Angst oder Vertrauen?

Frieden
John Strelecky
9 Nov 2018
Angst oder Vertrauen - eine Entscheidung für den Frieden von John Strelecky

Pixabay

Angst oder Vertrauen?

Eine Entscheidung für den Frieden

von John Strelecky aus maaS No. 11 FRIEDEN

Hast du schon ein Neugeborenes schlafen gesehen? Sie sind so winzig, so hilflos, und wenn sie ihre Augen schließen, sind sie der Inbegriff des Friedens. Ruhig und zufrieden scheinen sie von dieser Welt zu verschwinden und in eine andere einzutreten. Voller Vertrauen, dass alles in Ordnung ist, bis sie wieder zurückkommen.

Ist das nicht total widersprüchlich? Wir Menschen sind doch gerade als Neugeborene sehr verletzlich. Wir können uns kaum bewegen. Wir können uns nicht verteidigen. Wir können uns noch nicht einmal mit den Erwachsenen verständigen. Man könnte meinen, dass wir gerade als Neugeborene am wenigsten in Frieden sein müssten. Warum ist dem aber nun ganz und gar nicht so? Was weiß das kleine Baby? Es ist doch gerade erst hier angekommen, um seine menschlichen Erfahrungen zu beginnen. Besteht da etwa noch eine Verbindung woanders hin, die ihm ermöglicht, so selig in Frieden zu sein? Kennt es überhaupt Angst? Liegt es daran, dass es sich so sehr geliebt fühlt?

Als Erwachsene haben wir so viele Vorteile gegenüber einem Baby. Wir können weglaufen, wenn wir bedroht werden. Wir können kämpfen. Wir können um Hilfe rufen und werden diese wahrscheinlich dann auch bekommen. Sollten nicht wir Erwachsene tiefen Frieden empfinden aufgrund dieser Tatsachen? Das könnte man meinen. Doch es ist selten der Fall.

 

Wie finden wir Frieden?

Wie können wir unsere Augen einfach schließen, einschlafen und uns komplett friedlich fühlen? Und ist es möglich, dieses Gefühl des Friedens zu erhalten, wenn wir wach sind?

Frieden ist ruhig. Es ist ein tiefes Wissen, das weit über Hoffen oder Glauben hinausgeht. Es ist die Gewissheit, dass alles in Ordnung ist und auch weiterhin sein wird. Es ist Vertrauen. Das Gegenteil davon ist Angst. Die Ungewissheit. Ob wir in Frieden sind, hängt im Wesentlichen von der Entscheidung ab, ob wir in Vertrauen oder in Angst leben, denn es ist unmöglich, beides gleichzeitig zu leben .

maaS Magazin No. 11 FRIEDEN

Ich glaube allerdings, dass noch etwas anderes dabei eine Rolle spielt und zwar, woher wir kommen, bevor wir geboren wurden, und wohin wir nach dieser menschlichen Erfahrung gehen werden. Es gibt zwei mögliche Sichtweisen. Die eine ist, dass unsere Eltern Sex hatten und wir neun Monate später geboren wurden. Wir leben unser Leben und wenn wir den letzten Atemzug getan haben, dann war’s das. Es gibt kein Leben danach, wir kommen nicht zurück, wir sind einfach tot. Diese Minuten der menschlichen Erfahrung sind alles, was wir bekommen, und wenn sie vorbei sind, sind sie vorbei.

Die andere ist zu glauben, dass wir mehr als unsere physische Form sind. Dass wir ein Bewusstsein haben, welches unsere physische Form übersteigt. Das Bewusstsein fragt, „Wer bin ich?“, und versteht, dass diese Frage von woanders kommt als von unserem Gehirn oder einem Bereich unseres physischen Körpers.

Wenn die zutreffendere Antwort auf diese zwei Möglichkeiten erstere ist, dann sollten wir wohl jeden Moment unseres Lebens ausleben. Das ist es jetzt. Es gibt keine zweite Chance. Wenn es zu Ende ist, ist es zu Ende. Also warum eigentlich nicht angstfrei, mutig, abenteuerlich und kühn sein? Versuchen, das zu tun, was wir ausprobieren wollen. Ganz authentisch wir selbst sein. Das Leben leben, wie wir es möchten. Und in Frieden sein, während wir dies tun.

Aber was, wenn die zutreffendere Antwort die ist, dass wir vor der Geburt bereits existieren als ein Wesen, eine Seele, eine Art Energie? Wir kommen zeitweise in diesen menschlichen Körper, um Erfahrungen als Mensch zu machen. Und wenn unsere menschliche Form stirbt, dann werden wir wieder das, was wir zuvor waren. Wenn das der Fall ist, dann könnten wir eigentlich unsere Ängste loslassen. Denn dies ist nur ein vorübergehender Zustand, in dem wir uns befinden. Vielleicht sollten wir die Möglichkeiten genießen. Wir sollten ebenso angstfrei, mutig, abenteuerlich und kühn sein. Versuchen, das zu tun, was wir ausprobieren wollen. Ganz authentisch wir selbst sein. Das Leben leben, wie wir es möchten. Und dabei in Frieden sein. Wissend, dass wir, was auch immer hier geschieht, wieder in den anderen Zustand zurückgehen, wenn das Leben hier vorbei ist.

Zu realisieren, dass diese zwei sehr unterschiedlichen Auffassungen, wie das Leben funktioniert, auf dasselbe hinauslaufen, ist eine lebensverändernde Erkenntnis. Und zwar hoffentlich so, dass du immer, wenn du den Zustand des Friedens verlierst, dich daran erinnerst und eine Weile darüber nachdenkst. Nicht nur einmal, sondern jedesmal, wenn du Angst fühlst und eigentlich im Frieden sein möchtest.

Eine Übung 

Folgende Übung kann Frieden eine Chance zu geben. Versuche es einfach. Beginne mit einer Minute. Vielleicht ist es das Erste, was du am Morgen machst, oder der Moment am Abend kurz vor dem Einschlafen. Erlaube dir zu denken:

“Alles ist in Ordnung. Und alles wird weiterhin in Ordnung sein.”

Du kannst es auch laut aussprechen, wenn du möchtest. Versuche das eine Woche. Nur eine Minute am Tag! Achte darauf, wie du dich dabei fühlst. Wenn du möchtest, kannst du beim ersten Satz sanft einatmen und beim letzten langsam ausatmen. Das fühlt sich sehr friedvoll an. Es hört sich vielleicht verrückt an, aber sei nicht überrascht, wenn deine Mundwinkel dabei nach oben gehen, wenn du diese beiden Sätze aussprichst. Es kann auch sein, dass dich eine Welle der inneren Zentrierung ergreift. Du wirst auch dein Herz dabei spüren. Ein Gewahrsein in diesem Teil des Körpers.

Die Tatsache, dass all dies beim Aussprechen dieser zwei Sätze geschieht, ist sehr faszinierend. Es scheint beinahe so, als ob der Körper und vielleicht auch das Bewusstsein sagen: “Hey, jetzt hast du es! Du hast recht. Das ist wahr. Wie schön, dass du dich erinnerst”. Wenn du dies eine Woche gemacht hast, liegt es an dir, wie du weiter machst. Du kannst es  sagen, wenn du Angst hast. Du kannst es mit zweimal in der Woche versuchen. Wenn du es gern morgens und abends sagst, fühl dich frei, es zu beiden Zeiten zu sagen. Wenn das nach einigen Wochen gut läuft, versuche es doch jedesmal zweimal zu sagen anstelle von einmal. Unser Geist und unser Körper gewöhnen sich sehr an unterschiedliche Zustände. Frieden zu spüren, wenn auch nur für eine Minute pro Tag, kann unseren Geist und Körper daran erinnern, wie gut sich das anfühlt. Das inspiriert uns, mehr davon wahrnehmen zu wollen.

Womit umgibst du dich?

Das kann dazu führen, dass wir uns näher ansehen, auf welche Weise unser Umfeld auf uns einwirkt. Vielleicht können Babys so gut schlafen, weil sie kein Smartphone haben. Handys sind toll, um spezielle Momente mit der Kamera festzuhalten, um mit Freunden zu sprechen, um den Weg zu finden. Abhängig davon, welche Beiträge wir lesen, können sie uns auch Angst liefern. Beitrag für Beitrag - eine Tragödie, ein Akt des Hasses oder eine Form von Grausamkeit. 

Früher waren wir nur Nachrichten aus dem lokalen Umfeld ausgesetzt. Nun ist es aber so, dass die Geschehnisse der ganzen Welt sofort gesammelt werden können. Ganze Kanäle sind voll mit Nachrichten, die Angst auslösen. Es ist hart, unseren Geist damit zu füttern und gleichzeitig im Frieden zu sein. Wir können weiter funktionieren, aber nicht wirklich im Frieden sein. Fantastisch ist allerdings, dass sich eine weitere Möglichkeit für Frieden ergibt, wenn wir uns von Angst auslösenden Inhalten fernhalten. Denn wenn wir uns diese nicht mehr ansehen, was machen wir dann mit der gewonnenen Zeit? All diese Minuten des Tages müssen wir dann mit etwas anderem verbringen. Ansonsten würden wir uns ja langweilen. Und da wird es erst so richtig spannend. Vielleicht finden wir ja Inhalte, welche uns mit einer ganz anderen Energie versorgen. Podcasts, die uns zum Lachen bringen. Websites mit Geschichten über Themen, die wir wirklich interessant finden, wie alte ägyptische Artefakte, den Anbau von biologischen Nahrungsmitteln oder irgendetwas anderes - aus der Vielfalt tausender anderer Themenbereiche. Wir haben also eine persönliche Wahl!

Was ist ein großartiges Leben für dich?

Wir gehen zurück zur vorigen Daseins-Frage: Egal welche dieser zwei Optionen richtig ist, wir können einfach ein großartiges Leben führen. Und dies führt uns dann zur Frage: “Was ist ein großartiges Leben für mich?”
Frieden entsteht durch die Abwesenheit von Angst. Darüber haben wir bereits gesprochen. Er kommt auch, wenn wir sicher wissen, in welche Richtung unser Leben gehen soll. Dies ist eine der mächtigsten Möglichkeiten, die uns Gelassenheit, Vertrauen und Ruhe im Leben bringen. Denn wenn wir uns darüber nicht im Klaren sind, verursacht die Unklarheit in unserem Geist, dass wir ständig in Alarmbereitschaft sind. Jeder Moment erfordert dann intensive Analyse und Reflexion. Zögern, Unsicherheit und Zweifel greifen dann in unseren Gedanken um sich.

Ein friedliches Baby, aus dem ein stress-beladener Erwachsener wird, ist ein Beispiel dafür. An einem bestimmten Punkt wurden die Gelassenheit und Ruhe durch Unsicherheit und damit einhergehender Angst ersetzt.

Als unterstützende Übung, um Frieden eine Chance zu geben, erlaube dir selbst, es mit Sicherheit zu versuchen. Das bedeutet, dir selbst zu gestatten, herauszufinden, was dir Erfüllung gibt, und dieses Leben dann auch zu leben. Beginne mit nur einer Minute am Tag. So gesehen ist es ganz egal, welche der beiden Auffassungen zum Leben die “richtige” ist: Entweder dieses Leben ist alles, was es gibt, oder es ist nur eine vorübergehende Exkursion auf unserem Weg. Du wirst zufrieden mit deinem Leben sein, wenn du diese wertvollen Minuten deiner Existenz mit Dingen verbringst, die dich erfüllen.

In meinem Buch “Das Café am Rande der Welt“ sagt eine der Personen:
“Wir fürchten uns nicht davor zu sterben. Wovor wir uns fürchten, ist, an unserem Lebensende feststellen zu müssen, dass wir nicht gelebt haben.“ 

Mit Sicherheit zu wissen, welchen Weg im Leben wir gehen möchten, und ihn dann auch zu gehen, bringt Frieden in unser Leben aus genau diesem Grund. Denn wir können keine Angst davor haben, etwas nicht gemacht zu haben, wenn wir es bereits getan haben. 

Ich wünsche euch ganz spezielle Momente des Friedens.

John Strelecky, Autor von Das Café am rande der Welt und die Big Five for LifeJohn P. Strelecky ist der Autor des Nr. 1 Bestsellers “Das Café am Rande der Welt” und der “Big Five for Life” Buchreihe. Um mehr über seine Werke und das Entdecken der Liebe am Leben zu erfahren, besucht  www.jsandfriends.com

Dieser Artikel ist ein Auszug aus maaS No. 11 FRIEDEN.

>> Jetzt bestellen

maaS Magazin No. 11 FRIEDEN