Das macht Mut

Silke Naun Bates macht Mut

Silke Naun-Bates

Steht voll im Leben

Nicht nur die Geschichte von Silke Naun-Bates macht Mut, sondern auch Silke als Mensch. Es ist eine große Freude und Bereicherung mit ihr zu sprechen, sie lachen zu hören und ihre so einfach klingenden Weisheiten auf sich wirken zu lassen. Dann spürt man deutlich, dass Silke ein Mensch ist wie du und ich. Und doch ist sie etwas ganz Besonderes. Unweigerlich fragt man sich: Wie kann es mir eigentlich schlecht gehen?

Du hast eine ganz besondere Lebenssituation. Wie würdest du dein Leben bis heute beschreiben?

Wie du auf den Bildern zu diesem Artikel siehst, fehlen meinem Körper zwei, für viele Menschen, doch wesentliche Teile – die Beine. Diese verlor ich mit acht Jahren durch einen Unfall. Das war 1976 und zu diesem Zeitpunkt war allen Beteiligten klar, dass für mich ein Leben als Frau, Partnerin und Mutter unmöglich sein wird. An eine berufliche Entwicklung wurde damals gar nicht erst gedacht.

Heute blicke ich dankbar auf die Begrenztheit der damaligen Überzeugungen zurück. Verführten mich diese doch dazu das Gegenteil zu beweisen. Mein Körper hat zwei wundervollen, mittlerweile erwachsenen Kindern das Leben geschenkt, ich blicke zurück auf erfahrungsreiche Beziehungen, bin zum zweiten Mal verheiratet und meine berufliche Entwicklung führte mich von einer Ausbildung im kaufmännischen Bereich über die Tätigkeit als pädagogische Mitarbeiterin und Führungskraft in die freiberufliche Selbständigkeit als Autorin, freie Redakteurin und Gastreferentin. Mein Leben bis heute war reich an Erfahrungen, Abenteuern und Liebe. A wild Journey.

Andere wären vielleicht verzweifelt, warum du nicht?

Es gab Zeiten, da war auch ich verzweifelt. Der Unterschied ist vielleicht der, dass ich die unangenehmen Stationen in meinem Leben schneller angenommen habe und den Mut in mir gefunden hatte, für Veränderung zu sorgen. Was uns oft so sehr schwächt ist der Kampf gegen eine bereits bestehende oder vergangene Situation. Und hier ist es vollkommen gleichgültig, ob es sich um eine körperliche Einschränkung, Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich, finanzielle Engpässe usw. handelt. Wenn wir offen oder auch versteckt gegen eine bereits bestehende Situation kämpfen, verstärken wir diese und schwächen uns selbst. Es erfordert Mut, aus der vermeintlichen Opferrolle herauszutreten und wirklich Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen. Doch, wenn wir diesen Schritt einmal gegangen sind, wird es einfacher. Was nicht bedeutet, dass es stets leicht ist. ;)

Wenn du das alles geschafft hast, können es andere auch! Wie war dein persönlicher Entwicklungsweg?

Bis zu meinem 35. Lebensjahr habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Mein Leben war so voll mit Dramatik, Tragödien, der Suche nach Liebe, Herz-Schmerz-Theaterstücken, dem Alltag, dass für so was nun wirklich keine Zeit blieb. Erst nach einigen Todesfällen drang die Frage nach dem Wofür oder auch dem Sinn in mein Bewusstsein. Und sie blieb. Lange Zeit hatte ich als Antwort „nur“ ein tiefes Gefühl. Mit Worten konnte ich es nicht benennen. Doch dieses Gefühl habe ich in mir am Leben erhalten. Es hat mir Kraft geschenkt. Und da ich ja wieder gelernt hatte, habe ich dann, auch mit einigen Umwegen, stets die richtigen Menschen getroffen, die mir die für mich richtigen Fragen stellten. Für gewisse Zeiträume waren diese Menschen meine Lehrer.

Die wichtigste Unterstützung war für mich, wieder zu lernen, meine innere Stimme wahrzunehmen, ihr zu vertrauen und zu folgen. Durch die Vielfalt an Emotionen diese Stimme zu erkennen, erfordert ein wenig Training, doch es ist (wieder) erlernbar. Dann war ich, manches Mal früher, manches Mal später, auch stets bereit in meiner Welt zu handeln. Das erfordert oft Mut. So lange unser Vertrauen, welches viele Menschen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben verloren haben, noch nicht ausgeprägt genug ist, bedarf es Mut die einzelnen Schritte auch wirklich zu gehen. Das Schöne ist, dass wir auch die Eigenschaft „Mut“ erlernen und stärken können. Dann wird das Leben zu einem Abenteuer.

Was hat es mit dir gemacht, in die Öffentlichkeit zu gehen?

Am liebsten hätte ich ja aus dem Hintergrund gewirkt, damit ich mich nicht zeigen muss. Der Grund dafür, dass ich mich nicht zeigen wollte, war mein Körper. Nicht, weil ich ihn nicht schön finde, sondern weil es mir wichtig ist, nicht in die Schublade „behindert“ gepackt zu werden. Doch in dem Moment, als mir bewusst wurde: Wenn Du Deine Berufung wirklich leben willst, musst du an die Öffentlichkeit, weigerte sich in mir erstmal alles. Zu der Zeit nahm ich am Living Master Club (heute Human Trust) teil und dort lief gerade eine Liegestütz-Challenge. An einem Tag kam so heftig der Impuls in mir hoch, dass ich doch auch einfach ein Video dazu machen kann. Gesagt, getan. Mein Partner nahm auf, ich machte die Liegestütz und schrieb beim Posten dazu, dass jetzt jede Woche ein Liegestützvideo kommt. Erst hinterher wurde mir bewusst, was ich da getan hatte. Ich hatte mich verpflichtet. Öffentlich. 40 Wochen habe ich jede Woche ein Video ins Netz gestellt und ich durfte lernen auszuhalten, was da auf mich zukommt. Die meisten Kommentare waren positiv, doch es gab auch einige andere. Ziemlich zu Beginn wollte ich erst alles wieder aus dem Netz entfernen. Doch dann habe ich mich einer Selbstbefragung unterzogen und bin kurz in eine Welt eingetaucht, von der ich bis zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung hatte, dass sie existiert. Lasst es mich so beschreiben: Unsere Welt ist einfach ein kunterbunter Spielplatz, an dem sich in jede Richtung ausgetobt werden kann.

Diese 40 Wochen haben mich gestärkt. Wenn ich die Videos heute anschaue, sehe ich die Entwicklung innerhalb dieser Wochen. Sie waren praktisch eine Vorbereitung auf Kommendes. Letztes Jahr war ich dann das erste Mal live zu Gast im Fernsehen. Der Durchbruch kam, als ich mich zeigte und aufhörte mich zu verstellen.

Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Eine konkrete Vorstellung habe ich nicht. Das zweite Buch wird dieses Jahr erscheinen, ich werde bei einigen Events dabei sein, weiterhin den Impulsen meiner inneren Stimme folgen und sehen, wohin der Weg mich führt. 

Manchmal setze ich mir auch Ziele, von denen ich denke, dass es schön wäre sie zu erreichen und bin auch bereit sehr viel dafür zu tun. Dies tue ich stets in dem Bewusstsein, dass es auch nicht tragisch ist, wenn ich sie nicht erreiche. Dann kommt vielleicht was noch Besseres. Wer weiß?! Und wenn ich sie erreiche – super. Ich vertraue grundsätzlich dem Leben, dass es mir zeigt, wo der Weg für mich ist und dem folge ich, ohne Wenn und Aber.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich wirklich meinem Ruf folge und bereit bin auch zu handeln, sich Türen öffnen, von denen ich vorher nicht einmal ahnte, dass sie existieren und scheinbar Unmögliches wurde möglich.

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Anita Maas