Wenn ich groß bin, werde ich Christkind!

Berufswunsch Kinder

eliasfalla, pixabay

Wenn man Kinder fragt, was sie später einmal werden wollen, erhält man interessante Antworten. Anders als bei uns Erwachsenen, werden Kinder -  vor allem kleinere - noch nicht von Prestige oder Geld bei ihrer Berufswahl beeinflusst. Kinder sind Freigeister, die nur allzu schnell für einen besonderen Wunsch Feuer fangen. Vorbilder, der Wunsch zu helfen oder der Spaß stehen bei den Kleinen im Vordergrund.

Kindern Fragen zu stellen, ist immer ein Abenteuer. Umso überraschter bin ich, dass sich alle befragten Kinder schon Gedanken über ihr zukünftiges Leben gemacht haben. Egal ob es um die Berufswahl oder das spätere Privatleben geht, schon die Kleinsten haben konkrete Vorstellungen, wie ihr Leben später aussehen soll. Auch Tina, gelernte Erzieherin, stellt immer wieder fest, dass Kinder sehr genau wissen, was sie wollen.
Jedes Jahr fertigt Tina mit den neuen Kindergartenkindern einen Steckbrief über Berufswünsche, Talente und Ziele an. Ausgefallene Jobs wie Sänger, Astronaut oder Reiter stehen bei den Allerkleinsten ganz oben auf der Wunschliste. Allerdings ändern sich die Wünsche der Kinder auch genauso schnell wieder. Wollte ein Kind gestern noch Sängerin werden, will es morgen Tierärztin oder Sanitäterin werden. Je jünger die Kinder sind, desto ausgefallener sind deren Berufswünsche.
Lara, 6 Jahre alt, möchte später einmal Christkind werden. Bei der Frage nach dem Warum, erzählt sie stolz, dass sie ihrem kleinen Bruder und ihren Eltern so alle Wünsche erfüllen kann. Außerdem kann das Christkind fliegen und so kann sie jederzeit zu ihrer Familie nach Hause fliegen. Wie man fliegen lernt, weiß Lara zwar noch nicht, aber bis sie groß genug ist ein Christkind zu werden, ist ja noch Zeit. Chiara, 10 Jahre alt, möchte einmal Polizistin werden, weil sie als Beamtin schießen darf. Oder Tierpflegerin, weil sie Tiere liebt und ihnen helfen möchte. Auch Noah, 9 Jahre alt, möchte später einmal mit Tieren arbeiten, um ihnen zu helfen. Oder Lena, 10 Jahre alt, die ein Tierhotel eröffnen möchte, damit sie den ganzen Tag mit Tieren zusammen sein kann.
Auffällig ist bei den meisten Kindern, dass sie von Berufen träumen, in denen man anderen, vor allem Tieren, helfen kann. Bei der Frage, ob man mit so einem Beruf Geld verdienen kann, sind die Kinder erstmal ratlos, zucken die Schultern und murmeln ein schüchternes „Ich weiß nicht“.
Der kleine Ben, 5 Jahre alt, möchte später einmal Busfahrer werden, weil er denkt, dass der Busfahrer das Geld für die Fahrkarten behalten darf. „Dass finanzielle Aspekte bei der Berufswahl so kleiner Kinder im Vordergrund stehen, ist selten, kommt aber immer wieder vor, wenn Eltern viel über finanzielle Probleme mit den Kindern sprechen“, sagt Tina. Ansonsten seien andere Dinge wichtiger und Begriffe wie Geld noch viel zu abstrakt. Gerade Kindergartenkinder machen sich noch keinen Kopf und entscheiden nur nach Gefühl. Sie halten sich alle für kleine Künstler, Sänger oder Tänzer. Und das ist auch gut so! Erst mit zunehmendem Alter und andauernder Entwicklung, reift das Bewusstsein für ihre Talente und Begabungen und das rationale Denken, um sich wirklich für einen Beruf zu entscheiden. Je kleiner die Kinder sind, desto mehr trauen sie sich zu. Ein Kindergartenkind wird man selten sagen hören „Ich kann nicht malen“.
Auch Maria, Erzieherin, ist dieser Meinung. „Kindergartenkinder und Grundschüler entdecken gerade erst die Welt und kümmern sich noch nicht um so etwas. Sie können alles, wollen alles und probieren sich erstmal aus. Geld spielt bei den Berufswünschen nie eine große Rolle.“
Bei älteren Kindern in der 5. und 6. Klasse spielen jedoch bereits andere Faktoren eine Rolle. Auch hier steht der Spaß noch im Vordergrund, eine Verknüpfung zu den eigenen Talenten ist aber bereits möglich. Prestige, der Wunsch vorwärts zu kommen oder die eigenen Begabungen auszuleben, werden hier erstmals wichtig für die Kinder. Die Berufswünsche sind immer noch eher außergewöhnlich und orientieren sich oft an den Vorbildern im Fernsehen. Hoch im Kurs stehen Model- und Gesangssendungen. Aber auch musische oder schriftstellerische Begabungen und andere Talente sind in diesem Alter für die Kinder und ihre Bezugspersonen sichtbar. Viele Eltern reagieren darauf. Conny, Deutschlehrerin, bestätigt dies: „Gerade Kinder mit musischen Begabungen werden oftmals schon früh von ihren Eltern gefördert und ihre Wünsche ernst genommen.“ Sie weiß auch von ehemaligen Schülern, die ihre Berufswünsche aus Kindertagen tatsächlich erfüllt haben. Und auch wenn dies eher selten ist, zeigt es doch, wie bewusst sich selbst schon Kinder ihrer eigenen Person und ihrer Umwelt sind.

Carina Schwickart