Vom heiligen Zorn der Frau

Vom heiligen Zorn von Sarah Hadinoto

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Zorn, Wut und Radikalität sind Attribute, mit denen Frauen ihr Frau-Sein nicht gerne belegen. Es hat etwas Unschönes, nicht besonders Liebenswürdiges an sich – und nicht selten erscheint das Bild des (Haus-)Drachens oder der wilden Furie in unseren Köpfen. Wir sind innerlich froh, wenn uns dieses Stigma nicht auferlegt wird, denn zornige Frauen sind unbeliebt. Was kostet es uns, wenn wir unsere Emotionen hinunterschlucken? Und was erreichen wir langfristig, wenn wir ein kraftvolles Donnergrollen nutzen, um Grenzen zu setzen?

Zu einem kraftvollen Weibsbild gehört es auch, klar zu sehen, deutlich zu sprechen und, wenn es angebracht ist, auch den heiligen Zorn rauszulassen. Diese überschäumende, reinigende und heilsame Kraft, die uns Angst macht, derer wir uns schämen und auf tausend verschiedene Arten versuchen zu verbergen.

Emotionen sind dazu da, um gelebt zu werden. Verkümmern sie in der Ecke, holen sie sich irgendwie die Beachtung, die sie benötigen. Wie ein quengelndes Kind nach Aufmerksamkeit werden auch unsere Emotionen in uns lauter und möchten gesehen werden. Manchmal so lange, bis wir krank werden. Frauen neigen dazu, Wut und Zorn eine negative Bedeutung beizumessen. Wut und Zorn sind eine sehr aktive, extrovertierte, männliche Kraft. Es schickt sich nicht für eine Dame, wütend zu sein, auf den Tisch zu hauen und ein klares Machtwort zu sprechen. Es gehört sich nicht, in unserem Harmoniedenken den herannahenden Sturm aufbrausen und wüten zu lassen. Häufig denken wir, dass so ein Ausbruch nur Unruhe stiften und Chaos hinterlassen wird. Dann würde alles schlimmer, als es vorher schon war. Also: Deckel zu. Wenn wir dem nicht stattgeben, entsteht an der gedeckelten Stelle noch mehr Druck. Denn, so ist das Leben: Gefühle möchten gelebt werden. 

Weiterlesen in Magazin maaS No. 2 "Frauen und Männer".

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Sarah Hadinoto