Der Bogen bin ich

Bogenschießen, Ziel erreichen, Zen und die Kunst des Bogenschießens

WildLand

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, ihre Ziele zu erreichen? Einem möglichen Grund kommt man auf die Schliche, wenn man sich in der Kunst des Bogenschießens versucht.

Zen in der Kunst des Bogenschießens. Vor vielen Jahren fiel mir dieses Buch des deutschen Philosophen Eugen Herigel in die Hände. Was sollte ich damit anfangen?  Lesen, verstehen, weglegen? Kann es mir überhaupt gelingen, Verständnis für diese alte japanische  Kultur zu entwickeln, diesen ganzen Überlieferungen von Generation zu Generation zu  folgen, ihre Lehrer und Meister, ihre Traditionen und Rituale zu verstehen? Was soll dieses Buch mir Nachhaltiges geben? Ich ahnte es. Die Erzählungen und Erklärungen über die hohe Kunst des Kyudo fordern mich schon beim Lesen zu höchster Konzentration, Wiederholung und Reflexion. Wofür ist das wohl gut?

Mitakuje oyassin.

Ich stehe einen Meter vor dem Feuer im horseshoe, ein Stück Stoff um meine Hüfte geschnürt, es ist kalt und nass. Die ties sind gebunden, erwartungsvolle Stille vor dem Gang, eher Kriechgang, in die sweat lodge. Mein Freund Tobias ruft mit den Augen. Am Altar, geschmückt mit flags und Büffelschädel vorbei, geht es auf allen Vieren zum Eingang der Hütte. Der smoke der Zeder reinigt, ich spreche ein mitakuje oyassin, es ist dunkel. Tief gekauert sitze ich im Bauch von Mutter Erde, eine Geburt wird kommen. Und die kochenden Steine. Duft von Salbei füllt die Finsternis. Feuer und Wasser vereinen sich, Leben entsteht. Ich verbrenne mein Ego. Ich bin eins mit allem.

Namu dai bosa.

So endet der letzte Satz auf Seite 38 im Buch von John Daidoo Loori über das Zen der Kreativität. Davor steht: Der Schnee aller Länder schmilzt zu …

Immer wieder begegnen mir ganz grundsätzliche Erkenntnisse auf meinen Wegen durch die Mystik menschlicher Hochkulturen. Und sie lehren mich unisono: Alles ist eins.

Mit diesen Büchern, Lehren und Gedanken lebe ich seit vielen Jahren ein glückliches und erfülltes Leben. 1997 habe ich ein Projekt ins Leben gerufen, das mir die Möglichkeit gibt, die Lehren dieser Kulturen zu praktizieren, mit mir selbst und mit Menschen, die daran interessiert sind, mehr zu erfahren. Konkret heißt das heute. Zu mir kommen Führungskräfte der deutschen und internationalen Wirtschaft. Ich erkenne in ihnen die Gralshüter der großen Unternehmensstrategien und -ziele. Die Resultate ihrer Gedanken, Visionen, Wünsche dokumentieren sich auf abertausenden von Metaplankärtchen in den Meetingräumen. Sie zeugen nur von einem und das immer wieder: Wie erreiche ich Ziele?! Und abertausende anderer Kärtchen zeigen die ganze Komplexität der Systeme, Waffen und Wege auf, mit denen geglaubt wird, diese Ziele zu erreichen. Und was passiert? Es geht daneben! Die Erklärungen sind flott bei der Hand: Der Andere, die allgemeinen Umstände, die Lage, die Stimmung und zig weitere Phantasieerklärungen müssen herhalten. Damit ist alles klar und gelöst! Denkste! Das nächste Mal kommt  bestimmt und das Spiel beginnt von vorn. Wieder beschäftigen sich alle mit Zielen und den tausend Möglichkeiten, sie nun endlich und sicher zu erreichen.

Weiterlesen im Magazin maas No. 1 Beruf und Berufung.

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Harald Hasse