Auf dem Jakobsweg

Liebe
Christina Bolte
2 Mär 2018
maaS Lesereise - Auf dem Jakobsweg unterwegs zu dir selbst

pixabay

Start in ein neues Leben

Als ich für zwei Wochen mit dem Fahrrad unterwegs von Pamplona nach Santiago de Compostela unterwegs war, passierte unterwegs so einiges Unerwartetes für mich. Rückblickend war es der Startpunkt für die „Reise“ in ein neues Leben.

Während der ersten Hälfte der Reise war ich sehr mit „Äußerlichkeiten“ beschäftigt gewesen (wie dem Wetter oder dem „Abarbeiten“ meines – in damaliger Controller-Manier – minutiös ausgearbeiteten Etappen-Plans), so dass dadurch für Gefühle oder Reflexion kaum Zeit übrig blieb. Bis mir zwei andere deutsche Radfahrer, mit denen ich ein paar Tage lang immer wieder ein Stückchen gemeinsam fuhr, zu einer wichtigen Selbsterkenntnis verhalfen, wenn auch vermutlich eher unbewusst: An einem Tag passierten wir kurz vor unserem Etappenziel Castrojeriz eine neben der Straße stehende Klosterruine. Erst ein paar Tage später, als wir schon längst etliche Orte weiter waren, überfiel mich der Gedanke, dass ich hier eigentlich gerne eine kurze Pause gemacht hätte, zur Einkehr und vielleicht auch zum Fotografieren. Da war es nur leider zu spät. Als es an der Zeit gewesen wäre, hatte ich den Mund nicht aufbekommen – weil ich keine Umstände verursachen wollte. Ich erkannte, dass dies für mich ziemlich typisch war: Schon seit ich denken konnte, hatte ich – immer wenn es wirklich darauf ankam – Schwierigkeiten gehabt, meine Bedürfnisse, Wünsche und Anliegen wahrzunehmen und zu formulieren. Geschweige denn, dass ich ihnen folgte…

Nach etwa der Hälfte meiner Reise fand ich, eigentlich mehr zufällig, eine Gruppe an weiteren deutschen Fahrrad-Pilgern, die eine losen Art der Verbundenheit teilte: Während jeder seinem Weg in seinem eigenen Tempo folgte, traf man sich unterwegs in einem Café am Weg oder abends in der Herberge. So konnte man Erlebnisse und Gedanken teilen und sah sich später wieder oder auch nicht, alles ohne großes Drama.

Neu war für mich, dass sich auf dem Jakobsweg nur selten jemand dafür interessierte, welcher Tätigkeit man in seinem Alltag nachging. Nur manchmal (oder erst nach einer Weile gemeinsamen Weges) wollte jemand wissen, aus welchen Motiven man den Jakobsweg beging.

Galicien, landschaftlich und kulturell ein wenig anders als der Rest Spaniens, habe ich übrigens in sehr schöner Erinnerung: Typisch für die Gegend sind die teilweise auch gut erhaltenen Hórreos (Getreidespeicher), die wie überdimensionierte Taubenschläge auf den Wiesen stehen. Die Wege verlaufen meist durch die Natur, durch Ginsterfelder oder Eukalyptuswälder. Ungewöhnlich und lecker fand ich damals auch eine galizische Spezialität, die wir in Melide in einem typischen Lokal aßen: Pulpo a feira (Krake auf galizische Art, gekocht und mit Salz und Paprikapulver gewürzt, auf Holzbrettchen serviert).

Als die „härteste Etappe“ habe ich persönlich die Tage nach meiner Rückkehr in meinen Alltag empfunden, vermutlich weil der Gegensatz zwischen dem puren SEIN auf dem Jakobsweg und meinem effizienten, strukturierten normalen Tagesablauf so groß war. Eine ganze Weile hatte ich den Eindruck, „im falschen Film“ zu sein und brauchte ziemlich lange, um mir klarzuwerden, ob ich dort hineingehörte oder nicht.

Auf dem Jakobsweg und vor allem mit achtsamer Begleitung und Anleitung ist viel Gelegenheit, sich selbst und seine Gefühle (wieder?) zu spüren sowie die Wunder der Natur zu bestaunen. Neben den vielen anderen netten Menschen, die du auf dem Jakobsweg sicher treffen wirst, ist die wichtigste Begegnung die mit dir selbst!

 

maaS Lesereise:

Inspirierende Wanderung auf dem Jakobsweg
mit Dr. Michael Handel und Anita Maas 

vom 25.-31.5.2018 in Galizien 

Mehr Informationen und Anmeldung 

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ISBN-13: 978-3-7392-4374-0

Autorin: Christina Bolte
2. erweiterte Auflage 2016
Broschiert, 176 Seiten
Sprache: Deutsch
Preis: Buch 14,90 EUR – E-Book: 7,99 Euro
www.weg-zurueck-ins-leben.de
Im Buchhandel verfügbar oder direkt von der Autorin oder ab Verlag.