fasten. Für den Kurgast einer Pancakarmakur bedeutet dies, dass er sich nach den angenehmen Ölmassagen in der nun folgenden Ausleitungsphase mit Hilfe von medizinischem Erbrechen, Abführen und Einläufen von blockierenden und krankmachenden Altlasten befreit. Je nach Konstitution und Befindlichkeit werden die Anwendungen individuell abgestimmt. Unterstützend für diesen intensiven Reinigungsprozess werden stoffwechselanregende Fastensuppen verabreicht. Reis und Mungobohnen gibt es nun in vielerlei Variationen und verdauungsfördernde Gewürze wie Kreuzkümmel, Ingwer, Kurkuma und Fenchelsamen helfen beim Entschlacken.

Auch der innere Rückzug ist wichtig! Alle äußern Reize sollten nun zurückgefahren werden. Im Klartext bedeutet dies: viel Ruhe und kein Handy, kein TV, kein Sex und wenig Ablenkung. Für viele wird damit die körperliche Entschlackung auch zu einer intensiven emotionalen Klärung, in der alte, unverdaute Gefühle und negativ prägende Erinnerungen aktiviert und ausgeleitet werden.

Dieser psychosomatische Begleiteffekt während der Ayurveda-Kur ist besonders heilsam, da mit ihm eine tiefe Selbsterkenntnis und Neuausrichtung einhergeht. Einfühlsame Gespräche und Meditation haben nun einen besonders heilsamen Effekt. Nicht umsonst werden konfliktlösende Kommunikationstechniken im Ayurveda auch als „Pancakarma der Seele“ bezeichnet.

Geklärt ins neue Leben: Aufbauen und Kraft tanken

Der 3. Schritt einer Pancakarmakur ist der Erneuerung gewidmet. Mit gereinigtem Körper und geklärtem Geist geht es in einen neu strukturierten Alltag! Regenerative Ernährungs- und Kräutertherapien, Yoga und Meditation helfen nun, die Selbstheilungskräfte von Körper und Geist zu stärken. Gleichzeitig erhält der Organismus alles, was er für seine gesunde Zellerneuerung benötigt.

Nährende Suppen und Eintöpfe aus Wurzelgemüse, Getreide und Hülsenfrüchten, süße Früchte wie Mango, Trauben oder Melone sowie nervenstärkende Nüsse und Öle sind die Grundlage einer basischen Aufbau-Diät, die das körperliche und mentale Immunsystem erneuert.

Für den psychischen Erneuerungsprozess setzt Ayurveda auf ressourcenstärkende Verhaltenstherapie, um die Selbstverantwortung und Handlungskompetenz des Einzelnen zu fördern. Das heißt für den Praxisalltag, dass die vielen ayurvedischen Ernährungs- und Gesundheitstipps nicht nur auf das körperliche Wohl ausgerichtet sind, sondern gleichzeitig auch eine Art „Psychotraining“ für eine neue Art zu denken und mit sich selbst umzugehen darstellen.

Wer bin ich? Die eigene Konstitution entdecken

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die aus einer Pancakarmakur resultiert, ist das Wissen um den eigenen Konstitutionstyp: Jeder Mensch verfügt aus ayurvedischer Sicht über eine einzigartige Konstitution, die Körperbau, Charakter, Krankheitsneigungen und Bedürfnisse bestimmt. Wer über seine Konstitution Bescheid weiß, der kann die tägliche Ernährung und das Verhalten optimal auf die individuellen Bedürfnisse abstimmen und Schädliches auf einfache Weise vermeiden.

Die richtigen Antworten auf die großen Fragen des Lebens finden wir durch mehr Klarheit über die eigene, typgerechte Natur: Wer bin ich? Was tut mir gut? Welcher Beruf oder Partner ist der Richtige für mich? Wie kann ich auf Dauer gesund und glücklich sein?

All dies entschlüsselt sich aus der ayurvedischen Konstitutionslehre mit ihren sieben Typen, die sich aus der Konstellation von drei Wirkprinzipien (Doshas) Vata, Pitta und Kapha zusammensetzen. Um für sich selbst die beste Methode zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens zu finden, ist es sinnvoll, sich mit der eigenen Konstitution zu beschäftigen.

Damit gelingt die Veränderung zu einem neuen, selbsterfüllten Leben.

Typgerechte Tipps für einen gesunden Körper und klaren Geist

  • Vata ist das Bewegungsprinzip im Ayurveda, welches direkt mit dem Nervensystem und der Psyche in Verbindung steht. Menschen mit einem ausgeprägten Vata-Anteil sind äußerst sensibel und neigen zu Nervosität, Immunschwäche und stressbedingten Beschwerden. Warme, regelmäßige Mahlzeiten, Ölmassagen und kreative Tätigkeiten sind das A und O für einen gesunden Körper und klaren Geist.
  • Pitta ist das Umsetzungsprinzip und manifestiert sich im Verdauungs- und Hormonsystem. Wer sich als Pitta-Typ auszeichnet verfügt über Effizienz, Ehrgeiz und Leistungsfähigkeit. Um innere Ruhe und Gelassenheit zu gewinnen, helfen körperliches Workout, kühlende Getränke und eine basische Kost.
  • Kapha ist das Stabilitätsprinzip und ist für den Gewebeaufbau, Ausdauer und Immunität verantwortlich. Menschen, die über ein starkes Kapha verfügen, neigen zu Gewichtszunahme, Lethargie und Trägheit. Scharfe Gewürze und Intervallfasten kurbeln den Stoffwechsel an und schenken Leichtigkeit und Klarheit.

Wer mehr zu den Konstitutionstypen wissen und ein online-Test machen will: https://www.rosenberg-ayurveda.de/wissen/ayurveda-typen-mit-test.html

Kerstin Rosenberg zählt zu den Pionieren des Ayurveda in Europa. Seit über 25 Jahren lehrt und praktiziert die erfolgreiche Autorin, Dozentin und Direktorin der Europäischen Akademie für Ayurveda mit angeschlossenem Kurzentrum die traditionelle Heilkunde Indiens. Mit großer Begeisterung und Fachkompetenz gibt sie ihr Expertenwissen in Ayurveda-Büchern weiter, entwickelt innovative Ayurveda-Produkte und begleitet mit ihrem Team Menschen in Gesundheits- und Lebensfragen innerhalb von Ayurveda-Ausbildungen, Seminaren, Retreats und Kuren. www.rosenberg-ayurveda.de

 

Dieser Text ist ein Auszug aus maaS No. 16 KLARHEIT.

maas No. 16 KLARHEIT

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