Glück kann man lernen

Glück, Glücksministerium

Michael Dörr, www.doerrfisch.de

Bist du glücklich? „Natürlich“ sagt Michael und einen Moment lang sieht es so aus, als knirsche er mit den Zähnen dabei. „Joooaaa“, sagt Alina, die als Krankenschwester in der Neurochirurgie arbeitet, „eigentlich schon“. Dabei rollt sie ihre blassen Augen gen Himmel. Irgendwie muss es doch anders aussehen, das Glück. Sollte es nicht aus den Leuten herausspringen, wenn man sie darauf anspricht, ihre Augen zum Leuchten bringen? Vielleicht aber hat jeder eine andere Auffassung davon, was Glück bedeutet?

Die Vereinigten Staaten haben das Streben nach Glück als ein heiliges Grundrecht aller Menschen deklariert. Ein Land, das auf dem Globus ziemlich genau gegenüber liegt, hat dieses Grundrecht ein ganzes Stück weiter getragen. Im südasiatischen Königreich Bhutan ist das Bruttoinlandsglück das wichtigste wirtschaftspolitische Ziel und somit verfassungsrechtlich verankert. Das dortige Ministerium für Glück hat die Aufgabe, alle Gesetze und Handlungen der Regierung auf ihr Glückspotential zu untersuchen und damit den Grad der kollektiven Zufriedenheit als Glücksindex der Nation dauerhaft zu stärken.

Der außergewöhnliche Denkansatz des kleinen Landes am Fuße des mächtigen Himalayas hat auch die Mannheimerin Gina Schöler inspiriert. Gemeinsam mit Daniel Clarens gründete sie 2012 das „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ und ist seither Deutschlands erste Glücksministerin. Das Ministerium sieht sich als einen medialen Aufhänger, der „positiv provozieren möchte“ und die Bevölkerung aufruft, eine Glücksdebatte zu führen, um das Thema Glück in eine neue Perspektive zu rücken. In seiner Definition setzt das Ministerium Glück mit Wohlbefinden aber auch mit Zufriedenheit gleich. Dies tut zumeist auch die klassische Psychologie, welche Glück als einen dauerhaften Zustand intensiver Zufriedenheit bezeichnet.

Glück ist erlernbar …

Doch „ … eine Lebensweise zu pflegen, durch die man dauerhaftes Glück erreicht, ist eine Kunst“ schreibt der buddhistische Mönch Matthieu Ricard, dem die meisten landläufigen Definitionen von Glück „reichlich vage und oberflächlich“ vorkamen und ihn inspirierten, zu klären, worin wirkliches Glück besteht. Er kommt zu dem Schluss, dass jeder das Glücklichsein erlernen kann, denn es entsteht aus einem inneren Gleichgewicht von Körper und Geist. Glaubt man Anselm Grün, so ist das Erlernen des Glücklichseins gar nicht schwer. Es liegt sozusagen vor unseren Füßen und ist eine Gabe, die das Leben uns jeden Tag auf unseren Weg legt. Es gilt, sie zu sehen, zu pflücken und mit allen Sinnen zu erleben. Für Grün hat Glück sehr viel mit Selbstliebe zu tun und damit in einer unvollkommenen Welt „Ja“ zu sagen zu allem was ist, inklusive dir selbst.

-… wenn man weiß, was Glück ist!

Aber wie kann ich denn wissen, ob ich wirklich, wirklich glücklich bin, wenn ich gar nicht genau weiß, was Glück eigentlich ist? Wir haben regelrecht verlernt, uns diese Frage zu stellen: Bin ich wirklich, wirklich glücklich? In meiner Beziehung, in meinem Job, in meinem Leben? Öffne ich morgens die Augen und freue mich mit Dankbarkeit im Herzen auf den Tag, oder stöhne ich leise beim ersten Gedanken an meinen Terminkalender und die mentale Liste all der Dinge, die ich mir selbst auferlege? Bin ich froh, auf dieser Welt zu sein und hüpft mein Herz vor Freude beim Anblick all der Herrlichkeit um mich herum, oder erscheint mir das Leben trist, grau und gewalttätig? Gehe ich abends mit vollem Herzen und dem Gefühl eines erfüllten Tages ins Bett, oder sehne ich den rettenden Schlaf herbei sobald mein Kopf erschöpft auf das Kissen fällt? Diese und ähnliche Fragen gilt es in aller Ehrlichkeit zu beantworten, wenn wir herausfinden wollen, ob in unserem Leben noch das Glück wohnt.

Weiterlesen im Magazin maaS No.1 Beruf und Berufung

 

Jetzt bestellen

 

Philanthea