Munay - die Kraft der Liebe bei den Inkas

Munay - die Kraft der Liebe bei den Inkas von Hans-Martin Beck

Hans-Martin Beck

Wie wir Liebe willentlich erzeugen, um sie für uns und andere zu nutzen

In den Hochanden von Peru, auf einer Höhe von 3.300 m bis 4.500 m, leben die Q’ero-Indianer, die Nachfahren der Inkas. Durch seine abgeschiedene Lage konnte dieses Volk das spirituelle Erbe seiner Vorfahren über die letzten 500 Jahre bewahren und verfügt bis heute über ein Wissen, das nicht nur das Wachstum des Einzelnen unterstützt, sondern gleichzeitig ein harmonisches Miteinander in der Gesellschaft ermöglicht. Einer der wesentlichen Faktoren dafür ist das Verständnis der Inkas von Liebe, das sich deutlich von unserer Auffassung unterscheidet.

Während wir Liebe als wunderbares, aber auch als unkalkulierbares Gefühl verstehen, das zufällig entsteht, anfangs heiß brennt und irgendwann wieder abkühlt, sehen die Inkas Liebe als Kraft. Diese Kraft können Menschen willentlich erschaffen und dazu nutzen, nicht nur ihre Beziehungen zu den Menschen um sie herum zu verbessern, sondern auch, um schwierige Situationen im Alltag zu meistern.

 

Was wir im Westen als Liebe bezeichnen, drückt in der alten Sprache der Inkas das Wort Munay aus. Munay lässt sich ins Deutsche wiederum nur mit den beiden Wörtern Liebe und Wille übersetzen. Liebe und Wille sind für die Q’eros ein und dasselbe. Während wir bemüht sind, auf unser Herz zu hören, geht es bei ihnen darum, ihre Gefühle und ihren Willen gemeinsam zu entwickeln, so dass Herz und Verstand eine harmonische Einheit bilden. Dies bedeutet, dass wir uns in die Lage versetzen können, in jedem Moment des Lebens ein Gefühl von Liebe zu erzeugen, um dieses dort einzubringen, wo es gerade fehlt.

Munay

beschreibt die Fähigkeit, je nach Situation die angemessenen Gefühle für sich selbst, einen anderen Menschen oder eine Gruppe zu erzeugen. Man könnte Munay daher auch als „erwartungslose Liebe“ bezeichnen.

Wir Menschen lieben das Gefühl von verliebt sein. Wir sehnen uns danach und wünschen uns, jemanden zu treffen, der in uns diese schönen und intensiven Gefühle weckt. Haben wir das Gefühl, dass uns niemand liebt, können wir die merkwürdigsten Verhaltensweisen an den Tag legen, um ein klein wenig Liebe, Anerkennung oder Aufmerksamkeit von anderen zu erhalten. Wir erdulden, machen uns klein oder verbiegen uns, um uns geliebt zu fühlen.

Wenn wir uns verlieben, hoffen wir, dass dieses Gefühl für immer andauert.

Aber wir alle wissen, dass es im Leben oftmals anders läuft und dass sich Gefühle verändern, unabhängig davon, wie sehr wir verliebt waren oder wie sehr wir jemanden lieben. Die meisten Menschen erleben in ihrer Partnerschaft Zeiten, in denen sie wenig oder gar keine Liebe empfinden. Wäre es nicht fantastisch, wenn wir Liebe erzeugen könnten, um sie wieder in die Beziehung zu bringen oder uns selbst damit aufzufüllen? Auch wenn Munay scheinbar trockener oder weniger enthusiastisch klingt als unsere westliche Vorstellung von Liebe: Wer Munay produziert und anwendet, stellt nicht nur erstaunt fest, dass es sich anfühlt, als sei man ständig verliebt, sondern auch, dass sich die eigene innere Haltung, die (Liebes-)Beziehung, das eigene Umfeld und auch das ganze Leben verändert.

Wer in der Lage ist, die Verbindung zwischen Herz und Verstand zu harmonisieren, entwickelt innere Kraft und Stärke, aber auch Klarheit und Mitgefühl für sich und andere. Es ist ein Zustand, in dem man sich seiner selbst gewahr ist und gleichzeitig seinem Umfeld gegenüber aufgeschlossen, herzlich und hellwach gegenübertritt.

www.inka-world.de

Weiterlesen im Magazin maas No. 2 "Frauen und Männer" 

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Hans-Martin Beck