Apothekerin und Verlegerin

Lebenswege
Anita Maas
18 Apr 2016
Anita Maas, Herausgeberin des Magazins maaS

Anita Maas - Foto Bärbel Röder

Viele fragen mich, wie denn mein Berufungsweg verlaufen ist.  Hier lasse ich euch gerne wissen wie es mir erging auf dem Weg von der Apothekerin zur Herausgeberin des Magazins "maaS".

Ich habe Pharmazie studiert und danach Weiterbildungen für die pharmazeutische Industrie auf dem Gebiet der Good Manufacturing Practice (GMP, Qualitätssicherung in der Arzneimittelherstellung) organisiert und selbst viele Vorträge und Inhouse-Schulungen gehalten. Bei einem der Seminare traf ich Thomas Peither und wir spannen die Idee, das Wissen auch in einem Printmedium zur Verfügung zu stellen.  Kurzer Hand gründeten wir einen Fachverlag zu diesem Zweck. Die Loseblattsammlung „Der GMP-Berater“ ist sehr erfolgreich geworden und wurde bald auch ins Englische übersetzt. Nach 15 Jahren habe ich den inzwischen in der Branche sehr gut vernetzten Verlag verlassen. Dort hatte ich neben den klassischen Themen der Geschäftsleitung, Strategieplanung und Produktentwicklung, hauptsächlich die Redaktion geleitet. Es hat mir viel Freude gemacht, immer wieder neue Autoren zu neuen Themen anzusprechen und die Beziehungen zu den bekannten AutorInnen zu pflegen. Einzig das Thema hat mich nach all den Jahren nicht mehr gereizt. Ich hatte parallel an vielen Ausbildungen im spirituellen Bereich teilgenommen und fand in diesen Themen Antworten auf die wesentlichen Fragen des Lebens, die mich schon seit meiner Jugend interessierten.
Erst muss man etwas Altes loslassen, damit etwas Neues anfangen kann und so ergab es sich, dass ich aus dem GMP-Verlag ausstieg und nach einem sinnvollen Betätigungsfeld suchte, das mich bis an mein Lebensende faszinieren würde. Da ich mich „schon immer“ für Heilpflanzen und ihre pharmazeutische und feinstoffliche Wirkung interessierte, begann ich Material für ein Buch zum Wesen der Heilpflanzen zu sammeln. In dieser Zeit übernahm ich auch Vorlesungen an der Uni in Pharmazeutischer Biologie und Ernährungslehre, engagierte mich für den von mir mit gegründeten Saarländischen Heilpflanzentag und entwickelte eine Tinktur zur Stärkung der Frauenkraft. Dabei merkte ich, dass es mich sehr bewegte, dass Weiblichkeit in allen Bereichen des Lebens, der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik unterrepräsentiert ist und dass das zu einen großen Teil der Grund für die weltweiten Katastrophe ist. Ich schrieb inzwischen sehr viel über Frauen und sammelte jede Menge Material für ein Buch, das einfach keinem roten Faden folgte. Ich war so begeistert von der Idee, die Weiblichkeit zu stärken , dass ich ganz viele Frauen damit ansteckte. Wir gründeten den Verein „Frauenmantel – Frau im Zentrum e. V., der sich ganz dem Thema Weiblichkeit mit Königinnentreffen, Wohlfühltagen, Seminaren, Spaziergängen, usw. widmete (www.frauenmantel-ev.de) . Ich fuhr auf den Frauenkongress Süd im Schloss Glarisegg und traf dort  eine junge Frau, die gerade das einjährige Bestehen ihres Magazins „Sinnreich“ feierte. Nach einem Aufenthalt bei den Schamanen in Peru kam sie zurück und verfolgte zielstrebig und ganz allein ihren Weg. Ich spürte sofort eine Resonanz und bot ihr meine Mitarbeit an. Das kam leider nicht zustande, aber ich war so inspiriert, dass ich nun nach fast einem Jahr die Lösung meiner vielseitigen Interessen sah: Ich war bereit selbst einen neuen Verlag zu gründen und ein Magazin herauszugeben, in dem ich alle spannenden Fragen beantworten wollte für Menschen, die ebenso auf der Suche sind, bewusst oder noch unbewusst. Am liebsten wollte ich eine Basis für eine Community zur Verfügung stellen, Organ einer Bewegung sein, zu Papier bringen, was die Menschen wirklich bewegt.
In meiner Auszeit war mir deutlich bewusst geworden, wie wichtig die Frage nach dem Sinn des Lebens sein kann. Wenn man sich genug ausgeruht hat, macht man sich unweigerlich auf die Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung, fragt sich, „Was macht mir Freude, was sind meine Talente, worin bin ich richtig gut und für andere ein Geschenk?“ Und zu meiner großen Überraschung stellte ich fest, dass diese Fragen gar nicht so einfach zu beantworten sind, für mich nicht und für viele, viele tausend andere auch nicht. Die meisten machen sich nur keine Gedanken darüber, solange sie fest in ihren alten Strukturen sitzen. Die Existenzangst, die Zweifel und die Macht der Gewohnheit sind so stark, dass sie ihren Arbeitsplatz nicht verlassen, bis sie krank werden.

Ich fing an Menschen zu interviewen, die einen interessanten Lebensweg hinter sich hatten. Sie waren fast alle durch Krisen gegangen, von Zweifeln geplagt und vom Schicksal herausgefordert worden. Aber sie waren guter Dinge und bereuten nichts. Keiner sagte, er/sie sei am Ziel, alle waren auf dem Weg und definierten Erfolg nicht nur in Euro. Ehrlich gesagt haben mir diese Menschen, jeder Einzelne von ihnen, auf meinem Weg auch sehr geholfen. Es war mir ganz wichtig, dass jeder Artikel sich auf die positiven Seiten bezieht, dass man nicht wie sonst üblich von den Negativnachrichten herunter gezogen wird. Mir selber habe ich versprochen in jeder Ausgabe einen Artikel über eine zu dem Thema passende Heilpflanze zu schreiben. Die Mutmachpflanze Engelwurz ist die erszte Pflanznebeschreibung und die selbstgemachten Angelika-Tropfen haben mich natürlich begleitet auf meinem Weg.

Es kamen immer mehr Themen dazu, die mit Beruf und Berufung zu tun hatten und tatsächlich jeder Autor, den ich fragte, sagte zu. Ich muss sehr überzeugend gewirkt haben. So kam es, dass das Thema Berufung von verschiedenen AutorInnen ausgeleuchtet wurde. Ich war selbst begeistert von den Inhalten. Ich fragte eine Grafikerin, mit der ich in meinem früheren Leben als Verlegerin bereits zusammen gearbeitet habe. Sie sagte spontan zu, freute sich auf die kreative Arbeit und ließ sich darauf ein, denn: „Was Anita anfängt, das wird auch was.“ Es gab Zeiten, da haben die Menschen um mich herum mehr an mich geglaubt als ich selbst. Aber meistens brannte das Feuer meiner Begeisterung Tag und Nacht.  „Du bist aber mutig!“, habe ich oft gehört. Dann wurde es mir erst bewusst, dass ich mit meiner Berufungsgeschichte auch anderen Mut machen kann. Plötzlich war der Spruch da: „maas macht Mut!“. 

Als ich mich entscheiden musste, wieviel Stück ich drucken lassen sollte, rutschte mir das Herz nochmal kurz in die Hose. Aber dann nahm ich den finalen Ausdruck in die Hand und fand es viel zu schade, diese wunderbare Arbeit nur einem kleinen Kreis zur Verfügung zu stellen.  Ich entschied mich mit weichen Knien für eine Erstauflage von 10.000 Stück.

Wir hatten inzwischen über ein bisschen Facebook mehrere Hundert Vorbestellungen. Als ich die erste Teilmenge der Magazine mit meinem Kombi aus der Druckerei abholte, war ich ziemlich geschafft und konnte mich vor lauter Aufregung kaum freuen. Das ganze Haus roch nach dem druckfrischen Papier. Ich tütete mit einer Freundin zusammen stundenlang Magazine ein und brachte sie persönlich zur Poststelle in unserem kleinen Ort. Dann fuhr ich zum Bahnhof und tatsächlich – da stand das Magazin maaS neben all den anderen renommierten Zeitschriften! Wie oft war ich in den vergangenen Monaten in Bahnhofsbuchhandlungen gewesen und hatte mich über das Umfeld informiert! Und nichts Vergleichbares gefunden. Die meisten Magazine waren mir zu oberflächlich. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie die Themen wirklich ernst nehmen, sondern nur dem main stream nach dem Mund schreiben. Dann gab es andere, die wiederum die Sache für meinen Geschmack zu ernst nahmen. Ohne philosophische Grundausbildung konnte man die Texte manchmal nicht verstehen. Da gab es Frauenzeitschriften, die mit schönen Farben und Mustern, Fotos und Illustrationen aufwarteten, mir aber nicht einmal eine halbe Stunde Lesespaß bereiteten. Und andere, die so nüchtern und freudlos daher kamen, dass die Artikel zwar ansprechend waren, aber ich sie einfach nicht schön fand und es für mich nach Arbeit aussah. Und jetzt stand „mein“ Magazin daneben: Schön anzusehen, jeder Artikel ein Schmuckstück, spannende Themen, bewegende Inhalte, berührende Texte, wertvoll von der ersten bis zur letzten Seite. Am Tag darauf feierten wir mit allen Machern des Magazins, einigen AutorInnen, der Grafikerin, der Korrektorin, den ersten Abonnenten und dem Chef der Umweltdruckerei Lokay eine sehr schöne Launch-Party. Das Feedback war überwältigend. Inzwischen waren auch die ersten Mails von bekannten und unbekannten Leserinnen eingetroffen und alle lobten das Magazin über den grünen Klee: So etwas gibt es tatsächlich noch nicht. Es ist einzigartig in seiner Tiefe der Artikel, wunderschön gestaltet, sehr einladend und immer wieder lese ich: Jeder Artikel hat mich tief berührt. Das ist für mich das schönste Kompliment und motiviert mich die nächste Ausgabe genauso wertvoll zu machen wie mein Erstlingswerk. Ich bin sehr guter Dinge, denn hier geht es jetzt um das Thema, das mich eigentlich zu dem Magazin geführt hat: Frauen und Männer und die gegenseitige Wertschätzung ihrer Andersartigkeit.