Authentisches Sein

Lebenswege
13 Apr 2016

Schon immer war es mein Traum die Welt besser zu verstehen und die Möglichkeit zu haben in Menschen Hoffnungsfunken zu entzünden – vermutlich, weil ich bereits als Kind mit zu viel Dunkelheit und Resignation zu kämpfen hatte.
(Die Verbindung zwischen Spiritualität, Kunst und Wissenschaft, die jeweils für einen Teilbereich meiner selbst stehen, ermöglichte mir schließlich den Weg dorthin. So entstanden im Laufe vieler Jahre verschiedene Werke: Geschichten, Bilder, Figuren.)
Das ich anders als andere war, hatte ich im Laufe meines Lebens oft feststellen müssen. Auch heute noch schwanke ich von Zeit zu Zeit und spüre das Drängen in mir, so zu sein wie die meisten in der Gesellschaft: Nicht zu viel Fühlen zu müssen... an der Oberfläche seicht dahin zu plätschern. Doch diese Schwankungen sind normal.
Wenn meine Emotionen stets gleich blieben, würde es Stillstand bedeuten. Es geht auf und ab. Die Zweifel sind im Grunde ein Weckruf, damit ich nicht zu sehr in einem Bereich verharre. Sie geben mir die Möglichkeit eine weitere Stufe nach oben zu klettern. Mir selbst zuzurufen: „Halt – halte inne. Du hast deinen Pfad verloren.“
Wenn man ein Kind ist, ist das alles jedoch anders. Da gibt es noch kein starkes Ich, dass weiß allein klar zu kommen. Da ist nur die innere Stimme, die davon spricht, dass ein Kind  in sein Umfeld wie eine Puzzlestück eingepasst sein sollte – was natürlich wahr ist. Liebe und Geborgenheit braucht dieser junge Körper dringend um wachsen und gedeihen zu können. Eltern und Freude, die das besondere des Kindes erkennen und in richtiger Weise auf es eingehen, sind daher ein wahrer Segen.
Leider war niemand bei mir da gewesen, der mir hatte helfen können, mein Potential, mein wahres Ich zu entdecken. Das einzige was unternommen worden war, war der Versuch mich in eine Form zu pressen. Als Kind und junger Erwachsener hatte ich mich versucht einzufügen. Denn schließlich wollte ich mich geliebt und angenommen fühlen. Aber dennoch war es so, als würde ich nicht vollständig sein, als ob da etwas fehlte.
Mein Glück war allerdings, dass ich mit einer großen Fantasie gesegnet worden war. Also erschuf ich in mir meine eigene Welt. Es war eine Art von Abgrenzung, die mich lange Zeit  beschützt hat. Und sich abzugrenzen ist enorm wichtig. Nur so, kann die Seele vor den vielen Einflüsterungen aus der Umwelt geschützt werden und ihre eigene leise Stimme hören. Aber es gilt darauf zu achten, dass aus der Abgrenzung keine Mauer entsteht, die im Laufe der Zeit immer dicker wird. Denn die trennt das Ich nicht nur vor den anderen Menschen, sie schirmt auch die eigenen Gefühle ab. Und es gibt kaum etwas verheerenderes für den Körper, als dass man sich selbst nicht mehr spürt. Es beginnt leise und unmerklich. Lustlosigkeit und Traurigkeit zeichnen eine Station. Sie graben sich in die Zellen und machen schließlich den Körper krank.
Ich hab einige Jahre gebraucht, um zu erkennen, wie wichtig es ist. Gefühle bewusst wahrzunehmen und ihnen auch Raum zu geben. Jeder Gedanke, jedes Gefühl in mir hat ein Recht darauf erkannt zu werden. Und falls nicht, dann beginnt es sich aufzutürmen und zu rebellieren. Je nachdem wie ich gerade zu mir selbst stehe, richtet es sich dann gegen mich oder eine Person, die gerade in der Nähe ist.
Anfangs hatte ich nur auf meinen Verstand gebaut, von daher hab ich Informatik studiert und bin von meinem ersten Beruf her Diplom Ingenieurin. Um zu mir selbst zu finden, meine Ängste vor Menschen und meinen Gefühlen zu verlieren, hab ich dann weitere Kurse belegt in den Bereichen Theater, Musik, Rhetorik und Tanz – so wurde ich Theaterpädagogin. Um die Natur zu verstehen, begann ich dann wie ein Boniker meine Welt zu beobachten und heraus zu finden, was für verschiedene Talente die Lebewesen so ihr eigenen nennen und erkannte dabei: wie wichtig jeder einzelne von uns ist.
Meine Neugier hat mir auch stets gute Dienste erwiesen. Sie rief mich in die Natur hinaus, ließ mich staunen und Fragen stellen. Und die Gabe selbst die kleinsten Kleinigkeiten wahrzunehmen, Dinge zu erspüren, die andere übersahen, schenkten mir vielfältige Möglichkeiten und Ideen.
Meine Erfahrungen, mein Fühlen und Erkennen habe ich dann in meine Werke einfließen lassen. Und so ist alles, was ich erschaffe, genau so vielschichtig und breit gefächert wie mein eigenes Erleben, mein eigenes Sein und Denken. Das Glied, das alles verbindet, beruht auf meinen Emotionen, eingepackt in eine Kunstform, die sowohl Spiritualität als auch Wissenschaft miteinander verbindet in Ton, Bewegung, Wort und Bild. So entstanden meine Traumfäden, die ihren Ursprung in der Welt der Mythen aus uralter Zeit haben; sowie meine Kindergeschichten von Elfen und Sternenwesen; und natürlich das Projekt Wiesenhelden. Bei dem Projekt sind die wichtigsten Akteure die realen kleinen Helfer von Mutter Natur, die oftmals vom Menschen entweder verteufelt oder übersehen werden.

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