Wann ist Mann ein Mann?

Richard Schneebauer

Richard Schneebauer, Foto: Rena Hoffmann

Wann ist Mann ein Mann?

… grölte Herbert Grönemeyer in der 80ern und warf damit eine große Frage auf, die erst in den letzten Jahren zunehmend von den Männern ernstgenommen wird. Wir sprechen mit Dr. Richard Schneebauer darüber, der seit 2000 in der Männerforschung und Beratungspraxis nach Antworten sucht.

Richard Schneebauer: Es ist ein relativ neues Phänomen, die Rolle des Mannes überhaupt zu hinterfragen. Zunehmend mehr Männer wollen sich nicht mehr in alte Stereotype einengen lassen oder es nur den Frauen recht machen. Der Mann von heute soll stark und einfühlsam, beruflich erfolgreich und gleichzeitig ein guter Vater sein. Zu den alten Rollenbildern kommen noch neue hinzu. Diese von außen gestellten Anforderungen können nicht erfüllt werden. Letztlich muss jeder Mensch mit Penis sich fragen, wie möchte ich als Mann sein? Spannend ist zu beobachten, dass durch die große Migrationswelle Männer in unsere Gesellschaft drängen, die Männlichkeitsformen unserer Väter und Großväter und damit längst überholt Geglaubtes mitbringen.

Wie sehen Männer ihre „Artgenossen“?

Richard Schneebauer: Die Fassade ist inzwischen weniger machohaft, aber allzu oft sehen sich Männer unter dem Konkurrenzaspekt. Wer ist hier der „Alpha“? Wer hat mehr Status, Geld und Macht? Es ist toll, wenn Männer etwa im Sport gegeneinander antreten, sich in bestimmten Leistungen messen, das macht Spaß und spornt an. Aber es ist wünschenswert, dass es ein mehr an Solidarität und Miteinander, an offener und wertschätzender Begegnung von Männern untereinander gibt.

Wie sehen Frauen die Männer?

Richard Schneebauer: Wo sie früher oft aufgeschaut haben, machen sie sich heute in vielen Fällen direkt oder unter sich über Männer lustig. Viele Frauen vermissen den starken Mann und erkennen nicht, dass sie die Version von früher keinesfalls mehr haben möchten, außer in Filmen oder romantisierten Gedankenspielen.  

Gerade „toughe“ Frauen, die ihre „männliche“ Seite stärker leben als ihre weibliche, beklagen dies besonders, ohne sich bewusst zu sein, wie viel dabei in ihnen selbst begründet liegt.

Wie leben die Männer das Yin Yang-Prinzip?

Richard Schneebauer:  Männer sind immer noch sehr Yang-lastig. Die Yin-Aspekte werden etwas wichtiger, aber in Wahrheit lehnen die Männer diese an sich noch sehr stark ab. Nach außen angepasst zeigen sie schon mehr davon als früher, aber innerlich hat sich noch nicht sehr viel geändert. Ein harmonischer Ausgleich täte ihnen, den Beziehungen und der Welt im Gesamten gut. Würden Männer ihre eigene Gefühlsseite mehr annehmen, kämen sie auch mit Frauen besser klar.

Wie wollen die heutigen Männer wirklich sein und welche Bedürfnisse haben sie?

Weiterlesen in maas No. 2 Frauen und Männer

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Dr. Richard Schneebauer ist langjähriger Mitarbeiter der Männerberatung des Landes Oberösterreich sowie selbstständiger Berater, Trainer und Coach. Sein Wissen aus der Beratung von Männern gibt er als Vortragsredner, Dozent an der Uni und ebenso in der Beratung von Unternehmen weiter.

www. genius-coaching.com  

 

Rena Hoffmann