Das Ende der Welt liegt in der Bretagne

Bretagne, finistere, Baie de trepasses, ile de sein

André Höfer

Muss das wirklich sein? Soll ich wirklich wieder über 1000 km fahren zu diesem Ort, für eine Woche und dann die gleiche Strecke wieder zurück? Wofür das alles? Kann es nicht viel einfacher irgendwo hier in Deutschland sein? Diese Fragen habe ich mir schon oft gestellt, wenn es heißt, aufzubrechen zum Releasing  in der Bretagne in der Visionswerkstatt am Cap Sizun. Doch tief im Innern ist die Entscheidung jedes Mal schon längst gefallen. Da ist ein Ruf, die Seele zieht es unwiderstehlich dorthin. Widerstand ist zwecklos.

Und so gleiten die Stunden im Auto dahin. Zugegeben: in Paris auf dem peripheric kann man nicht wirklich von gleiten sprechen, aber dann vorbei an Chartres (wer mag,  beginnt seinen „Urlaub“ hier in der monumentalen Kathedrale) über die Autobahn bis Rennes und das letzte Drittel fährt sich wie von selbst. Und dann, kurz vor dem Ziel, nach 995 km, meldet sich eine Stimme: „Ich fahre nicht weiter, lieber kehre ich um als dort anzukommen.“

Da ist es, das Ego. Es weiß ganz genau, dass es ihm an den Kragen geht in dieser Woche, die vor mir liegt. Festhalten an Altem, Machtspiele und die Kontrolle behalten wollen, alles, was das Ego so sehr „liebt“, das alles geht hier irgendwie nicht. Hier im Finistère, am Anfang und Ende der Welt, ist sterben angesagt, damit das wirkliche Leben endlich beginnen kann. Und spätestens jetzt übernimmt der Wille zur Hingabe an das Leben und die Liebe die Führung: Ich bin da.

Gleich am Ortseingang von Cleden Cap Sizun liegt auf der rechten Seite ein großes, einfaches, unscheinbares Haus. Das alte Dorfhotel, das viele Jahre leer gestanden und wie Dornröschen tief geschlafen hatte, wurde Mitte der 90er Jahre wachgeküsst und wieder zum Leben erweckt. Es bekam den Namen „Atelier de la Vision“,  zu Deutsch: Visionswerkstatt. Besser hätte der Name nicht gewählt werden können. Hier, wo die Magie, der Zauber, die Mystik dieser Landzunge und der klare, unabhängige, zupackende Geist der Bretonen zusammen kommen, hier werden Träume geboren, die nach Umsetzung verlangen ...

Nicht weit vom Haus entfernt liegt die Baie de Trépassés, ein malerischer Strand, auf beiden Seiten eingehüllt von majestätischen Felsen. Hier versammelten sich der Überlieferung nach die Naturkundigen der alten Völker, die Druiden, einmal im Jahr. Vor dem Cap liegt die berühmte kleine Insel „Ile de Sein“. Dorthin flohen die letzten weisen Frauen vor den römisch-christlichen Eroberern. Die Weisheit der alten Mutterkultur liegt hier in der Luft und ist förmlich mit Händen zu greifen. Wenn ich mich hier bäuchlings auf den Sand oder die Steine lege, ist mir, als höre ich den Puls der Erde und der Himmel über dem Meer scheint mir hier besonders offen zu sein. Was für eine Kraft! Was für eine Weite!

Ich lasse los alle Widerstände gegen die Heilung aller alten Wunden, die Männer und Frauen sich zugefügt haben. Ich lasse los alle alten Ängste, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren, wenn ich mein Herz ganz öffne und den Ruf des Lebens, das durch mich fließen möchte, höre. Ich ergebe mich. Ich lasse los... Sein ist genug. Und jetzt ist klar: „Ich“ gehe nach Hause.

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Yoga-Releasing-Retreat in der Bretagne

Du bist eingeladen, deine Grenzen und Möglichkeiten wahrzunehmen und zu erweitern, dem Fluss deines Atems zu folgen und ihn zu vertiefen. Du bist ganz bei dir, spürst dich in deinem So-‐Sein, und beobachtest deinen Geist. Du kannst erleben, wie Yoga dich in deinem Prozess unterstützt, kraftvoll, öffnend als auch stabilisierend und regenerierend. Und wir werden nicht vergessen das Leben zu feiern...

Mit André Höfer (Releasing) und Susanna Strauch (Yoga)

www.praxis-in-praesenz.de

André Höfer